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Wismar Wismarer segeln durch die Nordwestpassage
Mecklenburg Wismar Wismarer segeln durch die Nordwestpassage
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16:48 11.02.2019
Eisbären kamen dem Schiff und der Besatzung mitunter sehr nahe. Das Bild entstand mit einer Drohne. Quelle: Fotos: Nico Edwards
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Wismar

Es ist ein in zweifacher Hinsicht dramatischer Vortrag, den die Gäste im Wismarer Zeughaus erleben durften. Linn Charlotte Klund aus Norwegen und Paul Lübbe aus Wismar haben im Sommer 2018 die berüchtigte Nordwestpassage durchquert. Der auch heute noch gefährliche Seeweg verbindet den Nordatlantik mit dem Nordpazifik.

Die Gäste erlebten starke Bilder, authentische Videos und eine Erzählerin und einen Erzähler, die ihr Publikum mit dem, was sie erlebt haben und wie sie es erzählten, in den Bann zogen.

„Im Wettlauf mit Sturm und Eis“ bezwangen Paul Lübbe aus Wismar und Linn Charlotte Klund aus Norwegen zusammen mit der Crew der Infinity die Nordwestpassage. Im Wismarer Zeughaus sprachen sie über das Erlebte.

„Es sind mehr Menschen jedes Jahr auf dem Mount Everest unterwegs als in der Nordwestpassage“, erzählte Linn Charlotte Klund. Und ja, an der Passage scheitern auch einhundert Jahre nach ihrer Entdeckung durch Roald Amundsen immer noch Mensch und Technik. „Wir stehen heute hier“, ließ Paul Lübbe die Gäste dankbar schmunzeln.

Teil der eigenen Weltumseglung

2013 starteten die beiden in Wismar zur eigenen Weltumseglung mit ihrer „Amanda Trabathea“. Nach zwei Weltmeeren, sechs Monaten auf dem südamerikanischen Kontinent und einer Zeit als Lehrer in der Südsee trafen die beiden die 40 Meter lange und 200 Tonnen schwere Segelyacht „Infinity“ samt Mannschaft im Südpazifik. Die Wismarer Weltenbummler waren sofort dabei, als sie hörten, die Crew wolle die Nordwestpassage bezwingen.

Sie wurden Teil des Teams aus jungen Menschen, Abenteurern und Wissenschaftlern. 22 Menschen aus zehn verschiedenen Nationen machten sich mit einer wichtigen Botschaft auf die Reise. Sie wollten ein Zeichen setzen.

Zeichen setzen

An Bord hatten sie einen handgeschnitzten Totempfahl, an dem die „Earth Flag“, die Flagge der Erde, zusammen mit vielen Länderflaggen auf einer schrumpfenden Eisscholle gehisst wurde. Als Symbol dafür, dass die große Herausforderung zur Rettung der Erde nur gemeinsam und in Frieden gelöst werden kann.

„Wenn wir so weiter machen und uns nicht zusammenreißen, sind wir die letzte Generation, die dort noch das Eis erleben darf“, sagt Linn Charlotte Klund. Paul Lübbe: „Es gibt Menschen, die sagen, dass es den Klimawandel gar nicht gibt. Oder dass es zu spät ist, etwas dagegen zu tun. Aber es gibt auf der Welt unendlich viel Schönes, das es zu bewahren gilt!“

Schöne Bilder

Die Beweise zeigten sie auf der großen Leinwand. Zwei Eisbären auf den Eisschollen, daneben aus der Vogelperspektive die winzige Segelyacht. Polarlichter, Wasser, Natur, Eisberge, Schnee, die Weite und der Himmel – was für Bilder einer fast noch unberührten Welt, die es 2040 so nicht mehr geben könnte.

Im Sommer 2016 meldete die Nasa, dass das Eis in der Arktis so stark getaut sei, dass Schiffe die Nordwestpassage durchfahren könnten. Anders herum, das was sonst eine zugefrorene Wasserfläche ist, ist nun bedeckt mit Eisschollen, die Schiffen wie der „Infinity“ gefährlich werden können.

Fünf Monate unterwegs

50 Knoten Wind und mehr, gefährlich nahe Eisschollen und Eisbären, die ständig lauernde Gefahr des Einfrierens und des Überwinterns mitten im Nirgendwo – was Linn, Paul und die Crew erlebt haben, geht dem Zuhörer nahe. Sie zeigten Fotos und Videos, erzählten, wie die Wellen Risse im Metall des Schiffes erzeugt haben, wie sie nur in Jeans und Jacke bei Sturm und überfrierender Nässe ein gerissenes Segel retten mussten.

Wie sehr es an den Nerven zerrte, mit Blick auf die aktuelle Eiskarte abwarten zu müssen, bis die Passage frei ist. Oder zu entscheiden, segeln wir weiter mit vollem Risiko oder bleiben wir mit der Gefahr, dass wir überwintern müssen?

„Auf einmal war Hektik an Bord“, erzählte Linn Charlotte. Die Eiskarte Richtung Bellotstraße, der Meerenge zwischen Amerika und der Insel Somerset im Kanadisch-Arktischen Archipel, sah gut aus. „Drei Wochen vorher war dort ein Boot gesunken“, erzählte Linn Charlotte Klund weiter.

Dramatische Situationen

Dann der Moment, in dem der Kapitän seine Leute weckte. „Alle Mann an Deck!“ „Wir wussten nicht, was das Schiff aushält“, berichtete Linn. Die Überlebensanzüge lagen längst griffbereit im Salon. Linn hat das, was wirklich wichtig war, wasserdicht verpackt. Reisetagebuch und Fotofestplatten. Schlechtwetter mit Sturm, Welle und viel Eis auf dem Wasser. Momente, in denen jeder für sich an die emotionalen Grenzen kam. Und die aus der Crew aus Fremden eine Familie gemacht haben.

Die Abenteurer hatten Glück, an der Segelyacht gab es zwar Schäden, aber nichts bedrohliches. „Die kann man nicht mit Worten beschreiben, diese Gefühle danach. Erleichterung pur!“, erzählte Linn.

Aber es wurde noch dramatischer, noch stürmischer. Paul: „Der Nordatlantik im Oktober, das ist der letzte Ort, an dem man sein möchte!“ „Im Wettlauf mit Sturm und Eis“ hatten die beiden 34-Jährigen ihren Multimediavortrag passenderweise überschrieben.

Zurück in der Zivilisation

Paul Lübbe lachte: „Wir waren vier, fünf Monate fast komplett isoliert. Und dann legst du in Amsterdam an. In einer Großstadt, das war die größte Herausforderung!“

Im Sommer wollen die beiden nach Papua-Neuguinea, dort wartet die „Amanda Trabathea“ auf die nächste Etappe der Weltumsegelung. Bis dahin halten Linn Charlotte Klund und Paul Lübbe Vorträge über das Erlebte, das nächste Mal am 14. Februar um 18 Uhr auf dem Traditionsschiff im Iga-Park Rostock-Schmarl.

Nicole Hollatz

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