Es war ein Eklat mit Ansage: Schon einige Tage vor der konstituierenden Sitzung der neuen Gemeindevertretung von Glasin kursierten Gerüchte, Joachim Wittke (Unabhängige Wählergemeinschaft Glasin, UWGG) wolle die neu gewählte Bürgermeisterin Ute Marx (CDU) nicht ins Amt einführen. Wittke, der zuvor 27 Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister der rund 770-Einwohner-Gemeinde war, unterlag bei der Wahl am 26. Mai mit 48 Prozent der Wählerstimmen und sollte nun am Mittwochabend im Gemeindehaus Glasin seinen Posten an seine Nachfolgerin, die mit nur 19 Stimmen mehr die Wahl gewann, abtreten.
Was folgte, war ein wahres Schauspiel für Bürger und Gäste, die den Raum bis auf den letzten Platz besetzten. Denn tatsächlich erklärte Wittke, „auf welch widerliche Art und Weise Frau Marx ihre Wählerstimmen erhalten hat.“ Der 83-Jährige sprach von einem „schmutzigen Wahlkampf“ und werde sich weigern, seine Nachfolgerin zu verpflichten. Aus den Reihen der CDU konterte Britta Zeretzki mit: „Sie sind ein schlechter Verlierer“. Volker Möller erklärte: „Es gibt jetzt eine Wende. Akzeptieren Sie das.“
Rechtsaufsicht schreitet ein und belehrt ehemaligen Bürgermeister
Da sich diese Querele schon im Vorfeld abgezeichnet hatte, kamen extra Yann-Christoph Collin als Leiter der Kommunalaufsicht des Landkreises Nordwestmecklenburg und Neuklosters Bürgermeister, Frank Meier, in seiner Funktion als Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Neukloster-Warin, zu dem Glasin zählt.
Nachdem Collin sachlich, aber eindringlich auf Joachim Wittke einsprach, ihn darüber belehrte, dass er, würde er die Verpflichtung seiner Nachfolgerin nicht vornehmen, die Kommunalverfassung verletze, knickte Wittke schließlich ein: „Dann beugen wir uns dem Recht.“ Er ernannte letztendlich Ute Marx unemotional zur Bürgermeisterin. Falls er sich übrigens dennoch geweigert hätte, hätte Frank Meier die Ernennung übernehmen müssen.
Gemeindevertretung Glasin
Die Gemeindevertretung von Glasin hat insgesamt neun Sitze, inklusive Bürgermeisterin.
CDU: Bürgermeisterin Ute Marx, Volker Möller, Gudrun Koch, Britta Zeretzki
Wählergemeinschaft Blühende Landschaft rund um Glasin: Christina Bruer
Unabhängige Wählergemeinschaft Glasin: Joachim Wittke, Nico Meyer-Nistroj, Hermann Kraatz
AfD: Sebastian Beyer
Bei der Wahl zum Bürgermeister erhielt Ute Marx 245 Stimmen und Joachim Wittke 226 Stimmen.
Nachdem nun der vermeintlich aufregendste Teil der ersten Sitzung der neuen Glasiner Gemeindevertretung überstanden war, hätte es eigentlich flink weitergehen können – eigentlich. Auf der Tagesordnung standen, nach der Ernennung der Gemeindevertreter, noch die Punkte „Wahl der Stellvertreter des Bürgermeisters“, „Verabschiedung des ehemaligen Bürgermeisters“ – Joachim Wittke lehnte dies ab – und unter anderem die Besetzung der Ausschüsse. Anhänger von Joachim Wittke ließen aus dem Publikum „Schweinerei“ und ähnliche Begriffe verlauten.
Wittke zeigt sich resistent gegen Vorschläge, Marx richtet das Wort an Besucher
Bei jeder einzelnen Beschlussvorlage folgte eine langwierige Diskussion, aus denen die CDU als stärkste Fraktion mit ihren fünf Mitgliedern jedes Mal als Sieger hervorging. Immer wieder musste Yann-Christoph Collin von der Rechtsaufsicht einschreiten für einen regelkonformen, deutlichen Ablauf sorgen und dafür plädieren, sich zu einigen. Auch Frank Meier erklärte noch einmal, wie der Hauptausschuss der Gemeinde besetzt werden kann: Entweder die Mitglieder einigen sich auf eine Liste oder es wird für einen Teil des Ausschusses gelost.
Wittke, der immer wieder das Wort ergriff, zeigte sich weitestgehend resistent gegen Vorschläge der anderen Gemeindevertreter und gegen Vorschläge der Rechtsaufsicht, lehnte kategorisch alles ab. Letztendlich gelang es doch, die Sitzung mit den gefassten Beschlüssen zu beenden.
Ute Marx richtete noch einmal das Wort an die zum Teil aufgebrachten Besucher, betonte, dass die zukünftige Haushaltslage der Gemeinde nicht sehr gut aussehe, der Haushalt deswegen absolute Priorität für sie habe. Auch die Löschwasserversorgung solle verbessert werden. „Persönlich möchte ich mich für Ordnung und Sauberkeit einsetzen. Wir sollten auch prüfen, ob wir Ortsteilvertreter einsetzen können. Ich möchte, dass alle Ortsteile gleichberechtigt sind.“
Mehr zum Thema: Das sind die gewählten Bürgermeister in Nordwestmecklenburg
Amtsbereich Neukloster-Warin: Wahl in sieben Gemeinden und zwei Städten
Michaela Krohn