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Mecklenburg Wismar Wismarer entdecken ihre Stadt neu
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14:30 24.02.2019
Eine höchst unterhaltsame "Schnupperführung" erlebten die Gäste mit Roman Lisewski. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

“Das mit dem Dach wusste ich noch nicht. Man geht zwar immer an dem Haus vorbei ...“ schmunzelte Margit Friebe nach dem entsprechenden Hinweis von Gästeführer Roman Lisewski. Der zeigte mit dem Laserpointer auf die Fassade des Hans H.-Schumacher-Haus in die Lübsche Straße 44. „Der Giebel täuscht mehr vor, bis dahin geht das Dach nur!“, ließ er seine Gäste lachen.

Über 60 Wissensdurstige, darunter viele Wismarer, folgten ihm am Samstagvormittag bei seiner „Schnupperführung“ durch den Altstadtkern. Anlässlich des Weltgästeführertages laden die Wismarer Gästeführer jedes Jahr zu solchen kostenfreien Führungen ein, die Resonanz am Samstag zu den drei kleinen Stadtführungen und zu den beiden durch das Welterbehaus war groß.

Am Samstag nutzten viele Wismarer und auch Gäste die Chance, sich durch die Stadt und durch das Welt-Erbe-Haus führen zu lassen. Zum Weltgästeführertag wurden kostenlose Führungen angeboten.

Bauhaus auch in Wismar

Mit dem Slogan „BAUeinHAUS“ war der bundesweite Weltgästeführertag in diesem Jahr überschrieben. „Ich habe schon überlegt, wo es in Wismar sowas wie Bauhaus geben könnte“, zielte Karin Schulze auf eine der Lesarten des Slogans ab. Mit ihrem Mann gehörte sie zu den Gästen von Roma Lisewski. Gibt es! Die „Neue Kirche“ des Architekten und einstigen Bauhaus-Direktors Otto Bartning.

Lisewski und seine Kollegen erzählten zum mittelalterlichen Hausbau in Wismar. Mit den mehr als 60 Gästen im Schlepptau ging Roman Lisewski in Heilig-Geist und in St. Georgen. „Das mittelalterliche Bed & Breakfast“ ließ der Gästeführer seine Leute lachen. Heilig-Geist war Spital für Kranke, Pflegestation für Alte, Lager für Reisende und eben Kirche.

Zwischen Speicher und Kemladen

„Sieben Dörfer gehörten zum Spital. Jede zehnte Garbe, jedes fünfte Schwein und jede siebte Kuh gingen als Steuern hierher.“ In der Großen-Hohen-Straße von Heilig-Geist kommend Richtung St. Georgen ging es den Gästen so wie sonst immer den Touristen. Sie verstopften hoffnungslos die Straße und mussten auf rücksichtsvolle und geduldige einheimische Autofahrer hoffen. Dafür hatten sie einen schönen Blick auf die Rückseite des Schumacher-Hauses mit Speicher und Kemladen.

„Man sieht hier, dass der Speicher und der Kemladen verschiedene Geschosshöhen hatte“, kam Lisewski wieder auf das Hausbau-Thema zu sprechen. Im Kemladen – abgeleitet von Kemenate – wohnten und lebten die Menschen, während das Vorderhaus repräsentativ für Geschäftliches diente. Und dank Fachwerk steht so manch ein Haus noch, auch wenn der Baugrund über die Jahrhunderte abgesackt ist.

Leuchtend sanierte Farben

Auch in St. Georgen gab es selbst für langjährige und belesene Wismarer einiges zum Neu- oder Wiederentdecken. Die Wandmalereien des Heiligen Georg und des Heiligen Martin in luftiger Höhe fallen nur „Wissenden“ auf. „Die sind nun so schön restauriert, da müsste eine Hinweistafel stehen“, kommentiert Margit Friebe.

„Es gibt so vieles, was man über die Jahrzehnte als Wismarer vergisst“, sprach Lisewski die Veränderungen in der Stadt an. Auf den in der Kirche gezeigten Luftbildern von St. Georgen zeigte er, was er meint. Die braunkohlegeschwärzten Häuser von 1990, die schon 15 Jahre später wieder leuchteten dank Sanierung und Zentralheizung.

5000 Steine als Abwrackprämie

Micha Glockemann führte seine Gäste durch das Welt-Erbe-Haus mit manch einer Anspielung auf die aktuelle Politik. „Die erste Abwrackprämie gab es um 1305 in Wismar“, erklärte er vor der sichtbar gemachten Brandwand im Erdgeschoss des Welt-Erbe-Hauses. Nachdem verheerende Brände zu Zeiten der Holzhäuser ganze Quartiere ausgelöscht hatten, entschied der Wismarer Rat, dass jeder, der sein Haus in Stein bauen würde, 5000 Steine geschenkt bekommen würde.

„Die Stadt versteinerte im 14. Jahrhundert, die Prämie wirkte“, so Glockemann. Besser als beispielsweise in Hamburg, wo es „nur“ Geld gab. Die Steine wurden verbaut. Das Geld nicht immer, Hamburg brannte immer wieder nieder. Die Wismarer hatten mehr Glück und/oder Verstand, so dass Schätze wie mittelalterliche Malereien oder das Tapetenzimmer im Welt-Erbe-Haus die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauern konnten.

Spannender Keller

Seine Gäste durften sogar in den sonst nicht öffentlichen Kellerteils des Gebäudes, noch hinter den Toiletten. Nach einem wunderbar gewundenen Gang staunten sie über einen kunstvoll gestalteten und verzierten Gewölbekeller. „Hier wurde der Wein nicht nur gelagert, sondern auch getrunken“, mutmaßte Glockemann. Denn so einen Raum baut man nicht nur als Lager.

Nach der Führung gab es Applaus und Lob für die Gästeführer, dazu Glühwein zum Wiedererwärmen im Hof des Welt-Erbe-Hauses für ihre Gäste.

Nicole Hollatz

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