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Bildergalerien Amphibienfahrzeug spürt Seegras, Tang und Algen auf
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06:39 19.04.2018
Mithilfe eines Saugers des Amphibienfahrzeug Truxor können auch bereits verrottete Pflanzenteile abgepumpt werden.
Mithilfe eines Saugers des Amphibienfahrzeug Truxor können auch bereits verrottete Pflanzenteile abgepumpt werden. Quelle: Anne Ziebarth
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Suhrendorf

Mit Schwung nimmt der „Truxor 5045“ Kurs auf die Wasserlinie der Suhrendorfer Bucht und gleitet ins flache Wasser. Wenig später ist das Amphibienfahrzeug wieder an Land – in der Sammelvorrichtung am vorderen Teil hängen einige Streifen Seegras. „Das Material ist zum Teil bereits zersetzt, dafür eignet sich die Pumpe wohl besser“, meint der Fahrer des Mobils, Maik Kossack von der Firma Zelder. Und tatsächlich, mit der eingebauten Saugvorrichtung verschwinden große Mengen des Algengemisches aus dem Wasser.

Das Modell Truxor kann das an den Stränden störende Grün aus dem Wasser fischen. Treibsel könnte einmal zu Kohle werden.

Studie soll Überblick über die Verwendung von Treibsel geben

Der Truxor könnte ein Hoffnungsträger für die Treibsel-geplagten Gemeinden der Insel Rügen werden Denn das immer wieder angespülte Gemisch aus Seegras, Algen und Seetang am Strand stört nicht nur die Badefreuden der Urlauber, die fachgerechte Entsorgung stellt die Gemeinden der Insel auch vor große Herausforderungen. Nachdem im vergangenen Jahr die erste Klärschlammverwertungsanlage des Landes in Bergen eröffnet wurde, gibt es jetzt einen weiteren Lösungsansatz. „Eine Durchführbarkeitsstudie soll klären, ob und wie eine Verkohlung des Treibsels wirtschaftlich möglich ist“, erklärt Klaus Serfass vom Unternehmen VTCtech, welches eine Niederlassung in Lietzow betreibt. Verkohlter Treibsel könnte sowohl als Energielieferant als auch in der Landwirtschaft oder als Aktivkohle in der Aquakultur eingesetzt werden. Langfristiges Ziel sei die Errichtung eines Karbonisierungswerkes zwischen Mukran und Lietzow. „Im Mai wollen wir mit der Studie starten,wir hoffen auf eine schnelle Förderzusage vom Land“. so Serfass. „Die Untersuchung soll rund 166 000 Euro kosten und wird vom Unternehmen T.A.B aus Rostock durchgeführt, die mit uns eng kooperieren.“

Bio-Kohle aus Treibsel ist vielseitig einsetzbar

Zunächst soll geklärt werden, wie viel Treibsel an Rügens Stränden tatsächlich anfällt und die besten Sammel- und Transportmöglichkeiten testen. „Deshalb die Vorführung des Truxors“, erklärt Serfass. „Wir wollen uns schon mal ein Bild machen, welche Techniken es eigentlich gibt und ob die für unser Einsatzgebiet in Frage kommen.“ Ein weiterer Schwerpunkt der Durchführbarkeitsstudie ist die Untersuchung der Bio-Kohle die aus dem Treibsel gewonnen wird. Dafür hat sich Serfass neben der Uni Rostock, die die Anwendung im Aquakulturbereich untersucht, auch die Hochschule Stralsund mit ins Boot geholt. „Ich möchte das Projekt im Rahmen meiner Masterarbeit begleiten und die Brennstoffeigenschaften von karbonisiertem Treibsel untersuchen“, erzählt Daniel Prüter, Student der Hochschule Stralsund im Bereich Maschinenbau/Erneuerbare Energien. „Auch die Zusammensetzung ist für uns interessant, wie viel Kohlenstoff und Asche der karbonisierte Treibsel enthält, zum Beispiel.“

Kosten für Treibselsammlung und -entsorgung sind hoch

Auch einige Gemeinden und Unternehmen haben bereits Interesse an der Studie signalisiert und beteiligen sich, beispielsweise mit Proben. Bisher sind dies Sellin, Juliusruh, Glowe und der Campingplatz in Suhrendorf. „Von den anderen Gemeinden, wie zum Beispiel Binz haben wir kein Feedback bekommen“, so Serfass. „Das ist schade.“  Fällt die Studie positiv aus, soll ein Karbonisierungswerk bei Mukran entstehen. Das könnte für die Gemeinden finanziell attraktiv sein. Bislang müssen die Kommunen nämlich tief in die Taschen greifen, wollen sie etwas gegen den Treibsel an ihren Stränden tun. Wird die organische Masse bewegt, wird sie im diesem Moment zu Abfall, der aufwändig entsorgt werden muss. Rund 80 000 bis 100 000 Euro jährlich stellt etwa die Gemeinde Sellin für die Treibselsammlung und -entsorgung bereit. „Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich spezielle Technik für das Aufsammeln des Treibsels angeschafft“, sagt Sellins Bürgermeister Reinhard Liedke. „Wir besitzen auch ein Extra-Lager für Treibsel. Nach Trocknung und Beprobung verwenden die Landwirte die organische Substanz auf ihren Feldern oder es kommt auf die Deponie.“ Man könne das Problem aber nicht nur Lokal betrachten. „Sicherlich braucht es noch mehrere größere Lager auf der Insel und eine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für das Material.“

Ziebarth Anne Friederike