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Bildergalerien Feuer-Szenario im Container: Üben wie im Ernstfall
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06:00 27.02.2018
Blick in den Brandübungscontainer: Der Brandraum sieht schwarz und verrußt aus. „Wir führen junge Feuerwehrleute behutsam an Brände heran, damit sie im Ernstfall entspannt mit der Situation umgehen können“, sagt Florian Haug, Leiter des Kreis-Rettungsdienstes. Quelle: Haike Werfel
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Warin

Als erster Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern hat Nordwestmecklenburg einen Brandübungscontainer angeschafft. Er steht auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Warin. In dem Container können Feuerwehrleute unter realen Bedingungen trainieren. Die Kosten von 470000 Euro hat das Land mit 141667 Euro gefördert.

Der Landkreis Nordwestmecklenburg hat 1,63 Millionen Euro in den Brand- und Katastrophenschutz investiert. Für 700000 Euro wurde die Feuerwehrschule in Warin modernisiert. Sie verfügt jetzt über einen Brandübungscontainer, den ersten in MV.

Junge Feuerwehrleute an Brandsituation heranführen

Die sogenannte Heißausbildung müssen jene Mitglieder in den Feuerwehren absolvieren, die Atemschutzgeräteträger sind. „Der Übungscontainer wird mit Propangas befeuert. Die Kameraden erleben Feuer, Hitze, Rauch und sollen vergessen, dass es eine Übung ist“, sagt Florian Haug, Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises. „Feuerwehr ist ein gefährliches Ehrenamt. Deshalb müssen wir die jungen Kameraden behutsam, kontrolliert und ohne Gefahr an die Situation, einen Brand zu löschen, heranführen.“

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Wohnräume brennen schneller

Hinzu komme, dass Wohnräume heute schneller (innerhalb von 20 Minuten) und heißer (bis zu 1500 Grad) brennen. Dafür sorgen Kunst-, Verbund- und Dämmstoffe sowie die Elektronik. Früher, bei Möbeln aus Holz, Wolle und Baumwolle, dauerte es knapp zwei Stunden, bis ein Vollbrand bei etwa 600 bis 800 Grad erreicht war. Eine amerikanische Firma, die weltweit Brandsimulationsanlagen baut, hat den Übungscontainer ausgestattet. Er verfügt über drei Brandstellen: ein Sofa, Gasflaschen, Flashover-Rauchgasentzündung, die unter der Decke Temperaturen bis zu 600 Grad entwickelt. Ansonsten entstehen bei einem Brand Temperaturen von 280 bis 420 Grad. Laut Haug können in dem Container verschiedene Hitzegrade und Szenarien trainiert werden. Zudem ist er modular erweiterbar.

Acht Trainer bilden aus

Der Container besteht aus einem Brand- und einem Technikraum sowie einem Leitstand, von dem aus der Trainer per Bildschirm die Technik während der Ausbildung reguliert. Ein weiterer Trainer begleitet die Auszubildenden. Ein dritter bereitet die Übung vor und nach. Insgesamt wird es acht Ausbilder für den Brandübungscontainer geben. Sie werden bei Frostfreiheit mit ihrem Training beginnen. In diesem Jahr sollen sie etwa 300 Atemschutzträger ausbilden.

Moderne Schulungsstätte

Weitere 700000 Euro hat der Landkreis in die Modernisierung seiner Feuerwehrschule investiert. Sie befindet sich ebenfalls auf dem FTZ-Gelände. Die Fassade wurde saniert, durch den Umbau entstanden vier neue Schulungsräume. Jetzt stehen insgesamt sechs für die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Feuerwehrleute zur Verfügung. „Damit haben wir auf eine Forderung der Wehren reagiert“, sagt Haug. Konnten vormals knapp 400 Teilnehmer im Jahr geschult werden, ist jetzt fast die doppelte Anzahl möglich.

Umkleidebereich eingerichtet

Zudem entstand ein sogenannter schwarz/weiß-Bereich (Umkleide), der den hygienischen Anforderungen einer Schulungsstätte gerecht wird. Die Küche wurde erneuert und modernisiert, der Speiseraum vergrößert. „Wir können jetzt rund einhundert Schulungsteilnehmer an den Wochenenden und in der Woche zügig versorgen“, teilt Andreas Dubbe, Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes, mit. „Unsere 22 Kreisausbilder führen neben ihrer Feuerwehrarbeit in den Gemeinden am Wochenende die Ausbildung für den Landkreis durch.“Ab diesem Jahr werden laut Florian Haug an Werktagen zusätzlich die hauptamtlichen Rettungsdienstmitarbeiter weitergebildet. „Somit erhöhen wir die Auslastung der Schulungsstätte.“

Zwei neue Löschfahrzeuge

Nicht zuletzt finanzierte der Landkreis mit 600000 Euro zwei Löschgruppenfahrzeuge für den Katastrophenschutz. Der Zuschuss vom Land beträgt 77250 Euro. Die Fahrzeuge ersetzen zwei ausgediente bei der Freiwilligen Feuerwehr Altstadt Wismar und in Gadebusch. Die modernen Wagen sind Bestandteil des Dekontaminations- und des Erweiterten Löschzuges des Landkreises. Sie verfügen über insgesamt 800 Meter Schlauchmaterial, einen 1000-Liter-Wassertank und eine Heckpumpe, über ein Notstromaggregat, LED-Lichtmast und -Umfeldbeleuchtung, Zusatzheizung und Digitalfunk. Beide Fahrzeuge haben Allradantrieb, können auch im überfluteten Gelände fahren und bis zu 15 Tonnen schwere Anhänger ziehen.

Werfel Haike

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