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Wismar Wismarer Zonta-Frauen engagieren sich seit 25 Jahren für mehr Gleichberechtigung
Mecklenburg Wismar Wismarer Zonta-Frauen engagieren sich seit 25 Jahren für mehr Gleichberechtigung
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15:22 03.11.2019
Starke Frauen und wichtiges Engagement: Juliane Deecke und Birgit Stamer vom Zonta-Cub Lübeck, Ute Scholz, Vizepräsidentin Zonta International und Anne-Katrin Reiher vom Wismarer Zonta-Club (v.l.). Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

“Gibt es heutzutage nicht wichtigere Themen als Gleichberechtigung?“, fragte Dr. Katja von der Bey ganz provokant in die Runde. Hätte sie bei einem unternehmensübergreifenden Vorstandstreffen der DAX-Konzerne gesprochen, hätten die Männer genickt und die ganz wenigen Frauen in der Runde vermutlich geschwiegen.

Frauen in Führungspositionen

Die Geschäftsführerin der Weiberwirtschaft eG in Berlin hielt aber am Sonnabend den Festvortrag zur feierlichen Martinée anlässlich des 25. Jubiläums des Wismarer Zonta-Clubs im Zeughaus. Zonta, die weltweite Vereinigung von berufstätigen Frauen in Führungspositionen, feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag.

Die geladenen Gäste erlebten einen Empfang mit starken Reden, guter Musik und der Chance, mit anderen Frauen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zu netzwerken.

Weltweit versuchen die mehr als 30 000 „Zontians“, die Situation von Frauen und Mädchen auf lokaler und internationaler Ebene zu verbessern – durch Bildung, berufliche Perspektiven und ein gewaltfreies, selbstbestimmtes Leben. Der Wismarer Club ist 1993 dank Unterstützung der Lübecker Zontians entstanden, die für das ehrenamtliche Engagement von Frauen zugunsten der Gleichberechtigung geworben haben.

Wichtiges Engagement

Einige der damaligen Gründungsmitglieder sind Gäste der Jubiläumsfeier gewesen – genauso engagierte Frauen aus dem Lübecker und anderen Clubs. Ute Schulz, Vizepräsidentin von Zonta International, gehörte zu den Gratulantinnen sowie Birgit Gabler von der Leitstelle für Frauen und Gleichstellung im Schweriner Sozialministerium.

„Die Zonta-Frauen aus Wismar setzten sich von der der ersten Stunde an für die Förderung von Frauen und Mädchen – jenseits von Heim und Herd – ein“, berichtet Anne-Katrin Reiher, die derzeitige Präsidentin des Wismarer Clubs, aus der damaligen Wende- und Gründungszeit.

Das, was zu DDR-Zeiten noch normal war – als Mutter arbeiten, wenn auch seltener in Führungspositionen und fast immer bei weniger Gehalt – galt auf einmal als verpönt und Ausnahme. Deswegen kam es zur Club-Gründung und der Wismarer Club ist immer noch der einzige in Mecklenburg-Vorpommern.

Sich vernetzten

„Zonta International war und ist etwas Besonderes. Wer Mitglied war und ist, findet Freunde, Hilfe und Netzwerke auf der ganzen Welt“, berichtet die Wismarer Gründungspräsidentin Heidemarie Schult über das, was sie damals und immer noch bewegt.

Zonta-Frauen sind vernetzt. Ute Scholz, Vize-Präsidentin von Zonta-International, erzählte von den Frauen im internationalen Vorstand, sie kommen von der Elfenbeinküste, den Philippinen, aus den USA, Finnland und Deutschland beispielsweise „und bringen alle ihre jeweilige Sichtweise ein.“

Praktische Gleichberechtigung?

Zurück zur provokanten Frage, wie wichtig im modernen Deutschland die Gleichberechtigung sei. Unter den Gästen im Zeughaus – viele bekannte Namen aus der Wirtschaft, Forschung und Politik – waren die Männer mal die Ausnahme, nicht die Regel. Und so erntete Festrednerin Katja von der Bey Augenrollen und trockene Lacher aus dem Publikum nach diesem Satz, der sonst aus Männermündern kommt.

Katja von der Bey stichelte weiter: „In den Chefetagen der großen deutschen Unternehmen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass dort jemand mit dem Vornamen Thomas sitzt als dass es eine Frau ist.“ In der Verwaltung wäre das übrigens der Bernd. „Frauen haben 30 Prozent weniger Vermögen, haben 45 Prozent weniger Rente, aber dafür ein um 50 Prozent höheres Armutsrisiko“, ergänzte die Referentin.

Für Lohngleichheit

Frauen müssen in Deutschland bis zum 17. März 2020 arbeiten, damit sie – rein statistisch – so viel verdient haben wie die Männer bis zum 31. 12. 2019. Am „Gender-Pay-Day“ machen Zonta-Frauen weltweit und auch in Wismar auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam.

Katja von der Bey forderte ein Ende der hierarchischen „Thomas-Unternehmenskultur“: „Wenn wir abwarten, dauert es noch mindestens 120 Jahre, bis diese Einkommenslücke geschlossen ist. Wir sind es der jüngeren Generation schuldig, dass wir auf die Tube drücken!“

Gegen Gewalt

Die Wismarer Zontians warben um Spenden und Unterstützung für ihre Projekte für mehr Gleichberechtigung. Ihre „Zonjas“ – Grundschülerinnen, die bei Ingo Pontow die Grundlagen der Selbstverteidigung lernen – zeigten ganz selbstbewusst beim Festempfang, was sie können.

„Dadurch wird das Selbstwertgefühl gestärkt. Ein selbstbewusstes Kind wird seltener Opfer von Gewalt“, erklärte Anne-Katrin Reiher. Beim Festempfang warben die Zontians Spendengelder für ein internationales Projekt gegen Kinderehen und lokal für die Zonjas ein. Anne-Katrin Reiher weiter: „Nur eine gewaltfreie Welt, in der Frauen und Männer gleiche Rechte und gleiche Verpflichtungen haben, ist zukunftstauglich.“

Die nächsten Projekte des Wismarer Zonta-Clubs

Am 25. November um 17 Uhr werden die Zontians im Rahmen der internationalen UN-Aktion „Orange the World“ auch das Wismarer Rathaus orange anleuchten und so ein leuchtendes Zeichen gegen Gewalt setzen.

Im Januar lädt der Wismarer Club wieder zum traditionellen Benefizkonzert ins Rathaus, in dem junge Musikerinnen gefördert werden. Bis Ende Januar können sich außerordentlich ehrenamtlich engagierte junge Frauen und Mädchen für den internationalen „Young Women in Public Affairs“ bewerben. Weitere Infos, Spendenmöglichkeiten und Kontakt unter www.zonta-wismar.org.

Zonta sucht engagierte junge Frauen und Mädchen

Zonja-Projekt gibt es seit 2014

Die Autorin des Artikels

Von Nicole Hollatz

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