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Bildergalerien Kein Haus, kein Strom, nur Natur
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07:00 19.07.2018
Joachim Adelmann (49) aus Zwickau bastelt mit den Pfadfindern aus Weidensträuchern Flöten.
Joachim Adelmann (49) aus Zwickau bastelt mit den Pfadfindern aus Weidensträuchern Flöten. Quelle: Mathias Otto
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Drigge

Ein großes Team hat sein Lager in diesen Tagen im Süden der Insel Rügen bei Drigge aufgeschlagen. 700 Pfadfinder vom Verband Royal Rangers aus den östlichen Bundesländern leben hier bis Sonntag in Zelten, sogenannten Kothen und Jurten. Viele Workshops wie Bleistiftherstellung, Holzanhänger herstellen, Weidenpfeifen bauen oder Löffel schnitzen stehen auf dem Programm. Die Natur steht dabei im Vordergrund. Es gibt keinen Strom – die Teilnehmer lernen, die ihnen gegeben Ressourcen kennenzulernen und damit umzugehen.

700 Pfadfinder haben derzeit bei Drigge ihre Zelte aufgeschlagen. Sie lernen vor allem eines: Verantwortung zu übernehmen.

„Vor allem geht es in diesem Camp um Zusammenhalt und dass die Kinder und Jugendlichen lernen, Verantwortung zu übernehmen und natürlich um ganz viel Spaß“, erklärt Destriktleiter Volker Kruse. Der 50-Jährige hat bei den Pfadfindern aber einen anderen Namen: „Papa Bär“. So nennen ihn auch die beiden Torposten Boas (10) und Dean (11) aus Chemnitz. Für wenige Stunden haben sie die Verantwortung am Eingang. Die Jungs gucken auf die grünen Armbänder, die an die Teilnehmer verteilt wurden. Nur damit dürfen sie aufs Gelände, das ihnen der Rügener Schäfer Reinhard Martin zur Verfügung gestellt hat. Gäste ohne Band müssen warten.Die Jungs geben die Namen per Walkie-Talkie ins Büro-Zelt durch. Einer der 14 Scouts kümmert sich sofort freundlich um die Gäste, führt sie zu den Verantwortlichen und bietet ihnen Kaffee an. „Unsere Scouts haben eine besondere Funktion. Sie sind Verantwortungsträger oder kümmern sich im Camp um wichtige Sachen, die geklärt werden müssen“, so Kruse. Meist sind es Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr, die später einmal selbst eine Gruppe leiten wollen. In Camps wie diesen können sie sich als Führungspersonen beweisen.

„Sie befolgen wie alle anderen Mitglieder der Royal Rangers unsere goldene Regel: ,Alles, was ihr für euch von den Menschen erwartet, das tut ihnen auch’“, sagt Volker Kruse. Diese Regel fängt schon damit an, wie mit dem bereitgestellten Gelände umgegangen wird. „Man sieht, dass hier kein Papier oder sonstiger Müll herumliegt. Außerdem grillen wir auf sogenannten Grilltischen, damit kein verbranntes Gras hinterlassen wird. Unsere Tugend: ,Hinterlasse den Platz besser, als du ihn vorgefunden hast.’ Pfadfinder sind Naturschützer“, sagt Volker Kruse. Die Mädchen und Jungen sollen somit lernen, die Umwelt zu schützen und mit den ihnen gegebenen Ressourcen umzugehen. Das heißt auch, dass etwa keine Nägel in Bäume geschlagen werden. „Wir nutzen Seile aus Pflanzenfasern, um die Zelte oder Sitzgruppen und unseren Duschbereich zu befestigen“, sagt er.Der Tag ist strukturiert. Morgens um sieben Uhr treffen sich die Leiter der teilnehmenden Bundesländer, um sich über Themen wie Wetter, Brandschutz und die anstehenden Workshops auszutauschen. Danach werden die Kinder geweckt. Von einem Stralsunder Catering-Anbieter bekommen sie dreimal pro Tag frische Lebensmittel. „Morgens Frühstück, mittags werden Brote mit Wurst und Käse geschmiert und abends bereiten sich die Teilnehmer ihr Essen selbst über offener Flamme zu“, erklärt Kruse den Tagesablauf.

Auch der Spaß steht im Vordergrund bei den Ferienkindern. Zwischendurch werden Workshops angeboten. Wie bei Joachim Adelmann (49) aus Zwickau, der den Mädchen und Jungen die Schnitzkunst beibringt. Flöten aus Weidensträuchern werden bei dem Mann hergestellt. Im Berliner Bereich können die Jugendlichen einen Turm aus kleinen Holzstücken bauen. Der Rekord liegt bei 38, erklärt ein Leiter. Nomei und Yacine (beide 14) aus Berlin haben es fast geschafft. Kurz unterhalb dieser Marke stürzt ihr Turm. Zur Belohnung gibt es trotzdem einen Preis: Süßigkeiten. „Am Donnerstag steht eines der Höhepunkte auf dem Programm. Jedes Bundesland kann sich an der Regatta beteiligen, bei der nur Schiffe aus Naturmaterialien hergestellt werden dürfen – ein Spaß für alle Beteiligten“, sagt Volker Kruse.

Otto Mathias

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