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Bildergalerien Kunsthalle Rostock zeigt Fotos von Gerry Johansson
Mehr Bilder Bildergalerien Kunsthalle Rostock zeigt Fotos von Gerry Johansson
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17:43 18.01.2018
Hat den Kubus in der Kunsthalle in Schwarz-Weiß gestaltet: Die Künstlerin Christine Rusche
Hat den Kubus in der Kunsthalle in Schwarz-Weiß gestaltet: Die Künstlerin Christine Rusche Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Wenn man in Christine Rusches Kunstwerk steht, hat man das Gefühl von Rotation und Bewegung: Mit schwarz-weißen Flächen und Linien hat sie Wände und Boden des White Cube der Kunsthalle - einen quadratischen Raum mit hohen Decken und Glasdach - in ein begehbares Kunstwerk verwandelt. Raum-Zeichnungen nennt sie ihre Arbeiten, mit denen sie temporäre Orte erschafft, bei denen die Grenze zwischen realer Raumarchitektur und imaginärem Raum verschwimmen. 

Bis zum 25. Februar beziehungsweise 22. April werden in der Rostocker Kunsthalle Bilder des schwedischen Fotografen sowie eine Raum-Zeichnung der Berlinerin Christine Rusche gezeigt.

Die Kunsthalle Rostock (Hamburger Straße 40, 18069 Rostock) ist von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 11 bis 18 Uhr geöffnet, montags ist geschlossen.

Der Fotograf Gerry Johansson zeigt die Ausstellung „Deutschland/Schweden“ ebenfalls in der Kunsthalle Rostock, zu sehen ist sie bis zum 25. Februar.

Die Ausstellung „Soundings“ von Christine Rusche ist noch bis zum 22. April in der Rostocker Kunsthalle zu sehen.

Vorwiegend intuitiv entwickelt die Kühlungsborner Künstlerin, die in Berlin lebt und arbeitet, ihre fiktive Raumstruktur. Grundlage dafür sind sichtbare wie unsichtbare Faktoren. „Ich reagiere auf den Raum, dabei spielen beispielsweise Dinge wie Licht oder Akustik eine Rolle“, sagt Rusche. „Am White Cube hat mich der quadratische Grundriss gereizt, aber auch, dass sich die Schatten der Sonne in einer Art Kreisbewegung durch den Raum bewegen.“ 

Bei ihren Raum-Zeichnungen arbeitet Rusche unter anderem mit selbst gezeichneten Skizzen und Fotografien des Raumes. Mithilfe von Koordinaten, ähnlich wie bei einer Landkarte, werden die Linien auf Wände und Boden des jeweiligen Kunstortes übertragen. 

„Je nachdem, wie es sich anfühlt, kann sich das im Raum auch noch mal ändern“, sagt Rusche. Zwei Gerüste, drei Leitern und drei weitere Helfer seien nötig gewesen, um ihre Arbeit auf die rund sieben Meter hohen Wände der Kunsthalle aufzubringen. „Es gibt keinen Punkt, an dem man die Übersicht über die gesamte Arbeit hat“, beschreibt sie das Gefühl als Betrachter. „Man steht mitten drin. Mit jeder Bewegung setzt sich auch das Bild neu zusammen.“ 

In wesentlich kleineren Dimensionen arbeitet der schwedische Fotograf Gerry Johansson, dessen aktuelle Schau ebenfalls in der Kunsthalle zu sehen ist. Dazu gehören rund 150 Fotografien, die in Deutschland und Schweden entstanden sind. Seit mehreren Jahrzehnten durchstreift er Länder und Metropolen und fängt mit seiner analogen Mittelformatkamera verlassen wirkende, menschenleere Orte ein. 

Seine Motive findet er oft in der Peripherie. „Ich fahre zu Plätzen, schaue sie mir an und versuche herauszufinden, was sie repräsentieren“, sagt Johansson, der als Ikone der minimalistischen SchwarzWeiß-Fotografie gilt. Oft sind es vertikale oder horizontale Begebenheiten in Natur oder Architektur, die eine gewisse Symmetrie auf seinen Bildern herstellen. „Ich nutze die Form, um Dinge in den Fokus zu rücken, die den Menschen sonst nicht aufgefallen wären“, sagt er. Verlassene Gebäude, verlassene Natur - oft haben seine Bilder etwas melancholisches, hin und wieder findet man aber auch ein sehr feine Art von Humor. Seine Bilder sind bescheiden und still, wie der Künstler selbst - und dennoch eindringlich und ausdrucksstark. 

Auch das kleine Format hat der schwedische Künstler bewusst gewählt. Es drückt Intimität aus und nötigt den Betrachter heranzutreten und genau hinzuschauen. Denn: Johanssons Arbeiten lassen sich nicht konsumieren: Sie erfordern ein Sich-Einlassen - der Betrachter muss Stimmungen erfühlen. Das haben seine Arbeiten mit der Arbeit von Christine Rusche gemein: „Dass der Besucher in der Arbeit steht, ist eine ganz besondere Konstellation, die ihn einlädt, sich damit auseinanderzusetzen“, sagt sie. „Der Ausstellungstitel ’Soundings’ kommt aus der Nautic und bedeutet so viel wie Peilung, Verortung. Damit spielt er nicht nur auf die Verortung im Raum, sondern letztlich auch im Leben an.“ Die Ausstellungen Die Ausstellung 

Stefanie Büssing