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Bildergalerien Wismars vergessener Müther-Bau
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08:54 19.09.2018
Wismars vergessener Müther-Bau: Von außen bietet die „Alte Mensa“ keinen schönen Anblick mehr. Quelle: Nicole Hollatz
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Wismar

Müll, Unkraut, kaputte Treppen, eingeschlagene Scheiben – von außen sieht die „Alte Mensa“ an der Käthe-Kollwitz-Promenade nicht einladend aus. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen – so wie viele Ecken dort. Der nahe gelegene Supermarkt ist eine Ruine und ein Tummelplatz für Ratten, die Freiflächen zwischen dem Einkaufszentrum und den Wohnblocks sind vermüllt.

Wie geht es mit der alten Mensa weiter? Architekten aus der Stadt möchten das Gebäude wieder mit Leben füllen.

„Wir kämpfen fast täglich mit den Folgen von Vandalismus“, berichtet Sven Böttcher, Geschäftsführer der GmbH, der die Mensa gehört. Die GmbH versucht, das Gebäude am Leben zu erhalten, vermietet trotz des wenig einladenden Äußeren die Räume für Familienfeiern oder organisiert selbst Partys. Das Geld, um das riesige Areal aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, fehlt jedoch. Genauso fehlt das Bewusstsein der Menschen – Entscheidungsträger wie Anwohner – dafür, dass sie einen echten Schatz vor der Haustür haben. Einen Müther-Bau, den man unbedingt erhalten sollte.

Das Bewusstsein dafür will die Architektenkammergruppe Wismar wecken und lud Anwohner, ehemalige Nutzer und natürlich Fachleute zum Aktionstag in die Mensa. Ulrike Willert von der Kammergruppe: „Die Mensa ist 1972 entstanden als eine Schirmschalenkonstruktion.“ 1975 war der Gesamtbau fertig. Sieben solcher „Schirmschalen“ – jeweils zirka 13 mal 14 Meter groß – bilden das Dach. Statt Säulen als bautechnisch notwendige Träger sind die „Pilze“ Teil der Architektur und geben dem Raum sein Gesicht. Sven Böttcher setzt sie gerne mit entsprechendem Licht in Szene und lässt die Partygäste so staunen, wie atmosphärisch die Räume wirken können. Von außen ist keiner der Schirme sichtbar, außer als Trichter aus der Vogelperspektive, die Fenster sind von innen „verkleidet“. So fällt das architektonische Kleinod nur Insidern auf. Anders ist es beim Teepott in Rostock-Warnemünde oder der Sassnitzer Kurmuschel.

Ulrich Müther war ein Bauingenieur, der gerne experimentiert hat“, erklärt Ulrike Willert. Zu damaliger Zeit waren seine Konstruktionen technisch und auch aus architektonischer Sicht bahnbrechend innovativ. „Die Schalen überspannen eine sehr große Fläche ohne Stützen“, erklärt Prof. Matthias Ludwig, Leiter des Wismarer Müther-Archivs an der Hochschule. Diese „Hyparschalen“, so der Fachbegriff, sind am Wismarer Beispiel gerade mal sechs Zentimeter dick. „Zu DDR-Zeiten war Zement rar und teuer“, erklärt Ludwig. „Für die Zeit wurde sehr hochwertig gestaltet“, macht Ulrike Willert auf die noch erhaltene Kunst am Bau, auf Wasserspiele und ehemals begrünte Dachflächen aufmerksam. Unverwüstlicher Terrazzo- und Travertinböden zeigen, mit welcher Weitsicht damals gebaut wurde.

„Es hat sich sehr viel verändert“, sagt Thea Klüdtke (86), die mit Edeltraut Wiechmann (86) gerne die alte Arbeitsstätte besuchte. „Ich bin das erste Mal seit 1990 wieder in den Räumen“, erzählt Edeltraut Wiechmann und berichtete von den beliebten Studentenfeiern im Mensakeller. Das ist lange her. „Die Jugend feiert nun anders“, weiß Sven Böttcher.

Von den 5500 Quadratmetern Gebäudefläche wird derzeit nur ein Teil für Veranstaltungen genutzt, darunter der 800 Quadratmeter große ehemalige Mensasaal. „Der Rest steht leer“, sagt Böttcher und wünscht sich neben den Ideen auch Unterstützung seitens der Stadt bei der Entwicklung des ganzen Areals und beim Erhalt ihres Müther-Baus. Immerhin wurden in den vergangenen Jahrzehnten gut 30 Müther-Werke abgerissen.

„Das Objekt hat so viel Potential, auch wenn es von außen so traurig aussieht“, sagt Ulrike Willert. Ein Kommunikationsort für das ganze Wohnumfeld, eine Möbeltauschbörse, ein Waschsalon, ein Jugendkulturzentrum, ein Architektur- oder Müthermuseum, eine Milchbar wie früher, eine Minigolfanlage unter frei gestellten Müther-Schalen, Schwimmhalle, Spielplatz oder Kulturzentrum beispielsweise – Ideen, wie die „Alte Mensa“ wiederbelebt und damit dauerhaft gesichert werden könne, gab es zur Genüge beim Aktionstag.

Dazu die zwischen den Schirmschalen schwebende Frage: Gibt es überhaupt Interesse daran, das Gebäude wieder zu beleben? „Das ganze Quartier ist eine städtebauliche Aufgabe“, meint Landschaftsarchitektin Lysann Schmidt.

Hollatz Nicole

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