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Bildergalerien Verborgene Schätze auf dem Friedhof
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08:25 23.03.2018
Sabine und Volker Weiße folgten der Einladung des Rotary Clubs Rügen, der zur großen Aufräumaktion auf dem Neuenkirchener Firedhof eingeladen hatte. Auch ihr Enkel, der siebenjährige Arthur packt mit an, um die Grabsteine vom wuchernden Efeu zu befreien. Quelle: Anne Ziebarth
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Neuenkirchen

„Hier, das ist ein ganz alter mit einem Schmetterling“, ruft Elisabeth Lassen begeistert aus. Und tatsächlich: unter einer dicken Efeuschicht verbirgt sich der Grabstein eines gewissen Johann Joachim Schwantz aus dem Jahr 1850. Elisabeth Lassen ist Vorsitzende des Inner Wheel Clubs auf Rügen. Gemeinsam mit ihrem „Kollegen“ von den Rügener Rotariern hat sie rund fünfzehn Menschen zusammengetrommelt, die auf dem Friedhof Neuenkirchen das dichte Buschwerk zurückschneiden und so alte Gräber wieder sicht- und erlebbar machen. „Vor zwei Jahren haben wir den ersten Arbeitseinsatz auf dem Friedhof gestartet, damals war hier alles komplett zugewachsen“, erinnert sich die 64-Jährige. „Aber seitdem hat sich das Efeu schon wieder große Teile des Friedhofes zurückgeholt.“ Auch der Blick, den man von der auf einem Hügel thronenden Kirchhof über die weite Landschaft Westrügens hat, sei durch das Gestrüpp kaum noch sichbar gewesen.

Ehrenamtler befreien den Friedhof Neuenkirchen vom Bewuchs und entdecken alte Grabsteine.

Geschichte Rügens für die Nachwelt erhalten

Auch Sabine und Volker Weiße und ihr Enkel Arthur (7) packen an diesem sonnigen Nachmittag mit an. „Wir sind Rüganer und haben natürlich Interesse das kulturelle Erbe der Insel zu sichen und wieder sichtbar zu machen“, meint Volker Weiße. Seine Frau nickt bekräftigend.„Außerdem ist es auch spannend zu sehen, welche Geschichten sich hinter den Grabsteinen verbergen“, ergänzt sie. Auf dem Gelände rund um die Kirche seien aussergewöhnlich schöne Grabsteine zu finden. „Der Friedhof verfügt über rund 200 Gräber, viele davon aus dem 19. Jahrhundert“, erläutert Pastor Martin Holz. „Vor allem alte Handwerkerfamilien aus der Region und Schutenschiffer sind hier begraben.“

Symbole zieren die meisten Grabsteine aus alter Zeit

Im Gegensatz zu den heute modernen schlicht gehaltenen Steinen, sind die Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert sehr aufwändig gestaltet. Steinmetze hinterließen nicht nur kunstvolle Sinnsprüche im Material, auch Bilder sind zu erkennen. „Einige der Steine erzählen richtige Geschichten und sind mit christlichen Symbolen ausgestattet“, so Lassen, die große Freude daran hat, deren Bedeutung der Zeichen zu entschlüsseln. „Das Auge Gottes zum Beispiel ist das Sinnbild für die Allgegenwart Gottes. Der Anker steht als Symbol für den festen Halt der Seele im Glauben.“Auch der Bedeutung des Schmetterlings auf dem Grabstein des Johann Joachim Schwantz konnte Lassen deuten. „Ein Schmetterling wird als Zeichen für die Metamorphose, also in diesem Fall die Auferstehung nach dem Tod, verwendet“, berichtet sie. Mitunter gerät die Aufräumaktion auf dem Neuenkirchener Friedhof sogar zur Spurensuche in der eigenen Geschichte. Heidelore Malaschnitschenko aus dem nahegelegenen Breetz ist eine geborene Brüdgam, ein Name, der auf vielen Grabsteinen auftaucht. „Die Familie Brüdgam ist soweit ich weiß seit sieben Generationen hier ansässig“, beschreibt sie. „Gut möglich, dass es sich bei einigen Stätten hier um die Gräber von Verwandten handelt.“

Das einzelne Wort „Wiedersehen“ prangt auf dem Kopf eines Grabsteines

Bei allem Arbeitseifer birgt der Einsatz der Helfer auf dem Friedhof auch nachdenkliche Momente. „Bei den Inschriften fällt einem immer wieder auf, wie hoffnungsvoll die Menschen einem Weiterleben nach dem Tod entegehensahen“, beschreibt Elisabeth Lassen. Der Text auf dem Grabstein von Christian Friedrich Abshagen rührt sie besonders. „Die Liebe kann nicht enden, sie lebt unsterblich fort. Die hier sich von uns wenden, die lieben uns noch dort“, steht dort geschrieben. Ein anderer, umgestürzter, Grabstein, den die Helfer von Erde und Dreck befreien, macht das noch deutlicher. Das einzelne Wort „Wiedersehen“ prangt dort auf dem Kopf des Grabsteines.

Diebe machen auch vor dem Friedhof nicht Halt

Am Ende des Arbeitstages türmen sich die Stapel mit Gestrüpp und Efeuranken an der Straße, die Agrarproduktion Neuenkirchen kümmert sich um das Recycling. „Die Bereitschaft das Projekt zu unterstützen war allegemein sehr hoch“, freut sich Lassen. „Und vielleicht können wir die Inschriften der Grabsteine, die wir alle auch fotografisch dokumentiert haben, ja auch noch in einer Dokumentation veröffentlichen.“ Auch Pastor Holz schaut sichtlich zufrieden über den Friedhof. „In den vergangenen Jahren sind uns fünf Mal gußeiserne Umgrenzungen vom Friedhof gestohlen worden, zuletzt im Januar. Das ist schon bitter“, sagt Pastor Martin Holz. „Es ist daher besonders schön zu sehen, dass es Menschen gibt, die soviel positive Energie mitbringen und helfen, dieses Kleinod wieder herzustellen.“

Ziebarth Anne Friederike

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