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Bildergalerien Grevesmühlener „Begegnungen“
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15:28 20.04.2018
Kisanet (19) aus Eritrea hat sich zeichnend mit dem Thema Religion beschäftigt. Sie seit einem Jahr in Deutschland und möchte gerne Krankenschwester werden. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Von Annett Meinke

Wer sich auf die noch bis Mitte Mai im Rathaus präsentierte Ausstellung einlässt, könnte überrascht werden.

Grevesmühlen. Funktioniert die Integration von Flüchtlingen in Grevesmühlen? Oder ist das Thema Flüchtlinge etwas, zu dem sich die meisten Einheimischen inzwischen eine ablehnende Meinung gebildet haben, die sie nur noch ungern hinterfragen? Im Grevesmühlener Rathaus wurde jetzt von Bürgermeister Lars Prahler eine Ausstellung eröffnet, die unter anderem Kunstwerke von Menschen aus Eritrea, Mauretanien und Syrien zeigt. Sie wurde von Renate und Johannes Schürmeyer kuratiert, die die Initiatoren des offenen Kreativ- und Kulturprojektes „Das Eck“(ehemals „Manies Holsteneck“) am Grevesmühlener Bahnhof sind – in dem sich Grevesmühlener und Flüchtlinge begegnen, miteinander reden und sich künstlerisch betätigen können. Hier entstand die Ausstellung „Begegnungen“, die noch bis zum 17. Mai im Rathausfoyer zu besichtigen ist. Schürmeyers, die sich auch bei der Grevesmühlener Flüchtlingshilfe bleib.mensch engagieren, tragen keine rosarote Brille, was das Thema „Flüchtlinge und Integration“ angeht. Sie setzen sich auseinander mit den Schwierigkeiten, die es oft birgt. Und dennoch, Schürmeyers setzen auf Menschlichkeit. Gerade dann, wenn es vielschichtig und uneindeutig wird, wenn Klischees, – auch auf die Geflüchteten bezogen, - ebenso oft stimmen, wie nicht.Diesem Ansatz folgt auch die Ausstellung – die Kunstwerke sind in den meisten Fällen nicht mit Namen versehen, zumindest gibt es keine kleinen Kärtchen, neben den Bildern, Zeichnungen, Collagen und anderen Kunstobjekten, die zu sehen sind. Dann und wann hat einer der Künstler mal seinen Namen in das Werk hineingemalt, mal größer, mal kleiner. Wer sich durch die Ausstellung bewegt, weiß nicht von vornherein, wer das jeweilige Werk zu verantworten hat. Zugegeben, bei einigen Zeichnungen ist es einfach. Die Motive sind eindeutig nicht heimischer Natur – Kamel und Elefant zum Beispiel. Die Art, wie sie dargestellt sind, könnte „naiv“ nennen, wer eine Einordnung dieser Art braucht. Renate Schürmeyer braucht keine: „Wir haben uns ganz mit Absicht dazu entschieden, auf Namensnennungen zu verzichten. So hat jeder Ausstellungsbesucher die Chance, eigene, eventuell existente Schubladen vielleicht einmal wieder zu hinterfragen.“ Sie weiß, sagt Schürmeyer auch, dass Klischees immer Teil der Wirklichkeit sind und auch existieren. Doch steckt hinter jedem, der erst einmal den Stempel „Flüchtling“ trägt, tatsächlich ein ganz konkreter Mensch. „Mit Träumen, Sehnsüchten, Erinnerungen, Wünschen“, sagt sie, - und freut sich, wenn Jemand, wie auf der Ausstellungseröffnung passiert, kommt und nachfragt, von wem denn dieses oder jenes Kunstwerk stamme? Die Aquarelle oder die Plastiken? Und dann erstaunt zugibt, dass er nicht gedacht hätte, dass die Künstler aus Syrien stammen. Oder, dass das eine schöne Bild mit der Frau auf der Schaukel von Andrea Henning stammt, die bei der Malgruppe des Grevesmühlener Behindertenverbandes „Farbenfroh“ mitmalt, von der Verbandsvorsitzenden Heidrun Lange geleitet. Heidrun Lange selbst hat auch einige Werke gemalt und mit ausgestellt – ebenso namenlos. Sie ist ein Fan von „Dem Eck“ am Grevesmühlener Bahnhof, das von der Stadt Grevesmühlen, dem Behindertenverband Grevesmülen, dem Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg, der Kirchengemeinde St. Nikolai und dem Rotary Club in Grevesmühlen unterstützt wird. „Das Eck“ steht übrigens allen Menschen offen, die sich dafür interessieren, andere Menschen kennenzulernen, egal, welcher Herkunft und welchen Hintergrundes, die sich für Austausch über Generationen hinweg interessieren. Fragen, so Renate Schürmeyer ist unbedingt erwünscht. Fragen, zum Beispiel wie: Was machen Sie hier eigentlich? Sie verkaufen nichts, Sie haben hier zwar einen Tresen, schenken aber nichts aus – also, was machen sie hier?„

Infokasten:

“Das Eck„ am Grevesmühlener Bahnhof ist jeden Mittwoch ab 14 Uhr geöffnet. Die Ausstellung “Begegnungen" mit Bildern, Zeichnungen, Collagen und anderen Kunstobjekten ist im Foyer des Grevesmühlener Bahnhofs noch bis zum 17. Mai zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen. Dienstag, Mittwoch und Donnerstatg von 9 – 12 Uhr, Dienstag von 13 – 15 Uhr, Donnerstag von 13 – 18 Uhr.

Meinke Annett

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