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Bildergalerien Jungen Seeadler gemeinsam gerettet
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17:06 15.03.2018
Hatte Glück der junge Seeadler, dass sich so viele Menschen fanden, die wussten, was zu tun war. Quelle: privat
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Grevesmühlen

Imposante Geschichte - eine Handvoll Menschen arbeitete in der vergangenen Woche spontan und konzentriert zusammen, um einem jungen Seeadler das Leben zu retten.

Ob versucht wurde, das Jungtier, das in der Nähe von Testorf-Steinfort auf einem Acker gefunden wurde, zu vergiften, klärt jetzt das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

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Der war am Abend des 5. März von einem Forstarbeiter auf einem Acker neben dem Kreuzweg zwischen Schönhof und Seefeld (Ortsteile der Gemeinde Testorf-Steinfort) benommen aufgefunden worden. Neben ihm ein riesiges Kaninchen, von dem er bereits einige Teile verspeist hatte.

Der Forstarbeiter informierte zuerst Rainer Strelow aus Seefeld und Uta Rogge aus Harmshagen, beide Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Natur aus Testorf-Steinfort. Erste Vermutung war eine Vergiftung des Jungvogels mithilfe des Kaninchenkadavers. Verständlich dieser Verdacht, angesichts der Tatsache, dass um die Ausweisung eines Windeignungsgebiets in der Nähe schon jahrelang ein Streit schwelt. Einziger Grund, dass es bisher nicht zu einer Eignungsausweisung kam - ein dort brütendes Seeadlerpaar.

In kürzester Zeit trommelten Strelow und Rogge weitere Unterstützer für die Rettungsaktion „Seeadler in Not“ zusammen: Gerald Blödorn, ein Freizeit-Ornithologe und Baumkletterer, der sich aktiv um den Seeadlerschutz kümmert und schon viele dieser Vögel beringt hat aus Brüsewitz, Rico Giese – ebenfalls Freizeit-Ornithologe, außerdem Falkner und Mitglied der Naturschutz AG aus Testorf und Jürgen Klug, ein Ornithologe Grevesmühlen.

Rat per Telefon kam auch von Christoph Herrmann, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow und schließlich sogar von Oliver Krone, vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Der hatte aufgrund der Zustandsbeschreibung des Vogels – der zeitweise immer wieder kurz zu sich kam, die Idee, dass es sich vielleicht auch um eine zufällige oder fahrlässige Sedierung des Adlers durch einen auf dem Acker abgelegten Tierkadaver handeln könnte.

„Wir haben eine Zuchtnummer im Ohr des Kaninchens gefunden.“, erklärt Uta Rogge. „Vielleicht hat ein Züchter – der nun gefunden werden muss – ein krankes Tier einschläfern lassen und dachte, er tut etwas Gutes, indem er den Kadaver der Wildnis überlässt.“ Was allerdings, wenn dem so wäre – wie Rogge und ihre Mitstreiter finden – ziemlich kurz gedacht wäre. Denn das das sich im Kaninchen befindende Medikament in jedes Tier gelangt, das es auffrisst, müsste eigentlich klar sein.

Das letztlich alles für den jungen Seeadler gut ausging, ist auch den beiden Tierärztinnen aus Welzin und Brüsewitz zu verdanken, die sich um das Jungtier kümmerten, seinen Kropf von noch darin befindlichem Kaninchenfleisch reinigten, Blut abnahmen und Aufbaumedikamente verabreichten. Eine Nacht verbrachte der Jungvogel in Harmshagen, im Gästezimmer von Uta Rogge. Zur Beobachtung und Fütterung kam er noch einen weiteren Tag zum Falkner Rico Giese, bevor er dann kräftig genug war, um am Internationalen Frauentag wieder in die Freiheit entlassen zu werden.

Die Untersuchung der Blutprobe des Adlers und des Kaninchenkadavers im Berliner Leibniz-Institut wurde veranlasst. Die Ergebnisse stehen noch aus.  

Der Seeadler, stolzer König der Lüfte und deutsches Wappentier war bereits um 1900 fast ausgerottet. Laut Artenlexikon des WWF (Schweizer Stiftung für Naturschutz) gibt es in Deutschland derzeit 580 Brutpaare. In Deutschland kaufte der WWF in ausgewählten Gebieten Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs Wald- und Wasserflächen zum Schutz der Seeadler an.

Meinke Annett

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