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Wismar Diese Wismarerin baut Brunnen und Latrinen in Mosambik
Mecklenburg Wismar Diese Wismarerin baut Brunnen und Latrinen in Mosambik
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06:00 04.05.2019
Christiane Titze vom THW Wismar hilft, in Mosambik Sanitäranlagen wieder aufzubauen. Nachdem zwei Zyklone enorme Schäden in dem südostafrikanischen Land angerichtet hatten, will das THW mit einer Sonder-Einsatz-Einheit den Zugang zu sauberem Trinkwasser schnellstmöglich wiederherstellen.
Christiane Titze vom THW Wismar hilft, in Mosambik Sanitäranlagen wieder aufzubauen. Nachdem zwei Zyklone enorme Schäden in dem südostafrikanischen Land angerichtet hatten, will das THW mit einer Sonder-Einsatz-Einheit den Zugang zu sauberem Trinkwasser schnellstmöglich wiederherstellen. Quelle: THW
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Wismar

Schnelle Hilfe nach Katastrophen – das ist ihre Aufgabe. Besonders gravierende Auswirkungen hatte Mitte März der Zyklon „Idai“, der auch über das südafrikanische Land hinwegfegte. Etwa 600 Menschen starben. Vor wenigen Tagen erreichte ein weiterer Wirbelsturm die ehemalige portugiesische Kolonie. Damit die Menschen vor Ort schnell wieder Zugang zu sauberem Wasser haben, sind viele Hilfsorganisationen im Einsatz – unter anderem das Technische Hilfswerk (THW). Teil des Teams ist die Wismarerin Christiane Titze. Sie hilft vor allem, die Sanitäranlagen wieder instand zu setzen.

Christiane Titze vom THW Wismar berichtet im Video, wie sie in Mosambik hilft:

Die Wismarerin gehört zur sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit Ausland Wasser (Seewa) beim THW. Die Einsatzkräfte der Seewa engagieren sich ehrenamtlich. Christiane Titze ist 37 Jahre alt, gelernte Abwassertechnikerin und hat Umwelt- und Verfahrenstechnik studiert. Sie ist seit 2016 Mitglied der Einsatz-Einheit und Expertin für Sanitäranlagen. Mit dem THW war sie bereits in Jordanien und im Nordirak, mit der Seewa ist es ihr erster Auslandseinsatz. Zurzeit ist sie mit einem Team von 13 Leuten in Mosambik. Aus Nordwestmecklenburg ist außerdem der Klützer Matthias Möller dabei.

„Meine Aufgabe ist hauptsächlich die Instandsetzung von Latrinen zusammen mit einem weiteren Kameraden“, berichtet Christiane Titze der OZ über den Nachrichtendienst Whatsapp. Die Latrinen gehören zu einer Schule im Ort Nhangau, nahe Beira.

„Dafür haben wir fehlende Gebäudeteile wie Blechdach, Entlüftungsrohre und Türen neu beschafft, zugeschnitten und eingebaut. Für Tätigkeiten wie kleinere Betonarbeiten und Malerarbeiten haben wir auf Tagesbasis Einheimische eingestellt“, schreibt sie weiter. Und auch die Brunnen in der Umgebung setzt sie mit einem Team instand. Fotostrecke: So hilft das THW nach dem Zyklon in Mosambik

So hilft das THW nach dem Zyklon in Mosambik

Auch über das soziale Netzwerk Facebook teilt sie ihre Erlebnisse aus Mosambik. „Mich fasziniert es, in so einem Umfeld zu arbeiten und so andere Länder und Menschen kennenzulernen“, berichtet die 37-Jährige. Das gemeinsame Arbeiten mit den Einheimischen und die Dankbarkeit direkt vor Ort zu erleben, sei eine tolle Erfahrung.

Unter freiem Himmel: Helfer aus Wismar müssen viel improvisieren

Das Camp ist ein kleines Lager mit Zelten fürs Schlafen und Duschen, mit Büro – ein Gemeinschaftsort. „Labor und Küche konnten wir in landestypischen Gebäuden unterbringen. Abwasch-, Handwasch- und Zähneputzplatz befinden sich unter freiem Himmel. Eine Werkecke gibt es auch im Freien“, schildert die Wismarerin.

So ganz leicht ist der Einsatz in dem südostafrikanischen Land nicht: „Eine Herausforderung ist für mich die Umgebung. Für fünf Kilometer benötigen wir hier aufgrund der Straßenverhältnisse die dreifache Zeit.“ Am meisten freue es sie aber, dass das Team zusammen immer eine Lösung findet und viel improvisiert werden könne.

Leben in Nhangau, Mosambik: Das Wasser wird vom Brunnen geholt

Über Whatsapp schildert sie der OZ auch ihren ganz persönlichen Eindruck vom Leben in der von Zyklonen zerstörten Region: „Man sieht deutlich, was der Sturm angerichtet hat – fehlende Dächer, niederliegende Bäume, Strommasten etc. Auf der anderen Seite ist aber auch zu sehen, dass das Leben in vollem Gange weiter geht. Die Schulen sind voll, die Straßen und Märkte voller Leben, neue einfache Hütten im Bau, Ackerbau.“

Und weiter: „Wir leben in Nhangau in einer sehr einfachen Umgebung. Es ist ländlich, die Leute wohnen in Lehm- oder Blechhütten. Ab und zu gibt es auch gemauerte Häuser. Das Wasser wird von Brunnen geholt – vielerorts sind dies einfache, selbstgegrabene Löcher. Ackerbau wird auf kleinen Flächen mit der Hacke betrieben. Diese einfachen Verhältnisse lassen sich entsprechend schnell wiederherstellen. Die Menschen um uns herum wirken durchaus entspannt, obwohl sie sehr viel und hart arbeiten müssen. Vor allem die Kinder sind extrem neugierig, fröhlich, folgen uns auf Schritt und Tritt und wollen allerlei Kram mit uns machen – basteln, Fußball spielen.“

THW-Helferin aus Wismar: Es ist ein gutes Gefühl für mich

Sie selbst habe sich schnell an die Eindrücke und Bedingungen gewöhnt. „Es gab gute Vorabinformationen, so dass ich mich auf den Einsatz einstellen konnte. Außerdem finde ich diese Einblicke in so eine ,andere Welt’ fernab der Touristenhochburgen mit einem ordentlichen Anteil an Arbeit einfach gut. Das sind wirksame Impulse für die eingestaubten Denkmuster im Kopf – das kriegt man im Alltagstrott ja meist nicht mit. Man hinterfragt das eine oder andere anders – und das ist schon ein gutes Gefühl für mich.“

Michaela Krohn