Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ralf Detlef Bartoszynski (64) wird seit dem 11 Haare oder Radio-Musik gegen ungebetene Gäste aus dem Wald
Mehr Bilder Bilder des Tages Ralf Detlef Bartoszynski (64) wird seit dem 11 Haare oder Radio-Musik gegen ungebetene Gäste aus dem Wald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 24.02.2019
Wildschweine suchen sich Plätze, an denen sie problemlos an Futter kommen. Quelle: Peter Geisler
Anzeige
Schildow

Brandenburgs Wälder beherbergen Wildschweine in rauen Mengen. Auch die Grüngebiete in Oberhavel machen da keine Ausnahme. Die Tiere sind anpassungsfähig und für die meisten Einwohner unsichtbar. Das kann sich jedoch schlagartig ändern, wenn zwei Faktoren zusammenkommen: ein Nahrungsangebot und Sicherheit. Nicht umsonst sind die riesigen Maisschläge auf den Feldern bei den Verwandten der domestizierten Hausschweine über den Sommer so beliebt. Sie zu bejagen ist zwischen den meist übermannshohen Pflanzen nahezu unmöglich, Nahrung gibt es im Überfluss und in fast jedem Fall grenzt ein solches Feld an einen Wasser führenden Graben.

Aber nicht nur die Maisfelder sind wahre Oasen für die Wildschweinseele. Immer öfter entdecken sie auch die Grenzen menschlicher Ortschaften für sich. Und tasten sich im wahrsten Sinne des Wortes immer weiter vor, wie zuletzt in Schildow. Dort hatte Jenny Grunwald eine Begegnung, die sie erschreckte: „Ich besitze zwei Hunde und bin somit viel unterwegs in Schildow. Ich beobachte seit geraumer Zeit, dass sich vermehrt Wildschweine bei uns aufhalten, den Boden zerwühlen, sich darin suhlen“, sagt sie. „Deshalb meide ich zu bestimmten Uhrzeiten bestimmte Wege mit meinen Tieren. Aus Bedenken heraus, dass ich auf Wildschweine treffen könnte. Vor etwa vier Wochen habe ich ebenfalls am Tage seitlich der Lessingstraße eine Rotte laufen sehen, allerdings in Richtung Kiessee. Andere Hundehalter berichten ebenfalls von Sichtungen“, so ihre Erfahrungen mit den Wildtieren.

Wildschweine in Schildow Quelle: privat

Sogar fotografieren konnte Jenny Grunwald eine Rotte Sauen, bestehend aus dem Muttertier (der Bache) und ihren Frischlingen aus dem letzten Jahr.

Nicht zum ersten Mal laufen Wildschweine durch Schildow

Und bald wird die Bache aller Wahrscheinlichkeit nach neue Frischlinge bekommen – etwa ab Ende Februar oder Anfang März kann damit gerechnet werden. Während sie die ersten Tage noch im sogenannten Wurfkessel an einem geschützten Ort verbringen, fangen die kleinen Wildschweine spätestens nach drei Wochen an, der Mutter zu folgen. Und zwar überall hin – auch auf Streifzüge durch die Ortschaften.

Das kann dann nicht nur für Hundebesitzer sehr unangenehm werden. Denn Wildschweine gelten nicht umsonst als sehr wehrhaft. Bisse von Bachen, die ihren Nachwuchs verteidigen – und das tun sie nicht nur im Wald absolut unerschrocken und aggressiv –, können auch für Menschen lebensgefährlich werden, bestätigt Michael Ohletz, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Oberhavel.

Achtung, Wildschweine gelten als sehr wehrhaft

Da die Jägerschaft seiner Einschätzung nach nicht bereit sein dürfte, in bebauten Gebieten, wo die Gefahr von abprallenden Geschossen und Querschlägern allgegenwärtig ist, den Schwarzkitteln nachzustellen, bleibt die Frage im Raum stehen: Wie kann man verhindern, dass sie überhaupt erst in die Ortschaften kommen und zur Gefahr werden?

Eine sehr einfach klingende, aber äußerst wirksame Antwort darauf lautet: „Dafür sorgen, dass sie nichts zu fressen finden“, so Ohletz. Das bedeute beispielsweise, die Küchenabfälle nicht auf dem Kompost zu deponieren und Fallobst auf dem heimischen Grundstück im Herbst einzusammeln. Denn haben die gelehrigen Tiere erst einmal verinnerlicht, wo ihnen Futter winkt und keine Gefahr droht, kommen sie wieder und wieder. Egal, ob dort Menschen leben oder nicht.

Wildschweine lernen schnell

Vorübergehende Abschreckung für den eigenen Garten kann es bringen, beim Friseur Haare zu besorgen und zu verteilen. Auch ein laufendes Radio hält die Tiere zumindest einige Nächte ab. Allerdings nicht lange – denn die Verwandten der Hausschweine sind lernfähig. Und solange die Aussicht auf eine einfach zu erlangende Mahlzeit lockt, werden sie dem nicht lange widerstehen können.

Im Übrigen, darauf weist Ohletz ebenfalls hin, sind es nicht nur Wildschweine, die dem Menschen in seine Siedlungen folgen. Bekannte Beispiele sind etwa Füchse und Waschbären. Auch bei diesen Tieren gilt, dass sie niemals dahin gehen würden, wo sie sich nicht ernähren könnten.

Von Björn Bethe

Aktuelle und außergewöhnliche Motive aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Rest der Welt.

25.10.2018

Aktuelle und außergewöhnliche Motive aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Rest der Welt.

24.10.2018

Aktuelle und außergewöhnliche Motive aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Rest der Welt.

23.10.2018