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Wismar Darum wird Wismars Wohnraum knapp
Mecklenburg Wismar Darum wird Wismars Wohnraum knapp
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07:30 25.01.2019
Wismar hat sich in vielen Bereichen gut entwickelt. Die Bevölkerung wächst, mehr Wohnraum wird benötigt.
Wismar hat sich in vielen Bereichen gut entwickelt. Die Bevölkerung wächst, mehr Wohnraum wird benötigt. Quelle: Ulrich Jahr
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Wismar

 Nach der neuen Prognose steigt die Bevölkerung auf 43209 im Jahr 2030. Damit ist die alte Vorhersage von 37301 Einwohnern passé. Das geht aus der Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) hervor.

Wie entwickelt sich Wismar bis zum Jahr 2030? Der Ist-Zustand, der Blick in die Zukunft und Empfehlungen wurden am Mittwochabend der Politik und Einwohnern vorgestellt. Barbara Genschow, Geschäftsführerin des Rostocker Büros „Wimes – Stadt- und Regionalentwicklung“ ging auf einige Schwerpunkte ein.

Plus bei Bevölkerung

Die neue Bevölkerungsprognose von Wimes berücksichtigt den Familiennachzug von Asylberechtigten sowie Gewinne aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung. 2017 hatte Wismar 42864 Einwohner. Genschow: „Die Einwohnerzahl steigt bis 2025 um etwa 800 Personen an.“ Das liege am Zuzug. Denn immer noch sterben mehr Wismarer (635) als neue geboren werden (329, Stand 2017).

"Es ist erfreulich, dass die Bevölkerungszahlen nach oben zeigen. Wirtschaftlich und im Tourismus haben wir eine super Entwicklung. Wir müssen sehr aufpassen beim Wohnungsbedarf. Da haben wir viel gemacht, aber es muss weitergehen. Der Bedarf ist groß." Thomas Beyer (SPD), Bürgermeister Wismar Quelle: Hoffmann Heiko

Das Rostocker Büro geht aber von mehr neuen Erwachsenen im Alter von 25- bis 65 Jahren mit Familiengründung in Wismar aus, darunter bis 2022 ein erhöhter Zuzug durch die Werft. Hinzu kommen „Familiennachzug von asylberechtigten Personen bzw. Familiengründung mit durchschnittlich zwei bis vier Kindern“. Auch bei den Senioren werde es aufgrund der guten altersgerechten Infrastruktur einen Gewinn geben.

Größter Gewinner in den Jahren 2001 bis 2017 war die Altstadt mit einem Zuwachs von 1354 Einwohnern (plus 21,1 Prozent). Stärkste Verlierer waren der Friedenshof (minus 1304 Einwohner), Wendorf (1383) und Wismar Ost mit dem Kagenmarkt (695).

Wirtschaft floriert

Beim Blick auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sagt Barbara Genschow: „Wismar hat im Vergleich zu anderen Städten eine super Entwicklung genommen.“ Die Erwerbstätigenquote lag im Jahr 2017 bei 72,8 Prozent. Es gibt deutlich mehr Einpendler (8798) als Auspendler (6121).

Auffällig: Wismar belegt Platz eins in MV bei den Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe. Hier sind 4343 Frauen und Männer tätig (23,5 Prozent). Genschow: „Das ist ein absoluter Spitzenwert, da kann man stolz drauf sein. Und es wird eine weitere Steigerung geben.“

Das Problem: Es gibt kaum noch freie Gewerbeflächen. Die Hoffnung liegt im künftigen Großgewerbegebiet Wismar-Kritzow, das die Hansestadt und die Gemeinde Hornstorf gemeinsam erschließen.

Mangel beim Wohnraum

Qualitativ und quantitativ muss Wismar beim Wohnraum zulegen. Die durchschnittliche Wohnfläche (66,7 Quadratmeter) liege deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Bei rund 30 Prozent sei die Wohnfläche unter 50 Quadratmeter. Wohnungen über 90 Quadratmeter nehmen einen Anteil von nur 17,4 Prozent ein, dabei handelt es sich überwiegend um Ein- und Zweifamilienhäuser in den Eigenheimgebieten.

Obwohl in Wismar derzeit schon viel gebaut wird, wird eine steigende Nachfrage nach Wohnraum erwartet. Das Wimes-Büro nennt mehrere Gründe: Zuzug und Familiennachzug von geflüchteten Personen, erhöhter Zuzug von Senioren wegen der sehr guten infrastrukturellen Ausstattung, steigende Nachfrage beim Wohneigentum, insbesondere bei Einfamilienhäusern und im oberen Preissegment, Interesse bei Pendlern und Personen aus Umlandgemeinden.

1750 neue Wohnungen

Nach der Prognose werden bis zum Jahr 2030 bis zu 1750 neue Wohnungen benötigt. Zwei Drittel der Wohnungssuchenden stammen laut ISEK aus Wismar, ein Drittel aus dem Umland und darüber hinaus. Ziel sei die Schaffung höherwertigen Wohnraums (moderne und größere Wohnungen, möglichst barrierearm).

Die Hansestadt könne den Wohnraumbedarf abdecken. Von insgesamt 1928 Wohnungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern in allen Stadtteilen ist die Rede.

Kitas auf gutem Weg

Ende 2017 gab es in Wismar in 20 Kindertagesstätten mit 1905 Plätzen für die Betreuung von Kindern aus Wismar und Umgebung. Nach der neuen Bevölkerungsprognose wird die höchste Zahl der Kinder im Krippenalter im Jahr 2020 erwartet, im Kindergartenalter im Jahr 2024. Daraus resultiert ein Bedarf von rund 560 Krippen- und rund 1350 Kindergartenplätzen. Wismar habe frühzeitig reagiert. Zwei Kitas werden aktuell gebaut (Gerberhof, Altstadt), am Lembkenhof wird eine Kita geplant.

Fragezeichen bei Schulen

Der größte Anstieg der Schülerzahlen im Prognosezeitraum bis 2030 wird ab der Klasse 5 eintreten. Die Zahl der Schüler in den Klassenstufen fünf bis zwölf steigt von 2553 im Jahr 2017 bis auf über 3100. Die Stadt ist bei den weiterführenden Einrichtungen für die Regionalschulen zuständig, der Landkreis für die Gesamtschulen und die Gymnasien. „Das müssen wir intensiv beobachten, ich bin da etwas skeptisch“, so Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) zu den Gymnasien. Das ISEK führt das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium mit „hohem Handlungsbedarf“ auf.

Tourismus spitze

Bei Gästeankünften und Gästeübernachtungen hat Wismar eine Entwicklung mit Top-Werten genommen. Insgesamt verfügt Wismar über 32 Beherbergungsbetriebe ab neun Betten und einen Caravan-Park mit einer Gesamtkapazität von 2268 Gästebetten. Zudem gibt es 300 Ferienwohnungen, davon 259 in der Altstadt. Laut ISEK sollten keine weiteren Sondergebiete für Ferienhäuser ausgewiesen werden.

Ein Bedarf wird gesehen für preisgünstige Hotels mit Sport- und Freizeitangeboten für Jugendliche, Familien mit Kindern und auch für Busreisende sowie für Fahrradtouristen.

Handlungsempfehlungen

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept führt 210 große und kleine Einzelmaßnahmen auf. Diese reichen vom Straßenbau und Vertiefung der Fahrrinne bis zur Sanierung der Sporthalle Zanderstraße und der Umgestaltung des Fürstenhofgartens. Die Altstadt bleibt ein Schwerpunkt, außerdem der Friedenshof und Wismar Ost. Wendorf soll stärker in den Focus rücken.

Wie weiter?

Die Stadt sieht in dem ISEK eine wichtige Planungsgrundlage für die nächsten zehn Jahre. Ohne das Konzept gibt es praktisch keine Finanzhilfen von Land, Bund und EU. Eine Bürgerbeteiligung wird vorbereitet. Daran schließt sich eine Abwägung der Hinweise an. Am Ende muss die Bürgerschaft die ISEK-Fortschreibung beschließen.

Heiko Hoffmann