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Therapeuten zum Knuddeln
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08:00 17.06.2017
Auch Alltagsbegleiterin Petra Simon aus dem Pflegeheim „Kleeblatt“ genoss den Besuch des Barther Hundesportvereins.
Auch Alltagsbegleiterin Petra Simon aus dem Pflegeheim „Kleeblatt“ genoss den Besuch des Barther Hundesportvereins. Quelle: Carolin Riemer
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Barth

Ein Dreivierteljahr lang sprach der alte Mann kein Wort. Er lebte still im Altersheim vor sich hin. Erst als Birgit Johannsen vom Barther Hundesportverein ihm einen Welpen auf den Schoss setzte, kam Leben in ihn. Er lächelte und erzählte, dass auch er immer Hunde hatte – damals als er noch ein junger Mann war.

Welpenbesuch ist im Pflegeheim selten

Seit drei Jahren besuchen die Mitglieder des Barther Hundesportvereins das Altersheim Kleeblatt ein Mal pro Monat. In dieser Woche erwartete die Senioren ein besonderes Highlight. Fünf Welpen und ihre Mutter tapsten da plötzlich durch den Gemeinschaftsraum, schnüffelten an Rädern der Rollstühle, leckten faltige Hände, die in ihrem Leben schon viel gearbeitet haben und ließen sich nach Herzenslust knuddeln. Wachsam verfolgte nicht nur Mia, die Mutter der Sheltie-Welpen, das Geschehen. Auch die Besitzer und Barther Züchter Iris und Jürgen Kube ließen die acht Wochen alte Babsi und ihre Brüder Bolle, Berti, Benji und Black Boom keine Sekunde aus den Augen. „Das Wohl der Welpen ist heute das Wichtigste“, machten sie unmissverständlich klar.„Wenn wir unseren Bewohnern nur für einen Moment ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, hat sich der Besuch schon gelohnt“, sagte Alltagsbegleiterin Jutta Lange. Willi Junge lächelte. Der 87-Jährige hielt den kleinen Bolle fest auf dem Schoss und erzählte: „Hunde sind treu. Treuer als Menschen. Und sie passen immer auf.“ Er besaß einen Windhund und einen Schäferhund als er noch einen kleinen Bauernhof in der Nähe von Grimmen führte und zusammen mit seiner Frau sechs Kinder groß zog. Hundefreundin Birgit Johannsen beobachtete in der Vergangenheit pflegebedürftige Spastiker, die ihre Hände plötzlich entkrampfen konnten, als sie einen ihrer Hunde streichelten. Diese Erfolge genießen Hund und Mensch: „Wir besuchen nicht nur Altersheime, sondern auch Kitas, Schulen und Behindertenheime“, erzählte Birgit Johannsen. Zu diesen Terminen nimmt sie stets mindestens zwei Tiere mit. Für einen würde das Geknuddel zu stressig sein. „Wir suchen die Besucherhunde natürlich nach ihrem Gemüt aus. Verträglich, ruhig und belastbar müssen sie sein.“

Für Pflegebedürftige und Altenpfleger eine willkommene Abwechslung

Die Welpen von Hündin Mia meisterten ihren ersten Besuch großartig. Während Babsi aufgeregt einen Besen anbellte und mit ihrem zarten Stimmchen sämtliche Bewohner zum Lachen brachte, spielten Bolle und Berti mit ihrem Ball. „Zwei Dackel hatte ich“, erinnerte sich Lissi Bode (93) plötzlich: „Das ist lange her.“ Viele der Bewohner des Barther Pflegeheims leiden an Demenz und benötigen eine intensive Betreuung. „Wir kommen auch nicht ausschließlich, um den alten Leutchen eine Freude zu bereiten“, erklärte Birgit Johannsen. Sie bewundere die Arbeit der Altenpflegerinnen. „Und auch sie freuen sich auf die Abwechslung im Arbeitsalltag.“In dem Pflegeheim in der Baustraße sind oft Tiere zu Gast. Einmal pro Monat besucht ein Therapiehund die Einrichtung und das Tierheim Rostock-Schlage bringt regelmäßig Katzen, Hunde und Kaninchen mit zu den Besuchen.Die Welpen von Iris und Jürgen Kube sind bereits alle vermittelt und ziehen in den nächsten Tagen oder Wochen zu ihren neuen Familien. In Barth wird keiner von ihnen leben. Auch die Hündchen profitierten von dem Besuch. So viele Menschen, 17 Senioren begrüßten die Hunde, kannten die Kleinen bislang noch nicht. Die Züchterin erzählte kurz, dass die Rasse der Shetland Sheepdogs, die umgangssprachlich auch Shelties oder Mini-Collies genannt werden, kleine Hütehunde ohne einen ausgeprägten Jagdtrieb sind. Hunde, die gern laufen und lernen, aber auch nicht böse über einen Tag sind, an dem sie faul auf der Couch liegen.

Carolin Riemer