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Mecklenburg Zerstörte Seebrücken und Strände: Enorme Schäden nach Sturmflut
Mecklenburg Zerstörte Seebrücken und Strände: Enorme Schäden nach Sturmflut
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12:03 04.01.2019
Mitarbeiter des Bauhofes in Boltenhagen beseitigen am 3. Januar die Folgen des Sturms und des Hochwassers. Im Ortsteil Redewisch war die Küstenstraße gesperrt, Autofahrer ignorierten das und behinderten die Arbeiten.  Quelle: Malte Behnk
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Rostock

Die erste schwere Sturmflut des Jahres hat an den Küsten des Landes erhebliche Schäden angerichtet. Hinsichtlich Stärke und Folgen sei sie mit den Sturmfluten von 1995 und 2017 vergleichbar, hieß es Donnerstagabend aus dem Umweltministerium in einer ersten Stellungnahme. Fast alle Dünen seien betroffen – teilweise hätten die Dünen bis zu zehn Meter an Breite verloren. Aber: Dünenabschnitte mit akutem Handlungsbedarf konnten in einer ersten Begutachtung noch nicht festgestellt werden.

Dünenkliffs: Betroffene Küsten nicht betreten

Vielerorts entstanden Dünenkliffs mit örtlich bis zu fünf Meter Höhe. „Ich warne ausdrücklich davor, diese Strandabschnitte sowie die Steilküsten zu betreten“, sagt Umweltminister Till Backhaus (SPD). „Sie sind sehr instabil. Die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt werden unverzüglich mit der Abböschung der Dünen beginnen. Es wird aber mehrere Tage dauern, bis die Gefahrenstellen beseitigt sind.“

Straßensperrungen und Überschwemmungen entlang der Ostseeküste

Geradezu zerschlagen haben Wind und Wellen die Seebrücke in Prerow. Etliche Bohlen sowie ein Teil des Geländers am Brückenkopf haben die Naturgewalten weggerissen. Genau an der Stelle, an der künftig der neue Inselhafen geplant ist. Um mögliche Schäden zu minimieren, wird die neue Seebrücke einen Meter höher gebaut. „Auf jeden Fall wird die Seebrücke schnellstmöglich repariert“, sagt der Prerower Bürgermeister René Roloff. Erst mal bleibt die Brücke geschlossen. Gleiches gilt für den beschädigten Seesteg in Zingst.

Usedomer Inselmitte

Der jüngste Sturm hat in Koserow die Strandabgangstreppe Nr. 6a, unweit des Pflege- und Seniorenheimes, fast komplett zerstört.  Quelle: Detlef Ohm

Schwere Schäden sind am Strand in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) entstanden. Für Bürgermeisterin Benita Chelvier (CDU) sind sie mit denen vom Januar 2017 vergleichbar. Allerdings habe es dieses Mal stärker den Bereich der Seebrücke betroffen, wo etwa sieben bis neun Meter von der Düne abgetragen wurden.

In Wismar
hat es vor allem Geschäftshäuser in Hafennähe getroffen. So ist beispielsweise das Erdgeschoss des Gebäudes der Fischereigenossenschaft Wismarbucht bis unter die Decke vollgelaufen. Drei Tonnen Fisch wurden vernichtet. Der Schaden ist groß: „Ich würde fast sagen, es ist ein Totalschaden“, sagt Geschäftsführerin Ilona Schreiber.

In Göhren auf Rügen
sind einige Strandzugänge ausgespült und große Teile der Düne abgetragen worden. Wie Alexander Stein von der Kurverwaltung informiert, ist die Abbruchkante der Düne 2,50 bis drei Meter hoch. Wie groß der Umfang der Schäden genau ist, soll die nächsten Tage geprüft werden, wenn eine Begehung möglich ist. Noch immer steht das Wasser fast bis zum Dünenfuß. Im Binzer Ortsteil Prora sind Strandabgänge beschädigt worden.

Das Hochwasser hat auch zwischen dem Salzhaff und Börgerende einige Schäden verursacht. Die schon 2017 beschädigten Radwege auf der Steilküste zwischen Börgerende und Nienhagen sowie Meschendorf und Kägsdorf sind weiter weggebrochen. Die Wege waren bereits für Radfahrer gesperrt gewesen. In Heiligendamm ist die Seebrücke beschädigt worden, kann laut Bürgermeister Thorsten Semrau aber weiterhin betreten werden.

Im Raum Grevesmühlen hat der Sturm wiederum andere unliebsame Dinge zutage gefördert. In der Wohlenberger Wiek liegt nun viel Seegras – durchzogen von Plastikmüll. Darunter Getränkeflaschen, Eislöffel, Plastikbecher und Verpackungsmaterial.

Glimpflich kam Rostock davon. „Auch wenn die Pegelstände gestern Rekordwerte erreichten, so hat das Hochwasser in Rostock zum Glück nur vergleichsweise geringe Schäden angerichtet“, schätzt Senator Dr. Chris Müller-von Wrycz Rekowski. In Warnemünde gab es massive Sandverwehungen auf der gesamten Promenade. Etwa die Hälfte der Sandfangzäune wurde beschädigt.

Eine erste Begehung der Stadt Stralsund
zeigte nur wenige Schäden, die durch Sturmflut verursacht wurden: Die Absperrung des alten Strandbades wurde zerstört und Steine aus der Uferbefestigung der Sundpromenade herausgerissen.

Nach der Sturmflut im Januar 2017, die damals als die schwerste der vergangenen zehn Jahren bezeichnet wurde, hatte das Land kräftig in die Reparatur der beschädigten Küstenabschnitte investiert. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden an den Küstenschutzanlagen wurden damals mit rund zehn Millionen Euro angegeben.

OZ/vw/dpa