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Deine Tierwelt Mit dem Pilzexperten durch Vorpommerns Wälder
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10:45 19.09.2018
Der Forstwirtschaftsmeister Matthias Ansorge aus Stralsund beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Pilzen. Hier ist er in einem Wald bei Negast unterwegs. Quelle: Alexander Müller
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Negast

Wenn Matthias Ansorge durch den Wald streift, scannt er den Boden systematisch ab. Wo Unkundige auf den ersten Blick nur Blätter, Gehölz und Moos erkennen, sieht er überall Pilze aus dem Boden sprießen, in allen erdenklichen Farben und Formen. Der 56-Jährige liebt Pilze, seit seiner Kindheit kommt er nicht von ihnen los. Zuletzt fand der Stralsunder sogar einen Erdstern, eine sehr rare Sorte, die mit ihrer blütenartigen Form so sonderbar anmutet wie eine exotische Frucht. „Den Erdstern habe ich erst zwei Mal gefunden, obwohl ich seit 40 Jahren im Wald unterwegs bin“, sagt er. Der Schlüssel zum Erfolg: Viel Zeit und Ruhe.

Der Forstwirtschaftsmeister Matthias Ansorge aus Stralsund beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Pilzen. Hier ist er in einem Wald bei Negast unterwegs. Quelle: Alexander Müller

Ein Pilz wie ein Badeschwamm

Matthias Ansorge ist Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Schuenhagen bei Velgast. Etwa zweimal im Jahr veranstaltet er Pilzführungen, bei denen er sein Wissen teilt. An diesem Tag hat er den Reporter mitgenommen in einen Fichtenwald bei Negast im Stralsunder Umland. Zwar können Kenner das ganze Jahr über fündig werden, doch sei jetzt die beste Zeit für Sammler. Auch wenn es in diesem Jahr zu trocken war, findet Matthias Ansorge innerhalb kurzer Zeit ein halbes Dutzend verschiedene Sorten.

Darunter ist auch sein Lieblingspilz, die Krause Glucke, die aussieht als hätte jemand einen Badeschwamm im Wald vergessen. „Der Geschmack ist hervorragend, schön nussig“, sagt er. Der Pilz müsse mit dem Messer sorgfältig vom Boden abgetrennt werden. Er empfiehlt ein spezielles Pilzmesser mit eingebauter Bürste um die Funde gleich im Wald zu putzen. Andernfalls könnten sie noch im Korb anfangen zu gammeln.

Alte Pilzlegenden sind meist genau das - Legenden

Nur ein paar Meter weiter finden wir mehrere Falsche Pfifferlinge. Falsch deswegen, weil sie dem schmackhaften Pfifferling lediglich ähnlich sehen, jedoch ungenießbar sind. Ein Stück weiter wächst sogar ein Pantherpilz. Wird der gegessen, kann das tödlich enden. „Es gibt kein Allheilmittel um giftige Pilze zu erkennen“, sagt er. Im Zweifel empfiehlt er unbedingt den Besuch eines Pilzberaters. Auch von vermeintlichen alten Pilzweisheiten rät er ab. „Es gibt die Legende, dass man einen Silberlöffel in der Pilzsuppe mitkochen soll. Nimmt der Löffel eine andere Farbe an, ist der Pilz angeblich giftig. Ich habe es ausprobiert. Das ist Quatsch“, sagt Ansorge.

Außerdem ist ihm wichtig, dass die Regeln im Wald beachtet werden. Mit dem Auto darf nur auf zugelassenen Wegen gefahren werden, der Hund gehört an die Leine und der Müll nicht auf den Boden. Wird das eingehalten, darf sich jeder frei im Wald bewegen, es sei denn, er stößt auf einen Zaun. Matthias Ansorge empfiehlt, erst am Wegesrand nach Pilzen Ausschau zu halten und sich dann Stück für Stück querfeldein vorzuarbeiten. Auch auf Wiesen könne man fündig werden, dort wachsen zum Beispiel Wiesen-Champignons.

Zu guter Letzt findet Matthias Ansorge ein wunderschönes Exemplar einer Marone, einer der beliebtesten Speisepilze. Vorsichtig dreht er das Gewächs aus dem Boden, um das Geflecht darunter nicht zu zerstören. Daraus will er sich an diesem Abend sein Lieblingsgericht kochen: Pilze in der Pfanne mit Speck und Zwiebeln.