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Deine Tierwelt Nothilfe für die Bienen
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00:00 20.09.2018
Eine Biene nimmt die Blüte einer Sonnenblume ins Visier. Die Tiere sind auf Blühwiesen als Lebensraum angewiesen. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
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Marlow

Kneese ist ein kleines Dorf mit nur wenigen Häusern. Doch auf einer Wiese, direkt neben zwei Fußballtoren, geschieht nichts Geringeres als die Rettung der Bienen. Zwischen Sonnenblumen, Phacelia, Ölrettich und Klee brummt und summt es. Nicht nur Bienen, sondern auch Schmetterlinge und andere Insekten fliegen von Blüte zu Blüte. Die Stadt Marlow, zu der Kneese gehört, hat hier in diesem Jahr gemeinsam mit dem Landwirt Wilfried Lenschow eine sogenannte Bienenweide entstehen lassen. Insgesamt gibt es vier davon im gesamten Stadtgebiet. „Wir sollten nicht nur über das Insektensterben reden, wir sollten auch etwas tun“, sagt der 59-jährige Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Bartelshagen I.

Landwirte haben in Vorpommern- Rügen ihre Flächen für Blühwiesen verdreifacht. Insekten brauchen diese dringend zum Leben. Die Bauern wollen damit auch ihr ramponiertes Image aufpolieren.

Wilfried Lenschow ist nicht der einzige Bauer im Landkreis Vorpommern-Rügen, der sich beteiligt. Die Landwirte haben nach Angaben des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt in den vergangenen drei Jahren die Flächen für Bienenweiden auf ihren Feldern auf fast 500 Hektar verdreifacht. Während sie dafür eine Förderung durch das Landwirtschaftsministerium bekommen, ist das Engagement auf den Flächen der Gemeinden wie das von Wilfried Lenschow in Marlow freiwillig und ohne Entlohnung. Die Landwirte stellen dabei Saatgut, Technik und Personal zur Verfügung.

In Ummanz auf Rügen stellt Bauer Holger Kliewe zwei Hektar für Blühflächen zur Verfügung. Außerdem hat die Gemeinde die Mahd von Wiesen und Straßenrändern reduziert. In Ribnitz-Damgarten wurden im gesamten Stadtgebiet Blühwiesen angelegt. Im Gebiet der Hansestadt Stralsund gibt es ebenfalls Blühstreifen, die von Landwirten eingerichtet wurden. Außerdem leisten das Obstgut Lüssow und die Kleingartenanlagen einen aktiven Beitrag gegen das Bienensterben. In Sundhagen gibt es mehrere Blühflächen, die Gemeinde, Ehrenamtliche und Landwirte angelegt haben.

Ziel der Bauern ist jedoch nicht nur die Rettung der Bienen, sie wollen auch das eigene Image aufpolieren, das durch die Diskussionen um den intensiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Mitleidenschaft gezogen worden ist. „Es lässt sich nicht abstreiten, dass die Landwirtschaft ihren Teil zum Insektensterben beiträgt. So ehrlich muss man sein“, sagt Landwirt Wilfried Lenschow.

Der Bauernverband Nordvorpommern koordiniert deswegen unter dem Slogan „Bauern und Bürger helfen den Bienen“ die Herstellung von Bienenweiden in der Region. „Wir wollen deutlich machen, dass nicht auf der einen Seite die Landwirte stehen und auf der anderen Seite die Bürger, sondern dass wir ein gemeinsames Ziel haben“, sagt Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Vorpommern-Rügen. Ganz auf Pflanzenschutzmittel verzichten lasse sich jedoch nicht so einfach. „Es ist gut, dass es Bio-Betriebe gibt, aber sie zu betreiben ist nicht leicht“, sagt Ehlers. Das Risiko für totale Ernteausfälle sei wesentlich höher als in der konventionellen Landwirtschaft.

Laut Naturschutzbund MV (Nabu) sind insbesondere Wildbienen gefährdet, die im Gegensatz zur Honigbiene nicht als Nutztiere beim Menschen, sondern in der freien Natur leben. Von den über 550 heimischen Wildbienenarten stünde die Hälfte auf der Roten Liste. „Wichtige Lebensräume der Wildbienen, wie Halbtrockenrasen, blütenreiche Ackerrandstreifen, extensiv genutzte Weiden, offene Bodenstellen und Abbruchkanten sowie Kiesgruben und Brachen, werden durch die immer intensivere Nutzung der Landschaft durch den Menschen verdrängt oder gar zerstört“, heißt es vom Nabu.

Imker Manfred Lange aus Langendorf bei Stralsund, der 25 Völker mit 1,5 Millionen Bienen besitzt, findet das Engagement der Landwirte zwar löblich, es reiche aber nicht aus. „Es gibt leider immer noch viel zu viele Bauern, die gar nichts machen“, sagt er. Insbesondere nach der Rapsblüte breche für die Bienen eine schwere Zeit an. „Da entsteht ein großes Loch, bis die Linde blüht“, sagt Lange.

Alexander Müller

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