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Von Schwerin über Honolulu zurück nach MV

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Freelancerin Romina Katzor fühlt sich pudelwohl in ihrer alten neuen Heimat MV. Golden Retriever-Rüde Cosy ebenso. Die beiden „Ex-Berliner“ lieben das Meer. Quelle: Doreen Bülow
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Rostock

Berlin, Valletta, Honolulu, New York – mit ihren gerade mal 31 Jahren hat Romina Katzor bis März 2020 schon viele Städte weltweit gesehen. Nach mehreren Stationen fern der Heimat ist die gebürtige Schwerinerin nun angekommen. Am Meer. In Rostock. Im Land zum Leben.

In Stralsund früh ins Meer verliebt

„Fremde Kulturen haben mich trotz allem schon immer interessiert. Bereits sehr früh hat es mich in andere Länder gezogen. Aber eigentlich gehöre ich nach Meck-Pomm“, strahlt die quirlige junge Frau, die ihr Abitur am altsprachlichen Gymnasium Fridericianum in Schwerin absolviert hat und lange Zeit von einem Ägyptologie- oder Archäologiestudium träumte. Kulturgeschichte versus Zahlenkonstrukte – auch diese Affinität pflegte Romina damals. Entschieden hat sie sich schlussendlich für ein BWL-Studium. Nicht etwa tausende Kilometer weit weg. Nein. Die Wahl fiel auf Stralsund. Und zwar bewusst. „In Stralsund habe ich mich verliebt. Verliebt in das Meer.“

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Mittel und Wege, das Fernweh zu stillen, fanden sich dennoch. Nahezu jede Chance zum Verreisen wurde genutzt. Kuba, Thailand, Nordafrika, Aruba, die Vereinigten Staaten.... Auslandssemester? Klar! Ohne lange mit der Wimper zu zucken, organisierte die neugierige BWL-Studentin dieses in Eigenregie. „Und wie der Zufall es so will, verschlug es mich nach Hawaii.“ An der Hawaii Pacific University in Honolulu lernte sie nicht nur Hawaiianisch, sondern auch viele neue Freunde kennen. Mit Syntaria aus North Carolina hat sie sich ein 18 Quadratmeter kleines Zimmer für insgesamt immerhin 1200 Dollar Monatsmiete geteilt, hat studiert, „connectet“, gefeiert. „Honolulu war eine geile Zeit“, schwärmt Romina heute noch.

Wohnen in Berlin, Studium in Cottbus

Zurück in Stralsund folgte nach dem Bachelor of Arts eine lange Zeit des Pendelns: Wohnen in Berlin, studieren in Cottbus. Es folgten der Master und jede Menge neue Kontakte, sowohl beruflich als auch privat. Anstellungen und Freelancerjobs, in kleinen und auch größeren kreativen Unternehmen. Ihren jetzigen Freund Nicolas, der Wismarer ist und als Qualitätsingenieur in der deutschen Hauptstadt arbeitete, lernt Romina 2015 auf einem Woodstock-Konzert im polnischen Kostrzyn nad Odra kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, ziehen zusammen und unternehmen fortan vieles gemeinsam.

Aus dem Spaß in der Großstadt wurde bald anstrengende Enge

Doch immer wieder zieht es die Mecklenburgerin ans Meer. „Einen großen Teil der Sommerferien habe ich als Kind bei meinen Großeltern in Warnemünde verbracht. Je länger ich in Berlin lebte, desto klarer wurde mir: Irgendwann geht es wieder zurück.“ Die ersten Jahre machte Berlin Spaß, aus dem Spaß wurde aber irgendwann Enge. Anfängliche Leichtigkeit mutierte zur Anstrengung. Verstopfte Straßen, überlaufene Geschäfte, fehlende Lebensqualität. Romina Katzor: „Meine Sehnsucht nach dem Meer, nach Raum zum Atmen, wurde von Tag zu Tag größer.“ Als sich der Ingenieur und die Zahlenjongleurin 2018 einen Hund zulegten, war das Maß voll: „Cosy, unser Golden Retriever, hat sich ständig Scherben eingelaufen“, erinnert sich die Freelancerin. Als dann auch noch der Großvater in der Heimat verstarb, stand fest: Es geht zurück. Dass es Rostock wird, war relativ schnell klar. Der Markt für Freelancer und Start-ups öffnet sich gerade und auch für Nicolas sollte sich dank des Fachkräftemangels in MV schnell eine berufliche Perspektive finden.

Rückkehr von doppeltem Erfolg gekrönt

Weggegangen, wiedergekommen... im Januar 2019 ging es zurück nach MV. Eine schicke kleine Wohnung in der Rostocker KTV ist Rominas und Nicolas‘ neues Zuhause. „Ich kann wieder atmen und habe vor allem kurze Wege – ob zum Gassigehen in den Park, zum Radfahren in das Umland, zum Schwimmen ans Meer.“ Sogar einen Schrebergarten haben sich die beiden zugelegt. „Und ich habe endlich Zeit, bewusst zu leben“, ergänzt Romina. Umwelt- und Tierschutz, Nachhaltigkeit und ein veganer Lebensstil spielen inzwischen eine große Rolle im Leben der Neu-Rostockerin, die in MV endlich auch wieder einer weiteren Leidenschaft nachgehen kann: Stand-up-Paddling. „Am liebsten am Warnowufer“, schwärmt Romina. Neben ihrer Tätigkeit als Freelancerin im Bereich betriebswirtschaftliche Unternehmensbewertung und vorbereitende Buchhaltung hat sie in der Hansestadt schnell Fuß gefasst: „Ich arbeite im Coworking-Basislager in der Richard-Wagner-Straße für das Start-up „ENEKA“. „ENEKA“ befasst sich mit der Erstellung kommunaler Energiekarten, um die Umsetzung der gebäudebezogenen Energiewende zu gewährleisten. Somit ist Romina Katzors Rückkehr gleich von doppeltem Erfolg gekrönt: „Mein nachhaltiges Lebensmotto kann ich jetzt sowohl im Beruf als auch in der Region ausleben.“

Von Doreen Bülow