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Familie Krebskranker Kirill hat den Kampf verloren
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00:00 14.12.2017
Der vom Krebs gezeichnete Kirill mit seiner Mutter Tatjana Kravchenko und Legospielsachen wenige Wochen vor seinem Tod.
Der vom Krebs gezeichnete Kirill mit seiner Mutter Tatjana Kravchenko und Legospielsachen wenige Wochen vor seinem Tod. Quelle: Foto: Cornelia Meerkatz
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Greifswald

Der Leidensweg des krebskranken Kirill Boschek aus Donezk, für dessen Aufenthalt in Deutschland viele OZ-Leser Tausende Euro gespendet haben, ist zu Ende. Der Junge ist am 30. November abends in der Greifswalder Kinderonkologie friedlich und ohne Schmerzen gestorben und inzwischen auf Wunsch der Mutter Tatjana Kravchenko hier in der Hansestadt beerdigt worden. An der Trauerfeier für den Jungen, dessen Familie russisch-orthodoxen Glaubens ist, nahmen neben der Mutter, der Oma und der Tante auch Ärzte, Schwestern und Mitglieder des Vereins Hoffnungsanker teil.

Der Vorsitzende des Vereins, Waldemar Tyssen, sagte auf OZ-Nachfrage, dass es der Mutter trotz ihrer großen Trauer ein Herzensbedürfnis sei, allen Spendern zu danken. Sie lasse mit einem guten Gefühl ihren Sohn hier in der Greifswalder Erde. „Hier ist Kirill sicher und hat seinen Frieden gefunden“, so die Mutter.

In der Heimat in Donezk sei diese Sicherheit nicht gegeben, deshalb wollte Tatjana Kravchenko den Leichnam ihres Kindes nicht überführen lassen. Auch sie selbst ist nicht nach Donezk zurückgekehrt, lebt derzeit Kiew. Dort will sie sich im neuen Jahr um eine Arbeit bemühen, damit sie später die Möglichkeit hat, Kirills Grab in Greifswald zu besuchen. Während ihrer Abwesenheit wird die Grabstätte von einem ungarischen Vater mitgepflegt, der hier ebenfalls sein Kind beerdigt hat und der in Greifswald gerade eine Ausbildung begonnen hat.

Der Zehnjährige, der Ende August nach Greifswald kam, litt seit 2012 an einem Neuroblastom, einem bösartigen Tumor. Diese schwere Krebserkrankung sollte Prof. Holger Lode, weltweit anerkannter Spezialist aus Greifswald auf diesem Gebiet, mit einer neuartigen Immuntherapie heilen. Dennoch konnte man nur noch wenig helfen, für die rettende Behandlung war es zu spät. Kirill lebte die letzten Wochen mit seiner Mutter in einer kleinen Wohnung des Vereins Hoffnungsanker, die letzten Tage auf der Kinderonkologie.

Dass die Familie längere Zeit in Greifswald leben konnte, war dank der Spenden vieler OZ-Leser möglich. „Kirill konnten außerdem noch viele Wünsche erfüllt werden: Ein Besuch an der Ostsee auf der Insel Usedom, der Kauf von Legobaukästen, die Fahrt in einem großen Mercedes, ein Besuch im Ozeaneum in Stralsund“, berichtet Waldemar Tyssen. Es sei wunderbar gewesen, Kirill noch einmal so glücklich zu erleben. Sogar die Oma habe ihn noch einmal hier besuchen können, der Verein Hoffnungsanker zahlte den Flug. Leider haben es Großmutter und Tante nicht noch einmal geschafft, den Jungen lebend zu sehen. Sie landeten in Berlin wenige Stunden, nachdem Kirill für immer eingeschlafen war. Vereinsvorsitzender Waldemar Tyssen, der die beiden Frauen abholte, überreichte ihnen die Geschenke, die der Zehnjährige zuvor noch für sie bestimmt hatte: Pralinen und Blumen.

Die Familie von Kirill hätte den mehrmonatigen Aufenthalt in Deutschland nicht aus eigener Kraft bezahlen können. Wenige Tage vor seinem Tod dankte der schwerkranke Junge den OZ-Lesern bei einem Spaziergang auf Usedom mit einem Mini-Video und winkte noch einmal freundlich in die Kamera. Mutter Tatjana bedankt sich ebenfalls bei allen Lesern, die geholfen haben: „Ich bin so froh, dass mein Kind am Ende eine gute Zeit haben durfte.“

Cornelia Meerkatz

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