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Bildergalerien Smarte Schiffskabinen werden zu Hotelzimmern
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05:36 01.09.2018
Die Schiffskabinen werden von außen ins Hotel hineingeschoben und -gezogen. Dafür werden sie auf eine Plattform gestellt, die dann mit einem Kran an die richtige Position gehoben wird. Quelle: Kerstin Schröder
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Wismar

„Nummer 63 kommt.“ Sina Krämer kündigt Zimmer-Nachschub für das neue Werfthotel in Wismar an und schaut hoch zu einem Kran: An dem hängt gerade Unterkunft 63. Die wird wie eine Wabe von außen ins Gebäude geschoben – und das in einem ziemlich rasanten Tempo: Gerade einmal 20 Minuten dauert das Einsetzen eines solchen „Zimmers“. Mit Anlieferung etwa eine Stunde.

Das Richtfest für das neue Werfthotel steht bevor. Die Unterkünfte sind sprachgesteuert und werden in Wismar gebaut.

Gebaut werden die ungewöhnlichen Hotelunterkünfte ebenfalls in Wismar – bei der MV Werften Fertigmodule GmbH. Für die arbeitet auch Sina Krämer. Obwohl sie keinerlei Erfahrung im Hotelbau hat, wirkt sie wie eine erfahrene Bauleiterin. Und bislang hat die gelernte Hotelkauffrau alles gut im Griff: Am 10. September soll Richtfest gefeiert werden. Danach ist die Projektleiterin dann für die Einrichtung der Zimmer zuständig. „Ich muss die Möbel bestellen, die Elektrik, mich mit den Zulieferern abstimmen und um die Dekoration kümmern“, erzählt sie.

Offiziell handelt es sich bei den Hotelunterkünften um Module. Denn das Schwesterunternehmen von MV Werften will nicht nur im Schiffbau Fuß fassen, sondern auf Baustellen in ganz Deutschland. „Mit den Modulen lassen sich auch Kitas, Schulen und Sportstätten bauen und je nach Bedarf ganz unkompliziert vergrößern“, erklären die Geschäftsführer Johannes Gößler und Volker Asmus.

Für ihre Mitarbeiter ist der Hotelbau eine Art Abschlusstraining: Denn im kommenden Jahr müssen die Kabinenbauer Tausende Module abliefern – für das nach Passagierzahl (bis zu 9500) größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Das wird in Wismar gebaut – genau wie das Werfthotel und die Schiffskabinen. Alles gehört zu MV Werften und damit zum malaysischen Genting-Konzern. Der hat die Werftstandorte Wismar, Rostock und Stralsund gekauft und kräftig in den Bau von Kreuzfahrtschiffen investiert. Doch mit der maritimen Branche wollen sich die Geschäftsführer der Fertigmodule GmbH nicht zufriedengeben. Sie suchen nach weiteren Geschäftsfeldern. Und Johannes Gößler ist sicher: „Das ist ein Riesenmarkt.“

74 Module, die an einem Riesenfließband gefertigt werden, kommen ins neue Werfthotel. Der Rest der Zimmer sind Aufbaukabinen, die vor Ort zusammengebaut werden. „So können wir üben, was wir später auf den Schiffen machen müssen“, erklärt Johannes Gößler. Zehn Kabinen sind behinderten gerecht und eine weitere ist für Rollstuhlfahrer geeignet. Um die 15 seiner Mitarbeiter packen beim Zimmereinbau im Hotel mit an.

Die fertigen Module liefert ein Lkw. Der braucht nur etwa zehn Minuten von der Lagerhalle bis zum Hotel und hat jeweils zwei Kabinen an Bord. Wie die von innen aussehen, ist auf der Lkw-Plane zu sehen und zu lesen. Das Mega-Kabinenfoto und der Schriftzug „Hier fährt ein Wohnmodul“ fallen auf. Auch der Einbau der drei Tonnen schweren Kabine selbst zieht viele Neugierige an. „So was habe ich noch nie gesehen“, sagt Bernd Kadanier beeindruckt. Der Urlauber aus der Schweiz schaut zu, wie ein Modul auf einer Plattform vor das Obergeschoss gehoben wird und es dann auf seinen Platz „flutscht“. Mit Rädern und Seilen wird das Hotelzimmer nach innen gezogen.

Das Hotel selbst steht auf mehr als 100 Pfählen. Die Fassade besteht aus Kalksandstein. Da sie erst später geschlossen wird und so Feuchtigkeit eindringen könnte, sind die Kabinen noch nicht möbliert. Nur Nasszellen sowie die Anschlüsse für Leitungen und Rohre sind vorhanden. „Bei den Schiffen ist das nachher anders“, erklärt Johannes Gößler. Doch eines ist im Hotel und auf den Kreuzfahrtschiffen gleich: Die Kabinen made in Wismar sind smart. Sie haben eine digitale Sprachsteuerung und verstehen so die Wünsche ihrer Bewohner. Die Passagiere können mit ihren Stimmen zum Beispiel Fernseher, Licht und Musik steuern. Entwickelt hat die Neuheit im Kabinenbau die MV Werften Fertigmodule GmbH in Kooperation mit der Firma Voltus.

Einer der Geschäftsführer des neuen Hotels ist Oliver Behrendt. Wie er berichtet, sind viele Firmen aus der Region am Bau beteiligt worden. Die Eröffnung sei im zweiten Quartal 2019 geplant – inklusive eines eigenen Parkplatzes mit rund 80 Stellflächen. „Im Erdgeschoss soll es unter anderem auch eine Gaststätte geben“, ergänzt Behrendt. Außerdem gibt es eine Gewerbeeinheit, die verpachtet werden soll. Personal für das Hotel wird bereits gesucht. Zwischen 20 bis 30 Mitarbeiter für Service, Empfangsbereich, Hauskeeping und Küche werden benötigt.

Schröder Kerstin

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