Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Essen und Trinken Wie der Tee in den Beutel kommt
Mehr Essen und Trinken Wie der Tee in den Beutel kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:14 21.11.2016
Tee verkosten im Probierzimmer der Onno Behrends Teeimport GmbH.
Tee verkosten im Probierzimmer der Onno Behrends Teeimport GmbH. Quelle: Andreas Heimann
Anzeige
Buchholz

Von außen ist es nur eine nüchterne Fabrikhalle, doch gleich hinter der Tür erwartet den Besucher ein sanfter Duft. Drei alte Teekisten im Eingangsbereich verraten, was hier produziert wird.

LSH
OTG
Teekanne

In Buchholz schießen Filterpapier, Etiketten und die Umbeutel genannten Verpackungen von dicken Rollen in die Maschine, in der hinter einer Plexiglashaube alles zusammengeführt wird. Der Tee kommt in Rohren von oben, eine gewaltige Spule liefert den Faden aus Wolle. In einem großen Rad mit zwölf Fächern wird nun aus allem eins: der fertige Teebeutel, meist sind zwei Gramm Tee darin. Blitzschnell wird dabei das Filterpapier befüllt, ein Schlauch gebildet und zum Doppelkammerbeutel gefaltet. Zwei Nadeln verbinden dann gleichzeitig Etikett und Beutel mit dem Faden - fertig ist der Beutel.

„Wir waren die ersten, die statt der Klammer einen Knoten für den Faden entwickelt haben“, sagt Werksleiter Leuer. Die Umrüstung habe 80 Millionen Euro gekostet. „Dadurch sparen wir 50 Tonnen Aluminium im Jahr“, erklärt er. „Das Filterpapier ist aus der Bananenstaude.“ Papier und Beutel samt Inhalt seien so zu 100 Prozent kompostierbar. Bis 2020 soll der gesamte Tee aus nachhaltigem Anbau kommen.

Die OTG produziert zu 90 Prozent Beutel, der Rest ist loser Tee. Was nun ist der bessere Tee? „Das hängt einzig allein vom Blattgrad ab, aber die Qualität ist ein und dieselbe“, sagt Leuer. Der Blattgrad ist die Größe. Außer dem ganzen Blatt gibt es auch Broken, den kleineren Fannings und den ganz feinen Dust - hier bei Milford wird Fannings verwendet. „Im Teebeutel lösen sich die Aromen nur schneller, weil die Oberfläche größer ist“, erklärt Leuer, darum auch die Doppelkammer. „So wird der Geschmack optimal abgegeben“, sagt er.

Deutschen Teeverband

Wie eine nicht endenwollende Spielzeugeisenbahn fahren bunt gemischt die gefüllten Pappschachteln auf schmalen Bändern durch die Halle. Darjeeling, Kräuter pur und Grüner Tee Vanille gleiten vorbei, auf einem anderen Band sind es Mangostan-Maracuja, Sanddorn-Erdbeere und Früchtemischung. „Am Ende wird mit Laser sortiert“, sagt Leuer. Ein Luftstoß sorgt dafür, dass die Boxen den richtigen Karton ansteuern.

Vor allem bei den Teebeuteln ist die Vielfalt groß. „Wie haben bis zu 600 Sorten im Angebot“, sagt Leuer. 20 bis 30 Prozent der Sorten werden jedes Jahr neu entwickelt. „Vor allem Ingwer und Rooibos liegen im Trend, der grüne Tee ist seit Jahren ein Dauerbrenner“, berichtet er. Auch Bio-Tee nehme weiter zu. „Den größten Anteil haben die Kräuter- und Früchtetees, das sind auch die Treiber des Marktes“, so Leuer. Um die Zukunft des Getränks macht er sich keine Sorgen. „Das geht durch alle Schichten“, sagt er. „Auch die Jugendlichen trinken viel Tee.“ Pro Kopf lag der Verbrauch in Deutschland im vergangenen Jahr bei 28 Litern, Tendenz steigend.

„Derzeit erfahren Tees und vor allem Tee-Spezialitäten erfreulicherweise einen neuen Stellenwert“, sagt Verbandsmann Wittig. Tee stehe für Leichtigkeit und bewussten Genuss. „In diesen Trend passt Grüntee und hier insbesondere Matcha in allen Variationen - ob pur, als Matcha Latte oder als Zutat in Bars und Küchen.“

Teeverbrauch

Der Tee für die Abpackmaschinen kommt aus gewaltigen Säcken in der Halle darüber. Zuvor war er im Labor und in der Mischerei. „Wir sprechen von einem Blend, das ist die Mischung“, sagt Abteilungsleiter Arne Fieritz. Das Unternehmen wirbt, die Sorte „Meßmer Klassik“ sei der am besten verkaufte Schwarztee Europas. Das Rezept kennen nur drei Personen und der Safe, heißt es in der Zentrale. „Er muss jedes Jahr gleich schmecken, da muss die Mischung stimmen“, meint Leuer.

Der Tee kommt in beschichteten Papiersäcken aus dem nur rund 30 Kilometer entfernten Hamburger Hafen, dem größten Teeimporthafen Europas. Die schönen Teekisten von einst sind allerdings lange passé. „Die Prozesse im Bereich Verarbeitung und Logistik haben sich durch andere technische Möglichkeiten und Anforderungen weiterentwickelt und sind damit nicht mehr dieselben wie noch vor 50 oder 100 Jahren“, sagt Wittig. „An dem Genusserlebnis, welches Teetrinker seit Jahrhunderten schätzen, hat sich deshalb nichts geändert.“

dpa

Mehr zum Thema

Außenminister Frank-Walter Steinmeier will im Fall seiner Wahl zum Staatsoberhaupt angesichts weltweiter Krisen Mutmacher sein.

16.11.2016

Vor vier Jahren setzte das MacBook Pro mit seinem exzellenten Retina-Display neue Maßstäbe im Laptopmarkt. Mit einem runderneuerten Modell will Apple mit einem alternativen Touch-Bedienkonzept punkten. Eindrücke aus einem ausführlichen Praxistest.

17.11.2016
Fußball Wembley-Helden und Pechvögel - BVB gegen Bayern voller Brisanz

Beim Supercup bekam Carlo Ancelotti schon einmal einen Vorgeschmack auf die attraktivste Paarung der jüngsten Bundesliga-Vergangenheit. Es sind die Meister der vergangenen sieben Jahre - und packende Duelle gab es zuletzt reichlich.

18.11.2016