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Bauen und Wohnen Bio-Lebensmittel aus ökologisch korrekter Marktscheune
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Neue Scheune aus alter Handwerkskunst

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15:40 17.11.2020
Die Marktscheune auf dem Hof Hoher Schönberg. Quelle: Dirk Hoffmann
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Hohen Schönberg

Wer den schnellen und kurzen Weg zur Ostsee wählt, der nimmt sie auf seinem Ausflug von Dassow in Richtung Klütz in Nordwestmecklenburg wahr. Die auf einer Anhöhe zwischen Klein Pravtshagen und Hohen Schönberg gelegene Marktscheune ist nicht zu übersehen. Sie befindet sich auf dem Hof Hoher Schönberg von Jörg Altmann.

Vor über zwei Jahrzehnten, als der aus der Lüneburger Heide stammende Jörg Altmann den ehemaligen Bauernhof Qualmann erwarb, gab es diese Scheune hier noch nicht. „Ich wollte aber schon immer einen Biohof aufbauen“, erzählt Altmann. Mit der Umwelt und der Natur behutsam umzugehen, das war sein Ansatz und die Marktscheune schon bald ein Teil dieses Vorhabens. Neben den eigenen Erzeugnissen sollten darin auch Höfe aus der Region ihre Produkte verkaufen können. Eine Idee, die über Ländergrenzen hinaus auf Zustimmung stieß und für die der damalige Verein „Regionalpartnerschaft Lübecker Bucht“ über das Programm „Region aktiv“ vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft Mittel einwarb. 2003 war der Zuwendungsbescheid für das Gesamtprojekt in Höhe von 158 536 Euro gekommen. Im Jahr darauf begannen die umfangreichen und mit viel Aufwand betriebenen Arbeiten. Sie dauerten länger als ursprünglich gedacht und erstreckten sich über einen Zeitraum von etwas mehr als vier Jahren.

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Mit Handwerkstechnik wie im Mittelalter bauten Jörg Altmann und befreundete Handwerker Stück für Stück eine Marktscheune.

Mit Handwerkstechnik wie im Mittelalter bauten der gelernte Kfz-Mechaniker Jörg Altmann und befreundete Handwerker Stück für Stück die Scheune. Sie nutzten Äxte, Beile und Sägen, schlugen Eichenholz im nahe liegenden Leonorenwald und verbauten Feldsteine im Fundament. Außerdem verwendeten sie Schilf aus der Harkenbäkniederung bei Barendorf. Die daraus hergestellten Matten, Lehm und andere Materialien nahmen sie zum Wandaufbau. Auf das 600 Quadratmeter große Dach kam Reet, das genäht wurde.

Die ökologische Bauweise der 13 x 25 Quadratmeter großen Marktscheune wird nicht versteckt, sie ist an mehreren Stellen gut sichtbar. Dazu gehören zum Beispiel die Kombination aus Lehm, Stroh und Holz in Wänden des Bereiches des Hofladens, das verwendete Pappelholz in Wänden der daneben liegenden großen Küche oder die Balken aus Fichtenholz im Dachgeschoss. Vor allem dort wird auch weiterhin fleißig gewerkelt. So soll das Dachgeschoss weiter ausgebaut werden, sind die Einrichtung des Büros, des Versandes, der Verwaltung und das Aufstellen von vier Ölmühlen geplant.

Kundschaft in ganz Deutschland

Diese Mühlen stehen jetzt noch im Erdgeschoss. Wenn Besucher kommen, dann finden sie diese natürlich besonders interessant. Und das aus gutem Grund: Zum einen werden hier Leinsamen zu Öl verarbeitet und danach in Flaschen abgefüllt. Abnehmer dafür gibt es in ganz Deutschland, denn die Öle sind begehrt. Ebenfalls verwertet wird zudem der in diesem Prozess entstandene Presskuchen. Aus ihm wird Mehl gemacht, das hier neben dem in der Natursteinmühle gemahlenen Getreide auch gekauft werden kann; neben weiteren Produkten vom Hof Hoher Schönberg und anderen Höfen der Region. Wurst von Schafen, Kühen und Schweinen ebenso wie Obst oder Gemüse, aber auch Milch, Quark und Käse gehören dazu. Alles Bio und ohne Zusatzstoffe.

„Viele Menschen, die zu uns kommen, haben ein anderes Empfinden, wie sie mit der Natur umgehen“, so Altmann. Die Vielfalt und Echtheit hautnah zu erleben, sei für sie besonders interessant.

Jörg Altmann hat sich seinen Traum vom eigenen Biohof erfüllt. Mit einer Marktscheune, die in ihrer ökologischen Bauweise wohl ihresgleichen sucht. Sie ist Teil des Hof-Ensembles mit 30 Hektar und 20 Arbeitsplätzen.

Von Dirk Hoffmann