Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wismar Wismarer Tafel muss 2000 Euro Müllgebühren zahlen
Mecklenburg Wismar Wismarer Tafel muss 2000 Euro Müllgebühren zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:11 15.02.2019
Detlef Lohne, Vorsitzender der Wismarer Tafel, hofft auf mehr Unterstützung von Politik und Verwaltung. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

1898,36 Euro muss die Wismarer Tafel in diesem Jahr an Müllgebühren zahlen. Viel Geld für einen Verein, der sich um Bedürftige kümmert. 500 Gramm Kochreis kosten bei Aldi 59 Cent. Von den Müllgebühren könnten 3217 Packungen gekauft werden.

„Wir produzieren Müll für bedürftige Menschen“, sagt Detlef Lohne. Der Vorsitzende der Wismarer Tafel e. V. würde das Geld lieber für Menschen verwenden, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. „Die Stadt zieht sich aus der Verantwortung, das gefällt mir nicht und bereitet mir einen dicken Hals“, sagt Lohne.

Seit 22 Jahren ist die Wismarer Tafel ehrenamtlich im Einsatz

Politik erwägt Abhilfe

Das Thema hat jetzt auch die Wismarer Politik erreicht. Gabriele Sauerbier (Die Linke) hat die Müllgebühren im Eigenbetriebsausschuss der Bürgerschaft zur Sprache gebracht, weil der städtische Entsorgungsbetrieb es abgelehnt hat, die Gebühren zu erlassen. Allerdings meint Elke Gustke (SPD), dass dies auf Weisung der Stadtvertreter geschehen könnte. Sie regte einen interfraktionellen Antrag an. Frieder Weinhold (CDU, „sehr gerne“) und Christian Speck (Für Wismar, „nicht verkehrt“) signalisierten Zustimmung.

Die Wismarer Tafel gibt es seit 22 Jahren. Montags bis freitags werden ab 12 Uhr 33 Körbe mit Lebensmitteln verteilt: Gemüse, Brot, Butter, Wurst, Käse, Nudeln, Reis. Für Einzelpersonen und Familien aus Wismar, aber auch von der Insel Poel, aus Neuburg, Beidendorf, Beckerwitz oder Hornstorf. Alle zwei Wochen ist ein Bedürftiger mit einer Kiste an der Reihe.

Hilfe für 8000 Menschen

„Wir versorgen rund 8000 Menschen im Monat“, sagt Detlef Lohne. Die Tafel unterstütze wöchentlich auch den „Mittagstisch für Leib und Seele“ in St. Nikolai, das Wohnheim „Tu Hus“ der Diakonie und den Kaso-Verein, die sich ebenfalls für bedürftige Menschen einsetzen. Obdachlosen werde ebenso geholfen wie dem Jobcenter, wenn es um Unterstützung für Sozialbedürftige nachfragt. 22 Wismarern, die den Weg zur Tafel am Holzdamm 4 nicht alleine schaffen, werden die Lebensmittel sogar nach Hause gebracht. Zu 60 Prozent werden Einheimische versorgt, zu 40 Prozent ausländische Mitbürger.

Am oberen Limit

„Jetzt sind unsere Kapazitäten am oberen Limit. Wir können ja nicht mehr rausgeben als wir reinbekommen“, sagt Lohne, der für sein Wirken auch schon persönlich angefeindet wurde. 26 Menschen, die am längsten auf der Liste stehen, wurden gestrichen, um Platz für neue Bedürftige zu machen. Lohne: „Gerechtigkeit reinzubekommen, ist äußerst schwierig.“

45 ehrenamtliche Helfer

Das Helfer-Team der Tafel zählt 45 Ehrenamtler. Lohne: „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen ohne Lohnbuchhaltung.“ Vier Fahrzeuge sind täglich unterwegs. Helfer mit Führerschein werden gesucht, um die Lebensmittelspenden von Supermärkten abzuholen.

Wenn die Vorräte knapp werden, greift die Tafel auch auf Spenden aus der OZ-Weihnachtsaktion der Vorjahre zurück. „Wismarer helfen sich gegenseitig“, dankt Detlef Lohne für Sach- und Geldspenden. Seit sieben Jahren leitet er zusammen Stellvertreterin Renate Müller die Geschicke.

Abgekühltes Verhältnis zur Stadt

2014 initiierten die beiden Wismarer Unternehmer Robert Hoffmann und Michael Sturm die Nudel-Challenge. Das bescherte der Wismarer Tafel über Monate Nudeln und bundesweite Aufmerksamkeit. Räumlich stieß der Verein an seine Grenzen. 2017 erfolgte der Umzug von der Mecklenburger Straße zum Gewerbegebiet West. Da die Stadt keine Räume hatte, werden seitdem private Räumlichkeiten genutzt. Das kostet. Mit 1400 Euro plus Nebenkosten doppelt so viel wie zuvor.

2017 war die Unterstützung der Tafel Thema in einem Bürgerschaftsausschuss sowie in Briefwechseln mit dem Bürgermeister. Damals wurde eine institutionelle Förderung durch die Stadt ausgeschlossen. Begründung: Die Stadt müsse davon ausgehen, „dass die Ausgaben des Staates im Bereich der Sicherung des Lebensunterhaltes ausreichend sind, um die grundlegenden Lebensbedürfnisse eines Bürgers abzusichern“. Die Antwort bringt Detlef Lohne noch heute auf die Palme. Der Alltag zeige doch, dass es eben nicht so sei. Das Verhältnis zwischen Rathaus und Tafel ist seitdem abgekühlt.

Lohne erzählt darum lieber von den Unterstützern. So kommt seit drei Jahren jede Woche eine Frau mit einer Tragetasche voller Nudeln vorbei. Ein Rentner bringt einmal im Monat einen Lebensmittelkorb im Wert von 50 Euro. Kleingärtner kommen im Herbst mit Obst und Walnüssen.

Mehr lesen: OZ-Kommentar: Irrsinn: Die Tafel hilft Befürftigen und muss dafür auch noch Müllgebühren bezahlen

Heiko Hoffmann

Wismar Premiere am 23. Februar - Sprachlos im Wismarer Theater

Nein, keine Pantomime, sondern eine Mischung aus Slapstick, Musik und sehr intensiven Schauspiel mit viel Situationskomik – das Stück „Ohne Worte“ hält, was es verspricht.

14.02.2019

In vielen Gemeinden im Kreis Nordwestmecklenburg bringen die Parteien ihre Kandidaten für die bevorstehenden Kommunalwahlen in Stellung. In Bad Kleinen hat sich eine Wählergemeinschaft gegründet.

14.02.2019

Unbekannte haben Spielgeräte mit Pflastersteinen beworfen. Die Hansestadt Wismar erstattet eine Anzeige.

14.02.2019