Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Deine Tierwelt Rostock rebelliert gegen höhere Zoo-Preise
Mehr Deine Tierwelt Rostock rebelliert gegen höhere Zoo-Preise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 22.08.2018
Keine Frage: Rostocks Zoo hat stets Neues zu bieten – zum Beispiel ab September Eisbär Noria (15) im „Polarium“. Um die Preiserhöhung gibt es dennoch Ärger. Quelle: Zoo Rostock
Anzeige
Rostock

Nicht einmal mehr sechs Wochen, dann kehren die Bären in den Barnstorfer Wald: Ende September eröffnet das Polarium, das neue Zuhause für die Eisbären und Pinguine. Doch kurz vor dem großen Tag trübt nun eine andere Nachricht aus dem Zoo die Vorfreude bei Gästen – und in Teilen der Rostocker Bürgerschaft: Ein Besuch im Tierpark wird teurer. Der Aufsichtsrat hat eine Erhöhung der Eintrittspreise beschlossen. Gegen die regt sich aber Widerstand: „Familien mit wenig Geld leiden unter den Preisen des Zoos“, klagt Eva-Maria Kröger, Chefin der Linken. Auch Grünen-Frontmann Uwe Flachsmeyer meint: „Die Preise sind sehr hoch.“

Kinder zahlen jetzt zehn Euro

Wer sich Eisbären, Affen und Co. anschauen will, muss künftig 17 Euro für die Tageskarte zahlen – einen Euro mehr als bisher. Auch für Kinder steigen die Preise: Sie zahlen künftig zehn Euro – statt 9,50 Euro wie bisher. Der Preis für die Familienjahreskarte wird von 135 Euro auf 150 Euro erhöht. Auch bei den ermäßigten Karten gibt es einen Aufschlag: Senioren, Studenten und Inhaber des „Warnowpasses“ für sozial benachteiligte Familien zahlen 50 Cent mehr.Zoo-Chef Udo Nagel verteidigt die Erhöhung: „Die Kosten steigen jährlich erheblich.

Eine Preiserhöhung wäre aufgrund der Inflationsrate eigentlich schon zu Beginn des Jahres notwendig gewesen.“ So seien die Preise für Futtermittel – Heu etwa – in Folge der Dürre um bis zu 50 Prozent gestiegen. Dies dürfte allerdings zum Zeitpunkt der Preis-Entscheidung noch nicht bekannt gewesen sein. Aber: Auch zusätzliche Schutzmaßnahmen vor der Vogelgrippe und Tarifsteigerungen beim Personal müsse der Zoo auffangen. Und weiter: „Der Wirtschaftsplan ist eng gestrickt. Einsparpotenziale werden laufend geprüft und ausgeschöpft“, so Nagel auf OZ-Anfrage Über die Zoo-Schule ermögliche der Tierpark jährlich mehr als 14 000 Schülern kostenlosen Eintritt.

Die neuen Preise sollen nach OZ-Informationen mehr als 80 000 Euro einbringen.Der Tierpark, so Nagel, habe das letzte Mal vor sechs Jahren – zur Eröffnung des Darwineums – seine Preise verändert. 2016 hatte der Zoo jedoch den freien Eintritt für Kinder bis sieben Jahren abgeschafft, seitdem muss bereits ab dem vierten Geburtstag jeder Gast zahlen.

Wie empfinden Sie die Eintrittspreise des Rostocker Zoos?

Die OZ-Lokalredaktion Rostock fragt: Wie empfinden Sie die Eintrittspreise des Rostocker Zoos?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Wie empfinden Sie die Eintrittspreise des Rostocker Zoos?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Geteiltes Echo aus der Stadtpolitik

Obwohl die Erhöhung bereits im Frühjahr vom Aufsichtsrat (in ihm sitzen Vertreter aller Bürgerschaftsfraktionen) gebilligt wurde, ist das Echo aus der Politik nun geteilt: Linke, Grüne und auch die SPD machen Front gegen steigende Preise. Linken-Chefin Eva-Maria Kröger: „Wenn es immer teurer wird, leiden Familien mit wenig Geld darunter – und das ist ein Problem.“ Für Menschen am Existenzminimum gäbe es den Warnowpass und damit Ermäßigungen. „Aber was ist mit all jenen, die zwar offiziell nicht als ,bedürftig’ gelten und dennoch von kleinen Einkommen leben müssen?

Für die sind 52 Euro für eine Familienkarte wirklich viel Geld.“ Auch die Grünen fordern: „Die Zoo muss bei den Preisen dringend nachbessern“, so Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Beispielsweise finde er den Rabatt für Bedürftige, Senioren und auch Schwerbehinderte zu gering. Sein Vorschlag: Wenn die Preise schon steigen, sollten die Besucher auch einen spürbaren Vorteil haben: „Denkbar wäre ein Kombi-Ticket mit der Straßenbahn. Wer den vollen Zoo-Eintritt bezahlt, bekommt dafür einen Rabatt bei der RSAG.“ Auch aus der SPD kommt Kritik – vor allem Preisen für die Jahreskarten für Familien. Die soll statt 135 Euro ab sofort 150 Euro kosten. „Mehr als zehn Prozent Plus finden wir ganz schön derb“, so Fraktionschef Steffen Wandschneider-Kastell. „Darüber wollen nochmal reden. Das geht aus unserer Sicht nicht.“

Seit Jahren werbe der Zoo für die Familien-Jahreskarten – weil sie sich Rostocker, die mehrmals im Jahr den Zoo besuchen, rechnen würden. „Doch ausgerechnet bei diesen Tickets gibt es den größten Aufschlag. Wenn die Urlauber für ein Tagesticket einen Euro mehr zahlen – okay. Aber bei den Jahreskarten ist die Steigerung zu hoch.“ Einzig die CDU hat mit den neuen Tarifen keine Probleme: „Es ist immer ärgerlich, wenn Preise für erhöht werden, insbesondere für den Zoo. Die Jahreskarten sind im Vergleich aber preislich in Ordnung. Diese lohnen sich für Familien und häufige Besuche im Zoo“, so Parteichef Daniel Peters.

Stadt bezuschusst den Zoo mit fast vier Millionen Euro

Trotz der Preiserhöhung bleibt der Zoo eines der größten Zuschuss-Geschäfte der Hansestadt: Seit 2013 ist der jährlich Zuschussbedarf um fast eine Millionen Euro gestiegen. 2,78 Millionen Euro musste das Rathaus 2013 an den Tierpark überweisen, 2018 werden es 3,79 Millionen Euro sein. Linken- Chefin Kröger könnte sich vorstellen, den Zuschuss sogar noch zu erhöhen – wenn der Zoo im Gegenzug auf die Preiserhöhung verzichtet: „Ich hätte erwartet, dass Udo Nagel darüber zumindest mal mit uns spricht.“ Laut Wirtschaftsplan 2019 soll die Preiserhöhung gerade mal 80<TH>000 Euro an Mehreinnahmen bringen. „Diese Summe könnte die Stadt sich locker als zusätzlichen Zuschuss leisten.“

Andreas Meyer