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Kunstbörse Präsenz des Menschen spiegelt sich in Fotografien
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16:04 23.10.2016
Fotograf Gerhard Stromberg (64) aus Goldberg: Die Erkundung menschlicher Spuren auf seinen Motiven lässt das Anschauen der Fotografien zu einem spannenden Abenteuer werden.
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Es ist ein grauer Tag am Strand von Ramsgate im Südosten Englands, kein Wetter, dass Landschaftsfotografen spontan zu Kamera und Stativ greifen lässt. Für Gerhard Stromberg sind es Idealbedingungen. Von einem leicht erhöhten Standort überblickt er den Strand, hat dort vermutlich mehrere Stunden verbracht, sorgfältig eine strenge Bildkomposition gewählt, die Horizontlinie fast mittig, ein Gleichgewicht zwischen Himmel, Meer und Sandstrand herstellend. Dann erscheint eine Gruppe von Schulmädchen auf der Szene und macht mit ihrer Anwesenheit für den Fotografen das Motiv zum Bild.

Stromberg geht es in seinen Fotos nie um die bloße Schönheit von Landschaften oder gar ihre Unberührtheit. Gerade die Präsenz des Menschen, oft nur erahnbar in den Spuren seines Handelns, ist das Bestimmende in seinen Bildern. Die Erkundung dieser Spuren können das Anschauen der Fotografien zum spannenden Abenteuer werden lassen. Die extreme Auflösung der meist metergroßen Drucke gibt dem Betrachter die Chance, in das Bild regelrecht hineinzukriechen und immer wieder Neues zu Entdecken. Die Fotografie mit der riesigen 8x10-Zoll-Plattenkamera oder seit einigen Jahren mit einer speziellen digitalen Stitching-Technik machen diese Auflösung möglich und zwingen zugleich zu einer langsamen, fast meditativen Arbeitsweise.

Ersten Kontakt zum Fotografieren hatte Gerhard Stromberg schon in seiner Schulzeit. Da sein zeichnerisches Talent eher bescheiden war, bot sich hier eine gute Alternative im Kunstunterricht. Als Möglichkeit eines Berufes sah er es allerdings zunächst nicht. Das änderte sich nach dem kurzen Intermezzo eines Kunststudiums in Holland und eines abgebrochenen Landwirtschaftsstudiums. Einige Jahre arbeitete er selbstständig als Fotograf. 1980 begann er als 28-Jähriger ein Studium in der Klasse von Bernd Becher, der seit 1976 die Fotografie in der Düsseldorfer Ausbildung etabliert hatte. Die konzeptionelle Fotografie, die an der Düsseldorfer Akademie gelehrt wird, prägt seine Arbeiten unterschwellig bis heute.

Die Arbeiten der ersten Jahre während und nach dem Studium stehen so auch klar in der Tradition der Typologie der Becherschen Schule: Sportplätze, Straßenmeistereien oder die Strandbuden an der Côte d'Azur. Der Entschluss, nach dem Studium mit der Familie nach England zu ziehen, war für Gerhard Stromberg die endgültige Entscheidung, sich zukünftig ausschließlich der Kunst zu widmen. Insofern ein Wagnis, als es in den frühen 1980er Jahren faktisch noch keinen Kunstmarkt in England gab. Sechs Jahre arbeitete er an seinem „Coastline Catalogue“, einer Dokumentation der englischen Küste, bis er eine erste Einzelausstellung hatte und in der Folge Kunst und Lehraufträge den Lebensunterhalt sichern konnten.

Stand zunächst immer noch das Konzept am Beginn einer fotografischen Serie, so änderte sich das in den 1990er Jahren radikal. Gerhard Stromberg beginnt Bilder zu „finden“, die dann erst später, oft nach Jahren, eine Korrespondenz zu anderen Werken eingehen. So formen sich thematische Reihen über längere Zeiträume. Die Angabe von zwei Entstehungsjahren zu den meisten Werken wird insofern verständlich.

Nach der Zwischenstation einer Professur im norwegischen Trondheim und einem zeitgleichen Wohnsitz in Ungarn lebt Gerhard Stromberg seit 2011 im mecklenburgischen Goldberg: „England, Ungarn, Mecklenburg ... das passt zusammen. Der Umgang der Menschen hier miteinander erinnert mich sehr an das England vor 30 Jahren.“ Zum Fotografieren geht er dennoch meist auf Reisen: Frankreich, Italien und bald auch wieder das Sehnsuchtsziel Indien.

Zur Person

Gerhard Stromberg wurde 1952 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Von 1980 bis 1985 studierte an der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst Düsseldorf. Seit 2011 lebt Stromberg im mecklenburgischen Goldberg.

Seit 1990 stellt Stromberg seine Fotografien aus unter anderem in Southampton, Colchester, Canterbury, Cambridge, London, Sunderland und seiner Galerie in Goldberg Arbeiten von ihm sind in Sammlungen im Victoria and Albert Museum in London, Sammlung Liebig in Hamburg oder der Art Gallery of New South Wales in Sydney Goldman-Sachs in Frankfurt und Penny Mc Call Foundation in New York zu sehen.

Thomas Häntzschel

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