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Wismar Wismarerin fertigt Kickertisch als Gesellenstück
Mecklenburg Wismar Wismarerin fertigt Kickertisch als Gesellenstück
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09:15 14.07.2019
Auszubildende Jacqueline Stolpmann und Werkstattleiter Martin Pgetz am Kickertisch, den die junge Frau entworfen und gebaut hat. Quelle: Haike Werfel
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Wismar

Eine junge Frau baut einen Kickertisch! Mit diesem außergewöhnlichen Gesellenstück hat Jacqueline Stolpmann die Männer beeindruckt – sowohl in der Berufsschule als auch in ihrem Ausbildungsbetrieb. Fest steht: Mit ihrem innovativen Möbelstück wird die 21-jährige Wismarerin am Landeswettbewerb der Tischlergesellen im Herbst in Rostock teilnehmen.

Berufsschullehrer Jan Voß schüttelt den Kopf: „Noch nie hat ein Lehrling einen Kickertisch als Gesellenstück abgeliefert.“ Das kann er als Vorsitzender der Prüfungskommission der Tischlerinnung Nordwestmecklenburg-Wismar mit Gewissheit sagen. Schon die Idee sei außergewöhnlich. Auch die Form. „Jacqueline hat die Hölzer und Holzwerkstoffe sehr gut verarbeitet“, findet er weitere anerkennende Worte. Der Kickertisch sei eines von zehn Gesellenstücken, die die Prüfungskommission zu bewerten hatte.

Begeisterte Fußballspielerin

„Ich wollte etwas bauen, wozu ich eine Beziehung habe“, erklärt Jacqueline Stolpmann. Sie spielt seit fast 15 Jahren Fußball im Sportverein auf der Insel Poel, „meiner zweiten Heimat“. Außerdem hatte sie den Ehrgeiz, ein gutes Gesellenstück herzustellen, eines, das begeistert. Das ist der jungen Frau zweifellos gelungen.

„Meine Kollegen waren anfangs skeptisch“, erzählt sie, „aber dann doch überrascht, wie gut der Kickertisch geworden ist.“ Jacqueline Stolpmann lernt in der R & M Ship Technologies GmbH, der Werfttischlerei, wie die Wismarer sagen. Die dreijährige Ausbildung endet am 31. Juli. Warum sie Tischlerin geworden ist? „Ich wollte mit den Händen arbeiten, kreativ und wirklich handwerklich tätig sein.“ Zeichnen und basteln mochte sie als Schülerin schon immer am liebsten. Ein Bürojob wäre nichts für sie, erklärt die junge Frau. Außerdem hat sie den Beruf durch ihren Onkel kennengelernt, der als Tischler Küchen baut.

Nussbaum als Lieblingsholz

„Es macht mir Spaß, mit Holz zu arbeiten. Das ist ein vielseitiges Material. Kein Holzstück gleicht dem anderen.“ Am liebsten arbeitet sie mit Nussbaum – „wegen der Farbe und der Maserung“, sagt Jacqueline Stolpmann und zeigt ihre Halskette. Den runden Anhänger hat sie selbst gefertigt.

Für den Kickertisch verwendete sie ebenfalls amerikanischen Nussbaum und Ahornholz sowie Plattenwerkstoffe. Er enthält einen Schubkasten – ein bewegliches Teil im Gesellenstück ist Pflicht – und die Schublade verfügt über Eckverbindungen durch sogenannte Schwalben und Zinken, ebenfalls eine Vorgabe. Die Spielfiguren hat die Tischlerin selbst entworfen und gefertigt. Lediglich das Gestänge ist gekauft.

Kollegen sind stolz auf Azubi

„Zu 90 Prozent ist das Gesellenstück das Ergebnis der praktischen Ausbildung“, lobt Berufsschullehrer Voß den Betrieb. „Die Lehrlinge profitieren vom Fachwissen und den Erfahrungen der Gesellen und Ausbilder.“ Martin Pgetz, Werkstattleiter bei R & M Ship Technologies, berichtet von der guten Entwicklung, die die Auszubildende in den drei Jahren vollzogen hat. „Wir sind stolz, dass sie sie gemeistert hat. Das Gesellenstück hat Jacqueline in Eigenregie hergestellt.“

Betrieb bietet Job an

Der Ausbildungsbetrieb wird sie als Tischlerin in der Möbelendmontage übernehmen, informiert Pgetz. Er verweist auf die vielfältigen Jobmöglichkeiten, die die Firma biete, von der Konstruktion über die Arbeitsvorbereitung bis zur Montage. Ab September wird R & M neun Lehrlinge haben.

Jacqueline Stolpmann ist erst mal froh, die Ausbildung geschafft zu haben. Mit der Fachhochschulreife, die sie am Fachgymnasium Wismar erworben hat, steht ihr nicht zuletzt die Möglichkeit offen, zu studieren. „Handwerker werden überall gesucht. Es wäre gut, wenn mehr Leute, auch Frauen, Lust darauf haben, einen Handwerksberuf zu erlernen“, appelliert die junge Frau an die Schulabgänger.

Die besten Gesellenstücke 2019 der Auszubildenden im Tischlerhandwerk

Drei Arbeiten für Landeswettbewerb nominiert

Drei Gesellenstücke von Tischlerlehrlingen reicht das Berufsschulzentrum Nord in Wismar für den Landeswettbewerb der Tischlerinnung im Herbst in Rostock ein. Außer dem Tischkicker von Jacqueline Stolpmann sollen auch der Couchtisch von Chris Schultz und der Schreibtisch von Niklas Walter ausgestellt werden.

Frank Pampe wird zudem am praktischen Leistungswettbewerb teilnehmen. Er findet in der Handwerkskammer Rostock statt. Die Tischlergesellen müssen in sieben Stunden ein Möbelstück bauen. Der Teilnehmer von der Wismarer Berufsschule qualifizierte sich fast in jedem Jahr für den Bundeswettbewerb.

14 Tischler und vier Holzmechaniker haben am Berufsschulzentrum Nord ihre theoretische Ausbildung absolviert. In der Klasse waren auch drei junge Frauen.

Haike Werfel

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