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Bildergalerien Nachwuchs in der Falken-WG von St.Marien
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05:49 23.06.2018
An der Greifswalder Kirche St. Marien können seit 2012 Wanderfalken beobachtet werden. Hier das Jungtier „Berka“ aus dem Jahr 2017. Bild 1 zeigt sie im Alter von zwei Wochen, Bild 2 kurz nach dem flügge werden. Quelle: Danny Eichhorn
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Greifswald

Man muss schon ganz genau hinsehen. Hat man sie aber erst einmal entdeckt, kann man den Blick nur schwer wieder vom „Vogelkindergarten“ abwenden. Auf der Ostseite des wuchtigen Turms von St. Marien sind derzeit drei junge Turmfalken dabei, ihre ersten Flugübungen zu machen. Die rötlich gefärbten Elterntiere sitzen entspannt auf dem Sims neben dem Nistkasten und schauen zu. „Die Marienkirche bietet ideale Bedingungen“, erzählt Danny Eichhorn. „Nicht nur für die Turmfalken, die hier seit Jahrzehnten erfolgreich Brüten. Auf der benachbarten Seite des Turmes nistet auch das einzige Paar Wanderfalken der Stadt.“ Der Ökologe beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Falken Greifswalds, seine Masterarbeit hat er über die Nahrungszusammensetzung der Tiere geschrieben. Die Wanderfalken gehören zu den am strengsten geschützten Arten überhaupt, noch in den 60er Jahren habe es keine Wanderfalken mehr in Mecklenburg-Vorpommern gegeben. Insektenvernichtungsmittel wie DDT hatten zur Unfruchtbarkeit der Tiere geführt. Diese Zeiten sind in Greifswald glücklicherweise vorbei, bei den Wanderfalken gibt es seit 2016 regelmäßig Nachwuchs.

Die alte Kirche in der Brüggstraße dient gleich zwei Falkenarten als Brutplatz. Auch 2018 hat sich bei den Wanderfalken Nachwuchs eingestellt. Und das, obwohl ein neuer Partner im Spiel ist.

Beobachtungstipp: In den Morgenstunden lassen sich derzeit vor allem an der Nordseite St. Mariens mit etwas Glück die Wanderfalken sehen. An der Ostfassade sind von April bis Oktober die kleineren Turmfalken zu Hause. Fernglas mitbringen!

Der Wanderfalkennachwuchs 2018 heißt Camino

Danny Eichhorn schlägt in seinem Falkentagebuch nach, in dem alle Vorkommnisse rund um die Falken-WG von St. Marien penibel notiert sind. „Dieses Jahr sind leider bei den Wanderfalken drei Eier im Nest zerbrochen. Am 5. Mai aber ist ein Junges geschlüpft“, erzählt der 38-Jährige. „Wir haben es auf den Namen Camino getauft.“ Mittlerweile hat Camino den Wanderfalken-Nistkasten direkt unter dem Ziffernblatt auf der Nordseite des Kirchturms verlassen und hält sich vor allem in Bäumen oder auf den Fassadenelementen und Türmchen der Kirche auf. „Gefüttert wird er noch“, sagt Eichhorn. „Vor allem morgens gibt es immer großes Hallo, wenn die Eltern mit Futter zurückkommen.“ Wie in jeder WG gibt es auch bei den Turm- und Wanderfalken manchmal kleine Reibereien. „Ich habe schon beobachtet, wie ein Wanderfalke einen Turmfalken gejagt hat“ berichtet Eichhorn. Doch es blieb bei einer Drohung, nach wenigen hundert Metern sei der Verfolger abgedreht. „Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt, er hätte den Turmfalken locker bekommen“, ist sich Eichhorn sicher. „Aber es scheint, als ob sie sich als Mitbewohner akzeptiert haben. Nur wenn die Turmfalken zu aufdringlich werden, werden sie mal weggescheucht.“

Wanderfalkenmännchen bei Revierkampf verletzt

Sogar sie Sanierungsarbeiten an der Kirche haben sowohl Turm- als auch Wanderfalken stoisch über sich ergehen lassen. „2016 war das Jahr mit den größten Bauaktivitäten“, erinnert sich der Ökologe. „Und ausgerechnet dann haben wir den ersten Bruterfolg unseres Wanderfalkenpaares Dagny und Raiko erleben können. Das war der erste registrierte Bruterfolg in Greifswald überhaupt.“ Auch die Turmfalken ließen sich nicht vom Brutgeschäft abbringen. „Die sind sogar hinter die Gerüstverkleidung geflogen. Die Bauarbeiter konnten sie beim Brüten beobachten“ Nicht immer allerdings läuft alles glatt, die Natur bleibt unberechenbar. „Im April 2017 hat sich Raiko mit einem anderen Wanderfalken einen Revierkampf geliefert und sich dabei schwer verletzt“, erzählt Eichhorn. „Davon hat er sich trotz guter Pflege im Tierpark nicht mehr erholt.“ Das Weibchen Dagny habe es geschafft, das Junge allein durchzubringen. „Das andere Männchen wurde von ihr verjagt. Sie hat ja auf ihren Raiko gewartet. Ich glaube schon, dass man das so sagen kann.“

Tarek eroberte dann doch das Herz von Dagny

Der „Neue“ wurde auf den Namen Tarek getauft und zeigte sich als ausgesprochen hartnäckiger Verehrer. Er gab nicht auf und schaffte es schließlich Schritt für Schritt das Vertrauen des Weibchens zu gewinnen – Das diesjährige Wanderfalkenjunge Camino ist das Ergebnis seiner Mühen. „Wenn nicht der Mensch hier eingreift, bin ich optimistisch, dass dieser Brutstandort der Wanderfalken noch lange erhalten bleibt“, sagt er. „Die Kirche bietet alles. Nistkästen, einen hohen Aussichtspunkt und auch ein gutes Nahrungsangebot.“ Aber auch an anderen Ecken der Stadt kann man Mitglieder der Falken-WG treffen. „Wanderfalke Dagny zum Beispiel hält sich auch gerne am Dom auf und jagt vor dort aus“, erzählt Eichhorn. „Aber ihre Basis ist St. Marien.“ Ob er sich auch mal Sorgen um die Tiere macht, wenn er sie nicht antrifft? Eichhorn überlegt. „Nur zu Silvester. Da mache ich mir immer Gedanken, ob nicht doch ein Feuerwerkskörper einen der Falken erwischt“, so der Experte. „Aber bei Wetterkapriolen oder Schneesturm bleibe ich entspannt. Dann wissen sich die Falken schon zu helfen. Sie wechseln ihren Aufenthaltsort einfach zu der Seite des Kirchturms, die windabgewandt ist und verstecken sich zum Beispiel in den Rundfenstern.“

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