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Bauen und Wohnen Auf die Plätze: Öffentlicher Raum gewinnt zunehmend an Bedeutung
Mehr Bauen und Wohnen Auf die Plätze: Öffentlicher Raum gewinnt zunehmend an Bedeutung
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14:01 10.09.2019
Das Interesse an öffentlichen Plätzen nimmt mehr und mehr zu. In vielen Städten werden deswegen öffentliche Plätze aufgewertet. Quelle: istockphoto/Si-Gal
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Kaffee trinken und plauschen, spielen und skaten, einkaufen und entspannen: Am besten ist für all das ausreichend Platz. Der öffentliche Raum erfülle in der Regel mehrere Funktionen – soziale, ökonomische und ökologische, sagt die Berliner Landschafsarchitektin Barbara Willecke. Besonders wichtig sei es, eine soziale Infrastruktur zu entwickeln, die alle Nutzungsgruppen einbinde. „Es ist sicherlich vorteilhaft, wenn möglichst viele Bevölkerungsschichten erreicht werden und eine flexible Nutzung möglich ist“, ergänzt Regine Keller, die an der Technischen Universität München einen Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum innehat.

Jahrzehntelang wurden Plätze in städtischen Quartieren allerdings eher stiefmütterlich behandelt: Sie verwahrlosten, wurden zugeparkt, boten kaum Aufenthaltsqualität. Viele ähnelten sich, wurden zu Angstorten und Treffpunkten für Randgruppen. Doch seit einigen Jahren richten Politik und kommunale Verwaltungen verstärkt den Fokus auf sie. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hat das milliardenschwere Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgelegt, auch im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ werden Quartiersplätze aufgewertet.

Die Menschen im Quartier haben meist sehr konkrete Vorstellungen, wie der Platz aussehen soll.

Regine Keller, Dozentin für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum an der Technischen Universität Berlin.

Viele Kommunen verfolgen eigene Programme: So wurden etwa in Braunschweig innerhalb von sechs Jahren zwölf Plätze neu gestaltet, in Hannover waren es innerhalb von zehn Jahren 35 Plätze in 21 Stadtteilen. In Leipzig wurden in den vergangenen 20 Jahren vor allem in Sanierungsgebieten mithilfe von Fördermitteln Plätze saniert.

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Neues Bewusstsein für den öffentlichen Raum

Doch woher kommt das neue Interesse an öffentlichen Plätzen? Ulrich Prote von der Stadt Braunschweig nimmt seit einigen Jahren ein neues Bewusstsein für den öffentlichen Raum wahr. Insbesondere der Wunsch nach einem ökologischen Umfeld sei größer geworden, sagt er. Mario Kahl, stellvertretender Geschäftsführer des Bunds Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), sieht verschiedene Ursachen: So suchten ältere Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld Treffpunkte und Einkaufsmöglichkeiten. Viele Migranten seien es aus ihrer alten Heimat gewohnt, sich an öffentlichen Orten zu treffen. Städte würden zudem immer dichter bebaut. Und nicht zuletzt treibe die sommerliche Hitze die Menschen aus den Wohnungen.

Bevor Plätze umgestaltet werden, sollten die potenziellen Nutzer und Anwohner eingebunden werden. „Die Akzeptanz von Planung steht und fällt mit der rechtzeitigen Beteiligung. Die Menschen im Quartier haben meist sehr konkrete Vorstellungen, wie der Platz aussehen soll“, erklärt Keller. Für Willecke ist es wichtig, dass alle Nutzungsgruppen im Sinne einer räumlichen Gerechtigkeit in ihrem Alltag gefördert werden.

Berücksichtigung verschiedener Bedarfe im Alltag der Menschen

Zunächst ermittelt die Architektin die verschiedenen Bedürfnisse im Alltag der Menschen, die möglichst alle berücksichtigt werden: „Wir machen jeder Gruppe mindestens ein Angebot.“ In Raumnutzungswerkstätten werden dann die Funktionen und Räume zueinander in Beziehung gesetzt. Auch wenn die Interessen teilweise sehr unterschiedlich sind, entstehen keine abgegrenzten Zonen. „Die Funktionen sind untereinander präzise verwoben und benachbart“, betont die Landschaftsarchitektin. So entstehe Raum für eine „kleine Platzgesellschaft“, die allen Menschen Teilhabe ermögliche. Plätze seien im besten Fall demokratische Orte der Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion, sagt Willecke: „Sie machen das Leben schöner.“

Plätze sind im besten Fall demokratische Orte der Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion. Sie machen das Leben schöner.

Barbara Willecke, Landschaftsarchitektin aus Berlin

Die letztendliche Gestaltung ergibt sich aus der funktionalen Struktur. Einige Beispiele: In einer Beteiligung wurde festgestellt, dass ältere Menschen gern schaukeln. Für sie wurde deshalb eine Hollywoodschaukel neu entwickelt und so aufgestellt, dass sie das Leben auf dem Platz beobachten können. In einigen Kulturen sei es üblich, dass kleine Kinder immer in der Nähe der Eltern blieben, erläutert Willecke. Deshalb wurden unter anderem in den Sandflächen bequeme Sitzgelegenheiten geschaffen. Beteiligungsverfahren seien heute Standard, sagt Kahl. Das Ergebnis könne allerdings jedes Mal anders ausfallen, erklärt Keller: „Es gibt nicht den idealen Platz.“ Plätze sollten vielmehr einzigartig sein und sich in den baulichen und sozialen Kontext einfügen. „Anders ausgedrückt: Sie müssen mit dem jeweiligen Ort, an dem sie sich befinden, zu tun haben.“

Mitunter schließen sich verschiedene Interessen aus: zum Beispiel die von Hundehaltern und Kindern. Konflikte sind zudem fast immer programmiert, wenn das Thema Stellplätze und Verkehr betroffen ist.

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Von Sebastian Hoff/RND

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