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Gesundheit Mit Bewegung und Musik der Demenz vorbeugen
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05:00 24.04.2019
Der Stralsunder Günter Berner (l.) wird im Rahmen der Greifswalder Studie „AgeWell“ von Lars Wamsiedler betreut. Quelle: Matthias Schümann
Greifswald

Er spielt Horn, ist Eisbader, Jäger und ein fabelhafter Koch. Günter Berner aus Stralsund ist ein sehr aktiver Mensch, der viel zu erzählen und jede Menge zu tun hat. Seit Kurzem ist noch eine Beschäftigung dazu gekommen: Der Hansestädter kümmert sich um seine Gesundheit. Speziell geht es ihm um das Thema Demenz. Ein Erlebnis vor Jahren gab ihm zu denken: „Da rief mein Bruder seine Frau an und wollte sich von ihr abholen lassen, weil er nicht mehr wusste, wo er war.“ In dem Stralsunder keimte die Furcht vor einer Demenz auf.

Prävention kann gegen Demenz helfen

Aus diesem Grund zögerte er nicht lange, als er in seiner Hausarztpraxis gebeten wurde, an einer Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Greifswald teilzunehmen. Jetzt sitzt Lars Wamsiedler aus Greifswald bei Günter Berner am Wohnzimmertisch, zückt einen Tabletcomputer und tippt aktuelle Daten ein. „AgeWell“ nennt sich das Projekt, das sich mit den Entstehungsbedingungen von Demenz beschäftigt.

„Es geht uns um Prävention und darum, zu vermeiden, dass die Demenz überhaupt auftritt“, erklärt Dr. Ina Zwingmann, Wissenschaftlerin am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, einer bundesweit agierenden Einrichtung zur Erforschung von Demenz, die in Mecklenburg-Vorpommern an den Universitätsmedizin Rostock und Greifswald angesiedelt ist. Demenz-Erkrankungen in ihren verschiedenen Ausprägungen sind noch immer nicht heilbar, nur ihre Symptome lassen sich behandeln. „Wir wissen aber, dass Prävention helfen kann“, sagt Professor Wolfgang Hoffmann, der die bundesweite „AgeWell.de“-Studie in Greifswald leitet.

Risikofaktor ungesunde Ernährung

Die Mediziner wissen, welche Risikofaktoren das Auftreten von Demenz begünstigen. Also machten sich die Wissenschaftler auf, um im ganzen Land Hausärzte für die Studie zu begeistern, denn über sie kommen die Forscher an die Patienten mit den Risikofaktoren. „Dazu gehören ungesunde Ernährung, zu wenig körperliche Betätigung, zu wenig geistig anspruchsvolle Beschäftigung, wenige soziale Kontakte. Gesucht werden Menschen zwischen 60 und 77 Jahren, denn bei ihnen ist die Gefahr, durch einen ungesunden oder unausgewogenen Lebenswandel an Demenz zu erkranken, besonders groß.“ erklärt Dr. Zwingmann.

Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Viele Demenzen entstehen beispielweise durch verstopfte Blutgefäße. Was für das Herz schädlich ist, das kann auch fatale Auswirkungen aufs Gehirn haben – wenn die feinen Kapillaren nicht mehr imstande sind, alle Regionen des Hirns zu versorgen. Insofern ist ein Lebenswandel, der Kreislauf und Blutgefäße in Schwung hält, eine direkte Vorsorge gegen Demenz.

Busfahrer bewegt sich zu wenig

Der 64-Jährige Günter Berner ist von Beruf Busfahrer. An kognitiver Beschäftigung hapert es nicht: Berner spielt nicht nur Horn, sondern musiziert auch gemeinsam mit seiner Familie, hat Frau und Kindern sogar das Spielen beigebracht. In Windeseile versteht er es, eine Melodie in Noten für eine mehrstimmige Partitur aufs Papier zu bringen. Andererseits schneidet der Stralsunder bei der Beurteilung nicht so gut ab. Er hat Schmerzen im Knie, dadurch hapert es derzeit an ausreichender Bewegung. Zudem hat Berner ein paar Pfunde zuviel.

An dieser Stelle kommt wieder Wamsieder ins Spiel. Denn er testet nicht nur den Stralsunder auf Herz, Hirn und Nieren, sondern überwacht zum Beispiel auch dessen Essverhalten. Denn gesunde Ernährung steht bei dem Stralsunder gerade ganz oben auf der Tagesordnung. Berner und den rund 200 anderen Teilnehmern an der „AgeWell“-Studie wird ein zwei Jahre dauerndes Programm aus körperlicher und sozialer Aktivität, kognitivem Training, Optimierung von Ernährung und Medikation sowie der Verminderung gefäßschädigender Risikofaktoren zuteil. Gelingt der Nachweis, dass auf diese Weise tatsächlich Demenz aufgehalten oder ganz verhindert werden kann, wird das „AgeWell“-Programm bundesweit allen Menschen mit Risikofaktoren zugänglich gemacht.

Matthias Schümann

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