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Deine Tierwelt Ein dramatisches Jahr für Igelbabys
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00:00 04.09.2018
Kirch Baggendorf

Alfred ist der Dickste. Anni mit gerade einmal 55 Gramm hingegen die Zarteste. Und Reni ist ständig auf Achse und hat kaum Zeit zum Fressen. Im Hause Uecker in Kirch Baggendorf geht es seit Mitte August wieder turbulent zu. 15 Igelkinder und eine blinde Erwachsene Igelin leben zurzeit bei Christine Uecker.

Christine Uecker kümmert sich um 15 Waisen – Im Vorjahr waren es 45.

Es sei ein dramatisch schlechtes Jahr für die kleinen stacheligen Säuger, sagt sie: „Vor einem Jahr hatte ich Ende August 45 Babys.“ Diese Zahl lässt vermuten, dass in dem extrem warmen Sommer sehr viel weniger Igel geboren wurden. Christine Uecker fand beispielsweise vollkommen entwickelte, aber auch vertrocknete Meisen in ihren Nestern. „Es war so trocken, dass die Maulwürfe aus der Erde krochen und aus den Trinkgefäßen der Igel tranken.“ Ein eindeutiges Zeichen.

Nun hat sie mehr Zeit und kann noch mehr Liebe an die 15 kleinen Fundkinder investieren. In den ersten beiden Wochen, wenn die Kleinen nur etwa 70 Gramm wiegen, sei das besonders hart. Alle zwei bis drei Stunden füttert die Besitzerin der „Igelkiste“ sie mit einem Mix aus Fencheltee und Welpenmilch. In der Nacht erinnert ihr Wecker sie schonungslos an ihre selbst gewählte Aufgabe. Dann eilt die 59-Jährige aus dem Bett in die Küche, denn dort schlafen die hungrigen Mäulchen in einer Katzenbox. Tagsüber, wenn es in der Küche zu laut wird, ziehen sie mitsamt der Box ins Bad um.

Ihr Schlafplatz: Christine Uecker hat sich für sie etwas besonders kuscheliges ausgedacht. In alten, zerschredderten Werbeprospekten der OSTSEE-ZEITUNG und Laub kuscheln sich die Findlinge ein. „Das raschelt schön und ich möchte bei ihnen das Gefühl wecken, dass es gemütlich wird, wenn es raschelt und sie sich später in der Natur ihr eigenes Bett bauen.“ Nur wer im Oktober noch keine 600

Gramm wiegt, überwintert im extra gebauten Gartenhäuschen auf dem Hof. Für die anderen sucht die Igel-Mama tierliebe Familien, die dem Tierchen ein gutes Zuhause auf dem heimischen Hof bieten möchten. Igel seien sehr treue Tiere. Im Sommer gehen sie zwar auf Wanderschaft und kümmern sich um die Paarung, aber im Herbst kehren sie immer wieder dorthin zurück, wo es ihnen im Vorjahr gut ging.

Etwa acht Jahre kann ein Igel leben. „Er hat ein Navi im Kopf und weiß genau, wo ein Hund lebt, vor dem er sich in Acht nehmen muss oder wo ein Teich die Gefahr des Ertrinkens birgt.“ Die nächsten Verwandten der schlauen Kerlchen sind die Maulwürfe und Wühlmäuse. Seit 65 Millionen Jahren gibt es sie auf der Erde, seit 15 Millionen Jahren hat sich ihr Aussehen nicht verändert. Ein Zeichen, dass sie schon früh sehr gut an das Leben auf der Erde angepasst sind.

Dieses Wissen trägt Christine Uecker in Kindergärten, Schulen und auch Seniorenheime. Ihr Lohn: Futterspenden, denn die „Igelkiste“ finanziert sich über Spenden und die grenzenlose Tierliebe der Familie Uecker.

Nachdem sie die Kleinen mit einer Spritze fütterte, tupft sie die Pfleglinge mit einem Babytuch ab. Und dann wird es gemütlich. Christine Uecker tropft Öl auf den vollgefressenen Igelbauch und massiert ihn. „Das mögen sie nicht nur, das ist sehr, sehr wichtig, damit die Verdauung angeregt wird.“ Findet jemand Igelkinder, die hochfrequent wie ein Feuermelder fiepsen, sollten sie sie zu Christine Uecker bringen. Sie betreut den gesamten Landkreis. „Viele versuchen sie allein durchzubringen, vergessen die Massage, und dann sterben die kleinen Wesen.“ Lieber sollen sie die Tiere weiterhin nach Kirchbaggendorf bringen, denn Christine Uecker zieht die Stachel-Babys seit nunmehr fünf Jahren groß. Bis zum heutigen Tag sind das 391. Und noch etwas Interessantes weiß sie zu berichten: „Die Kleinen besitzen etwa 100 Stacheln. Wenn sie erwachsen sind, sind es dann 8000.“

Carolin Riemer

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