Wismarer Burgwallcenter: Diese zwei Unternehmen verschwinden
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Wismar Großes Bedauern: Diese zwei Unternehmen verschwinden im Wismarer Burgwallcenter
Mecklenburg Wismar

Wismarer Burgwallcenter: Diese zwei Unternehmen verschwinden

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12:00 24.06.2021
Das Burgwallcenter in Wismar ist 1993 errichtet worden.
Das Burgwallcenter in Wismar ist 1993 errichtet worden. Quelle: Jana Franke
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Wismar

Die Spatzen pfeifen es schon ein wenig länger von den Dächern. Nun ist es offiziell: Rossmann kehrt dem Burgwallcenter in Wismar den Rücken. Das bestätigte das Unternehmen auf OZ-Nachfrage. „Die Filiale in der Lübschen wird zum 16. Juli schließen“, teilt Tracy Wiafe aus der Presseabteilung mit.

Die Entscheidung dazu sei nicht zuletzt aufgrund der Ladenfläche getroffen worden, heißt es weiter. Aktuell beträgt sie 270 Quadratmeter – für den regen Kundenverkehr viel zu klein, wie es heißt. Das bestätigt Maysaa Aner. Die 41-Jährige ist regelmäßig mit dem Kinderwagen vor Ort, um in der Drogerie einzukaufen. „Es ist sehr wenig Platz dort“, sagt die Wismarerin. Dass die Filiale nun schließt, bedauert sie sehr. „Die anderen sind sehr weit weg.“

Die Rossmann-Filiale im Burgwallcenter. Quelle: Jana Franke

Kunden bedauern Entscheidung

Derselben Meinung ist eine 70-jährige Wismarerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie glaubt: Für viele Kunden ist der Weggang von Rossmann eine Katastrophe. „Ich wohne in der Nähe und bin jahrelang Kunde“, sagt die Rentnerin. Sie ist noch gut zu Fuß, aber im Bekanntenkreis würde es viele mit Rollator oder Handstock geben. „Wohin sollen wir jetzt? Die nächsten Filialen sind einfach zu weit entfernt, um sie zu Fuß zu erreichen“, bedauert die Seniorin, die das Geschäft nicht nur nutzt, um Hygieneartikel zu kaufen. „Ich habe dort auch gern mal Fotos entwickeln lassen“, berichtet sie. „Das Burgwallcenter stirbt langsam vor sich hin.“

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Annette Krohn wohnt in Dammhusen. Regelmäßig nutze sie das Burgwallcenter, um Besorgungen zu machen. Anlaufpunkt ist dann auch immer Rossmann. „Hier kann ich alles gut miteinander verbinden“, sagt die 47-Jährige. Ähnlich geht es Juliane Reusch. „Hier ist alles gesammelt an einem Punkt“, meint die 31-Jährige, die im Rossmann gern für ihren Nachwuchs einkauft. Liegt ein Termin bei Ärzten im Burgwallcenter an, nutzt sie die Wartezeit oder die Zeit nach dem Arztbesuch, um einzukaufen. „Dann muss ich nicht noch einmal extra losfahren.“

Juliane Reusch (31) zur Schließung: "Schade, hier ist alles gesammelt an einem Punkt!" Quelle: Jana Franke

Neue Filiale an Poeler Straße

Zwei weitere Rossmann-Filialen gibt es in Wismar: am Marktplatz und in der Zierower Landstraße. Eine dritte wird am 17. Juli eröffnet. In der Poeler Straße/Ecke Wiesengrund hatten die Arbeiten dafür im Februar begonnen. Mit 650 Quadratmetern ist die Fläche deutlich größer als die im Burgwallcenter.

Arbeitslos wird mit der Schließung der Filiale im Burgwallcenter niemand. Die Mitarbeiter werden nach Auskunft von Tracy Wiafe auf die umliegenden drei Filialen verteilt.

Corona verhagelte das Geschäft

Auch die Flugbörse wird sich aus dem Burgwallcenter zurückziehen. Im Gegensatz zu Rossmann gibt das Reisebüro allerdings komplett auf. Das Geschäft ist schon seit einigen Tagen dunkel. An der Glastür verabschieden sich die Mitarbeiter mit einem Grußwort von ihren Kunden. „Die Flugbörse schließt nach 20 Jahren am 30. Juni ihre Pforten. Wir bedanken uns bei allen Kunden für das entgegengebrachte Vertrauen“, steht dort geschrieben.

Das Reisecenter verabschiedet sich von seinen Kunden. Die Innenausstattung ist bereits komplett verkauft. Quelle: Jana Franke

„Es tut weh“, gibt Astrid Richter zu. 20 Jahre leitete sie das Reisebüro im Burgwallcenter. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber mit der Pandemie hatten wir keine gewinnbringenden Einnahmen mehr“, schildert sie. Und dann lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende, ergänzt sie.

Entscheidung fiel im März

Vier Mitarbeiter beschäftigte Astrid Richter vor Ort. „Es ist noch offen, wie sich die Touristikbranche in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Deshalb war die Schließung des Geschäfts eine reine unternehmerischen Entscheidung, die im März gefallen ist“, sagt Astrid Richter, die sich nun etwas Neues aufbauen möchte. Das Reisebüro ist bereits leer geräumt, am Montag werden noch Malerarbeiten vorgenommen.

In der Einkaufspassage gibt es noch einen Schreibwarenladen, ein Schuhgeschäft, ein Bekleidungsgeschäft, einen Discounter, einen Supermarkt und eine Bäcker-Filiale. In dem 1993 errichteten Gebäudekomplex befinden sich zudem weitere Einkaufsläden, mehrere Arztpraxen, eine Apotheke, eine Gaststätte und Büros von Anwälten.

Von Jana Franke