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Bildergalerien Einmaliger Blick in die Astronomische Uhr von St. Nikolai
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09:39 22.04.2018
Ein Blick auf das Uhrwerk der Astronomischen Uhr in der Stralsunder Nikolaikirche. Quelle: Ines Sommer
Stralsund

Das passiert nicht alle Tage: Die Nikolaikirche ermöglichte am Sonnabend einen ganz besonderen Blick hinter die Kulissen – Besucher konnten ins Innere der Turmuhr schauen. Die astronomische Uhr in der Stralsunder Stadtkirche an der Rückseite des Hochaltars ist nämlich eine der ältesten und zudem im Original erhalten. Gebaut wurde sie 1394 von Nikolaus Lilienfeld. Und da ist ein Blick ins Uhrwerk schon ein Highlight.

Für den Fachkreis Turmuhren erlaubte die Kirchengemeinde St. Nikolai in Stralsund am Samstag eine sonst nicht mögliche Reise ins Innere des Bauwerkes von 1394. Stralsund hat die älteste mechanische Uhr der Welt.

Und das wollten sich auch die Mitglieder des Fachkreises Turmuhren der Deutschen Gesellschaft für Chronometrie nicht entgehen lassen. Eingebettet in ihre Fachtagung, die am Wochenende in Rostock stattfand, war eine Exkursion nach Stralsund. Um den Einblick ins Uhrwerk überhaupt möglich zu machen, hatte die Gemeinde vorher ein Gerüst aufbauen lassen. So konnte man Stück für Stück per Leiter den Weg um die Uhr erklimmen. Da war der neugierige Betrachter einerseits dem Ziffernblatt ganz nah, das man sonst nur von unten anschauen kann. „Das Besondere an der astronomischen Uhr in Stralsund ist, dass sie zu den ältesten Bauwerken gehört. Deshalb zeigt sie wie die in Danzig die temporäre und die äquinoktiale Zeit an. Temporär heißt, man zählt die Stunden zwischen Sonnenauf- und -untergang. Und der variiert ja. Das heißt, im Sommer gibt es zwölf Stunden a 80 Minuten, im Winter sind es zwölf Stunden a 40 Minuten.“ Das Uhrwerk laufe aber immer gleich. Für die Abweichung hat der Erfinder bestimmte Linien am Ziffernblatt eingearbeitet, so dass man auch die „echte“ Zeit ablesen kann.

„Bei allen späteren Uhren, wie die in Rostock, Lübeck oder Wismar, war die temporäre Zeit bedeutungslos geworden,“ sagte Professor Manfred Schukowski in einem kleinen Vortrag. Man richtete sich nur nach der äquinoktialen Zeit, als jener mit gleich langen Stunden. Und noch eine Besonderheit beschreibt Professor Schukowski: Die Stralsunder Uhr hat drei Zeiger auf einem Ziffernblatt, den Stundenzeiger, den Mondzeiger und den für die Tierkreiszeichen. Und alle Zeiger bewegen sich täglich. Außerdem findet man schon arabische Zahlen an der Uhr.

Der gebürtige Stralsunder Manfred Schukowski hat sich schon in den 80er-Jahren intensiv mit der astronomischen Uhr in St. Nikolai beschäftigt. 1994 sei er mehrere Tage hinter der Uhr herumgekrochen. „Die Einheit von Gehäuse und Uhrwerk ist gotischen Ursprungs. Und das ist einmalig. In einer Untersuchung haben wir im Jahr 2000 gezeigt und auch publiziert, mit welchen fehlenden Teilen die Uhr einst funktioniert haben könnte“, so der Spezialist für astronomische Didaktik, der in der Lehrerbildung arbeitete. Doch von einer Rekonstruktion hält er nichts.

„Ich warne davor, denn die ursprüngliche Fassung würde verloren gehen. Diese Uhr stand lange still, denn sie lief nur etwa bis 1525. Da wurde sie wahrscheinlich im Zuge einer Bilderstürmerei zerstört. Aber ich sage heute, dass war ein Glücksfall, sonst wäre sie schon mehrmals verändert und umgebaut worden. So erzählt dieses Bauwerk uns heute noch von einer großen geistigen Leistung“, schwärmt der 90-Jährige und zwinkert. „Die Uhren sind meine Altersarbeit.“

Auch der Stralsunder Gerd Meyerhoff, kirchlicher Baureferent der Nordkirche und Mitglied in der Nikolai-Gemeinde, spricht sich dafür aus, die Uhr so zu belassen, wie sie ist. „So bleibt sie ursprünglich und erforschbar.“ Man habe lediglich gemeinsam mit Familie Hedel das Uhrwerk mit Glas verkleidet, um das Ganze zu schützen.

Ian David Fowler, gebürtiger Engländer, der heute als Uhrenrestaurator nahe Köln arbeitet und lebt, hat einen anderen Vorschlag, um das Stralsunder Bauwerk erlebbar zu machen. „Ich finde, man könnte mit erschwinglichen Mitteln ein 1:1-Modell bauen, das zeigt, wie solchen Uhren funktioniert haben. In Frankreich baut man heute schon ganze Burgen nach, so schützt man einerseits das Denkmal, vermittelt am neuen Objekt aber das Wissen aus jener Zeit“, sagte der 65-Jährige gegenüber der OZ.

Sommer Ines

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