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Bauen und Wohnen Einbruchschutz: Deswegen sind Schutzmaßnahmen sinnvoll
Mehr Bauen und Wohnen Einbruchschutz: Deswegen sind Schutzmaßnahmen sinnvoll
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06:58 08.10.2019
Laut der Initiative für aktiven Einbruchschutz "Nicht bei mir!" haben sichtbare Alarmanlagen eine abschreckende Wirkung. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Stuttgart

Der Fernseher ist schon älter, der Computer auch. Und der Schmuck hat mehr emotionalen als tatsächlichen Wert: Man könnte jetzt denken, so ein Haushalt ist vergleichsweise sicher vor Einbrechern. Oder der Schaden bei einem Einbruch hält sich in Grenzen. Lohnt es sich da überhaupt, Sicherungsmaßnahmen im Haus zu installieren, die vielleicht sogar teuer sind? Spricht man mit Polizisten, berichten sie oft von solchen Aussagen und auch von der großen Bestürzung der Betroffenen - nachdem eingebrochen wurde. Die meisten Einbrecher sind nicht unbedingt auf der Jagd nach dem großen Schatz. Sie suchen sich bewusst keine großen Villen aus, sondern wählen Haushalte, in die sie schnell und einfach reinkommen. Natürlich kann ein Einbrecher vorher nicht wissen, was sich hinter unscheinbaren Mauern verbirgt. Er versucht es also einfach. Und auch Kleinkram ist Beute.

Ein Faktencheck, warum Einbruchschutzmaßnahmen im Haus sinnvoll seien können:

"Bei mir gibt es doch nichts zu holen"

Der Verlust von Werten ist überhaupt nicht das große Problem für Einbruchsopfer. Es ist die nachfolgende Angst. "Ein Drittel aller Opfer eines Wohnungseinbruchs tragen sich mit dem Gedanken umzuziehen oder ziehen tatsächlich um, weil die psychischen Auswirkungen massiv sind", erklärt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Betroffene fühlen sich zu Hause nicht mehr wohl, weil jemand in die eigene Intimsphäre eingedrungen ist. Manche haben sogar Angstzustände.

Laut der Initiative "Nicht bei mir!" sind gerade durchschnittliche Haushalte von den Folgen eines Einbruchs schwer getroffen. In vielen Fällen seien sie sich der Werte ihrer alltäglichen Gegenstände auch nicht bewusst. Nicht selten stelle sich im Schadensfall eine Unterversicherung heraus, da Versicherungsnehmer den Wert ihres Hausrates zu gering angegeben haben.

"Wenn man Kameras aufhängt, lockt das Einbrecher erst recht an"

Laut der Initiative für aktiven Einbruchschutz "Nicht bei mir!" ist das Gegenteil der Fall: Sichtbare Alarmanlagen hätten eine abschreckende Wirkung. Außerdem gilt: Wann und vor allem wo ein Täter zuschlägt, ist oft Zufall. "Das ist dann einfach so: Der Einbrecher kommt, läutet und schaut, ob jemand zu Hause ist, und ob er beobachtet wird", berichtet Polizeisprecher Schmidt. "Ist das nicht der Fall, setzt er an einem geeigneten Fenster oder einer Tür an, hebelt sie auf und geht rein. Das alles geht sehr schnell." Eine willkommene Gelegenheit für Einbrecher sind geöffnete oder gekippte Fenster, egal ob die Bewohner da sind oder nicht.

Lesen Sie auch: Einbruchschutz: Mieter können nicht mehr Absicherung verlangen

"Die Urlaubszeit lockt Einbrecher an. Sonst ist man sicherer"

"Das ist eine Mär, die sich aber hartnäckig hält. Wir haben statistisch gesehen in der dunkleren Jahreszeit mehr Fallzahlen", betont Schmidt. Er plädiert aber dafür, keine bestimmte Zeit für einen Einbruch auszuschließen - da viele Einbrecher gerade auf den Zufall aus sind. "Daher muss man sagen: Ein Einbruch kann Ihnen auch passieren, während Sie morgens beim Bäcker die Brötchen holen, während Sie die Kinder in den Kindergarten bringen oder während Sie nur die kurze Runde mit dem Hund laufen. Diese kleinen Abwesenheiten reichen aus, um Opfer eines Einbruchs zu werden", sagt Schmidt.

"Wenn es die Einbrecher wollen, kommen sie überall rein"

Das stimmt natürlich - wer es lange genug versucht, bekommt die sicherste Tür auf. Zur Not mit schwerem Werkzeug. Allerdings betont die Initiative für aktiven Einbruchschutz "Nicht bei mir!": Die wenigstens Einbrecher seien gut ausgerüstete Profis. Oft sind es Gelegenheitstäter, die zuschlagen, wenn man ihnen dazu die Chance bietet. Schwache Türen oder Fenster ermöglichen etwa einen schnellen Zugang. Experten nennen fünf Minuten als Zeitlimit - danach brechen viele ihren Einbruchsversuch ab.

Zum Vergleich: "Ein handelsübliches Fenster, wie sie noch zu einem hohen Prozentsatz in den deutschen Haushalten verbaut sind, kann mit einem stabilen Schraubendreher innerhalb von 10 bis 15 Sekunden aufgehebelt werden", erläutert Polizeisprecher Schmidt.

Wer nicht das große Geld investieren möchte, kann zwischen sieben Widerstandsklassen wählen: einbruchshemmende Fenster und Türen werden von RC 1N bis RC 6 eingeordnet. Die Polizei, aber auch viele Expertenorganisationen raten Besitzern von Privathäusern, erstmal Sicherheitsmaßnahmen ab der dritten Klasse RC 2 zu verwenden. Fenster dieser Klassen könnten Schraubendreher, Zange und Keilen widerstehen. Die Technik kann man vergleichsweise günstig nachrüsten, etwa zusätzliche Verriegelungen anbringen. "Ein Beleg dafür, dass die Sicherungstechnik wirkt, sind auch die steigenden Versuchsdelikte", sagt Schmidt.

"Es wird weniger eingebrochen, jetzt muss ich auch nichts mehr machen"

Die Zahl der Wohnungseinbrüche war bis 2015 stark angestiegen - seitdem fällt sie wieder. Für 2018 haben die Versicherungen rund 110 000 Wohnungseinbrüche registriert. Das entspricht einem Rückgang von 20 000 binnen einem Jahr. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet auch für 2019 einen Rückgang, zumindest sei nach dem Verlauf der versicherten Einbrüche im ersten Halbjahr davon auszugehen.

Der angenommene Grund: Die Vorsorge durch Sicherungstechnik hilft, denn immer mehr Einbruchsversuche scheitern. "Man kann hier definitiv eine positive Entwicklung ablesen, aber das ist kein Grund, sich zurückzulehnen und zu sagen, das ist ja nicht so schlimm", sagt Polizeisprecher Schmidt.

Lesen Sie: Einbruchschutz: Eine Checkliste

RND/dpa

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