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Bildergalerien Kathy Kelly - die mit der Wahnsinnsstimme
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16:45 19.06.2018
Kathy Kelly gab Sonntag und Montag ihre ersten Konzerte in Vorpommern, nämlich in der Starkower Kirche. Quelle: Ines Sommer
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Starkow/Velgast

Bis auf den letzten Platz ist die Starkower Kirche gefüllt. Selbst die eilig herbeigeschafften Stühle ganz hinten haben Abnehmer gefunden, denn alle wollen es sehen – das Konzert des Jahres in der Gemeinde Velgast: Kathy Kelly steht im Kirchenschiff – und sie musiziert nicht allein. Der Velgaster Chor, der im nächsten Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, ist mit von der Partie – und eröffnet das Spektakel.

Gemeinsam mit dem Velgaster Chor gab die ehemalige Frontsängerin der Kelly-Family Sonntag und Montag zwei Konzerte in der Kirche von Starkow (Vorpommern-Rügen) – und das Kirchenschiff bebte. An beiden Abenden kamen 400 Fans.

Velgaster Chor beginnt Konzertabend

Klassiker wie „Eine Handvoll Erde“ oder „Die Rose“ zelebrieren die Sänger, die sich ganz akribisch auf dieses Konzert vorbereitet haben. Mit Disziplin und Ehrgeiz. Monatelang. Herausgekommen ist ein Auftritt, der die Zuschauer begeistert. Nein, da singt nicht irgendein Dorfchor. Da stehen sechs Männer und über 20 Frauen auf der Bühne, die ihr Hobby leben, mit Herz dabei sind und stimmlich etwas zu bieten haben. Und doch bleiben sie bescheiden, kündigen den Hauptact des Abends als Stargast und „Grand Dame“ an. Und das ist Kathy Kelly auch.

Kathy Kelly, die Powerfrau

Denn diese Frau hat eine Wahnsinnsstimme, die eine ganze Kirche zum Beben bringt. Schon nach den ersten Tönen wird die einstige Frontfrau der Kelly-Family bejubelt und beklatscht. Mal versprüht die 55-Jährige karibisches Flair oder lässt spanischen Flamenco aufleben, dann zeigt sie mit irirsch-keltischen Liedern ihre Wurzeln. Sie präsentiert auch Lieder, die sie in den 90ern für die Kellys geschrieben hat. Und sie hat auch den Mega-Kelly-Hit „An Angel“ im Repertoire – in der Übersetzung, die sei damals extra für den spanischen Markt gemacht hat. Doch auch das „Ave Maria“ von Beyonce schmettert Kathy Kelly ins Kirchenschiff, bevor sie mit „Halleluja“ auch leise Töne anschlägt. Sie kann eben nicht nur kräftig und fröhlich beschwingt, sondern auch gefühlvoll und verletzlich.

Kathy Kelly ist eine Powerfrau, gibt auf der Bühne alles. Und das nicht nur mit ihrer starken Stimme, sondern auch mit den Händen. Denn die Frau, die inzwischen im Westerwald wohnt, wechselt nach jedem Titel das Instrument: Akkordeon, Violine, Gitarre. Nur dreimal in zweieinhalb Stunden Konzert greift sie zum Schweißtuch oder trinkt einen Schluck aus der Thermoskanne. „Die Frau ist einfach genial. Wenn sie singt, kriegt man Gänsehaut“, sind sich Sonja Gruse und Brigitte Blodow einig. Für die beiden Frauen ist das Konzert ein Geburtstagsgeschenk. Die Tribseeserinnen, die übrigens auch im Frauenverein der Trebelstadt mitmachen, filmen, tanzen mit und freuen sich über einen wunderschönen Abend.

Besucher begeistert

Der ist auch für Katharina Wörpel super gelungen. „Wir waren so froh, dass wir fürs zweite Konzert noch Karten bekommen haben. Ich war schon immer Kelly-Fan, hab sogar noch die alten Videokassetten mit den ganzen Liedern von damals zu Hause“, sagt die Frau, die aus Klockenhagen nach Starkow rübergehuscht kam. Und auch sie hat ihre Freundin dabei. „Wir sind begeistert, auch von der Kirche, vom Pfarrgarten und der Scheune. Das ist so toll hier, wir haben uns den Veranstaltungskalender mitgenommen und kommen bestimmt wieder“, so Erika Müller aus Graal-Müritz.

Kelly und Chor gemeinsam auf der Bühne

Auch den zweiten Teil des besonderen Konzertes eröffnet der Velgaster Chor und erfreut mit Liebes- und Volkslied, bringt mit „I Will Follow Him“ aber auch ordentlich Schwung in die Bude. Besser kann der Übergang für die Frau mit der Hammerstimme nicht sein. Kathy Kelly, inzwischen in ein anderes Outfit geschlüpft, nimmt die Stimmung mit mehreren Titeln auf und leitet temperamentvoll über zum gemeinsamen Auftritt mit den Velgastern. Und der klingt, als hätten sie gemeinsam schon etliche Male auf der Bühne gestanden. „Wir haben vier Lieder einstudiert, sind gut vorbereitet, naja und Kathy ist Profi. Da passt das dann eben. Wir haben nur einmal ganz kurz geprobt. Das war’s. Ich bin wirklich stolz auf uns“, sagt Chorleiterin Ulrike Pfennig am Montagabend 22.15 Uhr nach dem zweiten Konzert. Und wie schon am Vortrag haben Chor und Sängerin mit „Knockin’ On Heaven’s Door“ zuvor den Saal gerockt.

Die Künstlerin erzählt, dass sie in Zingst den schönsten Strand der Welt gesehen hat. „Ich möchte unbedingt wieder kommen, denn hier es es sehr schön – und so friedlich“, sagt sie. Und natürlich verfehlen diese Liebeserklärungen ihre Wirkung bei den Fans nicht. Doch dem Publikum reicht das nicht – Kathy Kelly wird nach dem Abgang mit viel Beifall zurück geholt. Mit „Guten Abend, gute Nacht“ von Brahms gibt es dann noch mal einen typischen Feuerzeug-Titel zum Abschied. Und als die Kelly schon längst die Kirchenbühne verlassen hat, setzt der schwarz-türkis gekleidete Velgaster Chor noch mal an – so werden die 200 Konzertgäste liebevoll in die Sommernacht verabschiedet.

 Konzert-Häppchen

400 Fans haben die beiden Konzerte mit Velgaster Chor und Kathy Kelly Sonntag und Montag in der ausverkauften Starkower Kirche erlebt.

Die Musikerin schwärmte von Vorpommern, wo sie übrigens zum ersten Mal zu Gast war. Schelmisch fügte sie hinzu: „Ich will unbedingt wieder kommen – zum Fahrradfahren... mit E-Bike.“

Der Velgaster Chor, vor 64 Jahren gegründet, wurde von Pianistin Kerstin Simon begleitet.

2 Techniker hatte Kathy Kelly im Schlepptau, die haben nicht nur gute Arbeit geleistet, sondern hatten auch ein Ohr für die Bitten der Velgaster Sänger. Und sie haben für Licht gesorgt. Denn die Kirche war abends in der Dämmerung mit zart rose Scheinwerfern beleuchtet. Sparsam, aber stimmungsvoll. Elektrisches Licht hätte es in der Kirche eh nicht gegeben.

Klatschen, Schunkeln, Tanzen – das konnte zwei Mitt-Sechziger nicht anmachen. Sie blieben bis 22.15 Uhr völlig emotions- und bewegungslos sitzen, wahrscheinlich waren sie „nur“ als Kraftfahrer angeheuert – und freuten sich schon aufs Kolonne-Fahren auf der B 105...

Seit 2008 geht Kathy Kelly, 1963 in den USA geboren, mit dem Pianisten Andy Recktenwald auf Solo-Tour. Er war in Starkow dabei – und stand für einige Augenblicke im Mittelpunkt. Und das wegen Adelheid Tuve. Die gerade in den Ruhestand verabschiedete Velgaster Pastorin, die auch im Chor singt, war verzaubert und schenkte ihm Blumen.

Sommer Ines

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