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Wismar Wismar verbietet das Füttern von Möwen
Mecklenburg Wismar Wismar verbietet das Füttern von Möwen
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14:17 19.07.2019
Möwen kreisen im Wismarer Hafen (Archivbild) Quelle: Lars Nielsen
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Wismar

„Ein Aal-Brötchen, ein Garnelen-Brötchen und einen Backfisch.“ Uwe Ziehn kriegt gerade eine Bestellung rein. Es ist kurz nach Zehn im Alten Hafen. Möwengeschrei ist zu hören und einige Spaziergänger sind schon hungrig nach Fisch. Die weißen Vögel anscheinend noch nicht. „Meist kommen sie erst am Nachmittag so gegen 14 Uhr", sagt Ziehn. Seit ungefähr neun Jahren verkauft er Fisch und Fischbrötchen an der Kaikante, seit fünf Jahren gäbe es ein Problem mit diebischen Möwen. „Sie kommen von hinten angeflogen und schnappen sich das Essen aus den Händen der Leute“, erzählt Ziehn. Zwei Möwen seien besonders aggressiv - „beide haben einen grünen Ring am Fuß", berichtet der Verkäufer des Kutters Seeperle. Neben seinem Verkaufstresen hat er ein Schild aufgestellt: „Möwen füttern verboten“ ist darauf zu lesen. Doch offiziell verboten ist das im Alten Hafen noch nicht. Erst am 1. August soll eine entsprechende Stadtverordnung in Kraft treten. Bei Verstößen droht ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro.

Möwen in Wismar

Möwen werden aggressiver

„Das Verhalten vieler Menschen im Bereich des Alten Hafens führt dazu, dass die Möwen zunehmend immer aggressiver auftreten“, sagt Marco Trunk, Pressesprecher der Stadt Wismar. Durch das Füttern hätten sich die Vögel an diese Form der Nahrungsaufnahme gewöhnt und hätten das natürliche Suchen nach Fressen abgelegt. „Im Sturzflug schnappen sie sich das Futter, welches ihnen durch die Menschen angeboten wird“, ergänzt Marco Trunk. Dabei bestehe die Gefahr, verletzt zu werden - vor allem für Kinder, die oft die Aggressivität der Möwen unterschätzen würden.

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Zudem, so steht es in der Verordnung, würden größere Vögel-Populationen eine Menge an Kot hinterlassen, der Gebäude, Fahrzeuge und auch Menschen treffen und verschmutzen kann.

Verbot gilt fünf Jahre

Die Stadtverordnung tritt am 1. August 2019 in Kraft und gilt vorerst fünf Jahre. Das Möwenfütterungsverbot gilt nur für den Bereich des Alten Hafens – von der Stockholmer Straße über die Straße Alter Holzhafen bis zu den Kreuzungen Schiffbauerdamm sowie Fischerreihe/Ziegenmarkt und der Straße Am Lohberg.

Vor allem Urlauber füttern

Einige Hinweise wie dieses Piktogramm gibt es schon Alten Hafen. Dieses weist daraufhin, keine Vögel zu füttern. Quelle: Helmut Kuzina

Jörg Buth aus Wismar spaziert gerade durch den Alten Hafen. Seit 50 Jahren wohnt er in der Stadt. Er sagt: „Es ist hier gang und gäbe, dass Möwen gefüttert werden, meist von Urlaubern.“ Jörg Buth glaubt nicht, dass das durch ein Verbot komplett ausbleibt. Trotzdem findet 5000 Euro als Strafe zu viel. „Außerdem sollten unbedingt Hinweisschilder auf das Verbot aufmerksam machen. Denn Urlauber können das ja sonst nicht wissen“, meint er.

Neben dem Schild, das Uwe Ziehn auf einem der Fischkutter im Hafen aufgestellt hat, gibt es einen inoffizielle, lustigen Zettel an einem Stromkasten. Auf dem steht: „Bitte keine Möwen füttern! Sie werden zu Piranhas. Piranhas fressen Menschen – schlagt zurück, esst mehr Fisch!“ Und an einem weiteren Stromkasten ist eine Art Verkehrsschild, auf dem ein Mensch eine Ente und einen Möwe füttert – was rot durchgestrichen ist.

Zwei Vögel sollen die Diebe sein

Verkäufer Ziehn ist überzeugt, wenn man die zwei aggressiven Möwen einfängt, wäre das Problem gelöst. Denn sie würden die Essen klauen. Die anderen Möwen würden nur hinter ihnen hinterher fliegen und vom Diebstahl profitieren. Ein Verkäufer vom Nachbar-Kutter bestätigt, dass es ein aggressives Möwen-Duo gibt. Er findet es richtig, dass es bald ein Fütterungsverbot geben soll. „Ein Aal-Brötchen kostet 4,50 Euro. Wenn es plötzlich weg ist, finden das unsere Kunden nicht lustig“, betont der Verkäufer. Auch Renate Fehland aus Wismar begrüßt es, dass gegen die Fütterungen vorgegangen werden soll. Denn sie würden das Diebstahlproblem der Möwen weiter verschlimmern. „Die 5000 Euro-Strafe finde ich berechtigt, denn man kann sich ja auch einfach an die Regeln halten“, betont sie.

Einige Wismarer bedauern, dass das Verbot nur im Hafenbereich gilt. In den Stadtteilen Am Kagenmarkt und Friedenshof würden Möwen ebenfalls für Dreck sorgen und sogar Müllsäcke aufreißen.

Warnemünde hat auch ein Verbot

In Rostock-Warnemünde gilt bereits seit 2009 ein Möwen-Fütterungsverbot. Dort droht bei Verstößen ebenfalls eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro. Verhängt wurde die Höchststrafe bislang aber noch nicht. Denn Kontrollen gibt es nur sporadisch, deshalb ist es schwer, einen Sünder in flagranti zu ertappen. Die Höchststrafe wird denen angedroht, die am Alten Strom in Warnemünde mehrfach beim Füttern der Möwen angetroffen werden. Sie kommt zur Anwendung, wenn „vorsätzlich und zum wiederholten Male“ gefüttert wird. Bei einem Verfahren gegen einem Vogelkundler ist es in den vergangenen Jahren um ein Bußgeld von 35 Euro gegangen, das dann auf 70 Euro aufgestockt wurde. Der Fall ist vor Gericht gelandet.

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