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Lifestyle Fleischlos die Welt retten
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17:51 16.09.2019
Anh Van kocht alles selbst – und natürlich nur aus regionalen Produkten. Zudem versucht sie, weitestgehend auf Plastik zu verzichten. Quelle: Luisa Schröder
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Rostock

Die 22-jährige Jana Heller lebt seit vier Jahren vegetarisch. Seit einem halben Jahr sogar vegan. Gegen Ende der Schulzeit, während des Abiturs, wurde ihr klar: „Fleisch ist fortan tabu.“ Sie brauchte es nicht mehr. „Viel war Gewohnheit“, erklärt die gebürtige Baden-Württembergerin. Nachdem sie sich mehr mit dem Thema Massentierhaltung auseinandersetze, desto mehr schärft sich ihr Bewusstsein dafür. Mittlerweile kocht sie alles frisch, achtet auf den Kauf regionaler Produkte und dass sie bestenfalls unverpackt sind.

Regionales aus dem Garten

Sie hat sich mit ein paar Freundinnen einen eigenen Garten gekauft, den sie gemeinsam bewirtschaften. Entsprechend der Jahreszeiten erntet sie Obst und Gemüse. Gerade kocht sie Birnen für Kompott ein. Am liebsten kredenzt sie Zitronenvollkornspaghetti mit Spinat, „weil mein Freund diese so gerne isst“, erzählt Jana, die seit Anfang September ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Südstadtklinik in Rostock begonnen hat. Nicht nur über neue Rezepte und Ersatzmöglichkeiten von tierischen Zutaten tauscht sie sich mit Bekannten aus, sondern auch über Herstellungsmöglichkeiten von Reinigungsmitteln, wie Waschpulver. Zu ihrem nachhaltigen Lebensstil gehört auch das Selbermachen von Kosmetik- und Hygiene-Artikeln. „Meine Gesichtsmaske mache ich aus Heilerde und Kamillentee.“ Natur pur. Sie putzt ihre Zähne mit einer Baumbusbürste und Zahnkreide und wäscht ihre Haare mit Seife aus dem Biomarkt. Wichtig sei ihr dabei, dass die Kosmetik nicht an Tieren getestet wurde. Ihre Kleidung kauft sie in Second-Hand-Shops oder auf Flohmärkten. Teilweise geht sie barfuß aus dem Haus, weil ihr Schuhe nicht so wichtig sind.

Veganer Nebenjob

Sie kellnert im einzigen veganen Restaurant Rostocks, der „Grünen Kombüse“. Dort arbeitet Jana mit Josef und Heiner zusammen. „Ich lasse mich gerne von ihren Gerichten inspirieren und habe schon vieles von den Jungs gelernt.“

Josef Czerwinski (30), Heiner Jörhs (34) und Dietlind Ahrendt (42) betreiben die „Grüne Kombüse“ gemeinsam seit mehr als vier Jahren. Alle sind sie Veganer, Josef lebt bereits seit elf Jahren ohne Fleisch und Fisch. Kennengelernt haben sich die drei in einem vegetarischen Restaurant, in dem Josef seine Kochausbildung absolvierte. Dort lernten sie das Wichtigste, was sie jetzt für ihre eigene Küche verwenden können, wie zum Beispiel den Einsatz von Ersatzprodukten für tierische Nahrungsmittel. „Es war unser Sprungbrett in die Selbstständigkeit“, sagt Josef. Angefangen zu kochen und sich auszuprobieren hat Josef im Ribnitzer Jugendclub. Er veranstaltete Kochabende und servierte vegetarisches Essen. „Ich wollte den Jugendlichen das Thema näherbringen“, erzählt der heute 30-Jährige. Die drei bieten nicht nur leckere fleischlose Gerichte an, sondern auch Smoothies, Cookies, Chips, Limonade. Alles stellen sie selbst her. Das Verpackungsmaterial ist aus Zuckerrohr und damit kompostierbar und das Besteck ist aus Maisstärke.

Kaum Plastik, mehr Glas

Auch die in Vietnam geborene Anh Van, von ihren Freunden Lina genannt, lebt sehr ökologisch und achtet darauf, dass sie kaum Plastik verwendet und mehr Glas zum Verstauen von Lebensmitteln nutzt. Bei ihrer Auswahl der Kosmetikprodukte schaut sie sehr genau auf die Inhaltsstoffe. Zum Abschminken benutzt sie Olivenöl oder Teebaumöl. Beim Thema Kleidung versucht sie, wenig neu zu kaufen und bevorzugt natürliche Faserstoffe. Wolle kauft sie immer aus zweiter Hand. „Ich finde es echt gut, dass immer mehr Menschen aufmerksamer werden und bewusster mit ihrer Umwelt umgehen“, erzählt die 27-Jährige, die gerade dabei ist, ihren Doktor in Biologie zu machen. „Langsam kommt eine Wende in unser aller Wahrnehmung, was mich sehr freut“, erzählt die junge Frau.

Vorher war es Lina egal, was Kleidung oder Kosmetikprodukte angeht, sie habe sich prinzipiell nur auf die Ernährung fokussiert. Denn bereits seit sieben Jahren lebt sie vegan, mit 16 Jahren begann sie sich vegetarisch zu ernähren. Bereits in ihrer Kindheit entwickelte sie Mitleid für die Tiere, die auf dem Teller landeten. Als sie fragte, warum es so war, bekam sie immer Antworten wie, „Es ist halt so. Der Lebenszyklus ist so. Dafür sind Tiere da.“ Diese Antworten waren für die Wahlrostockerin unzureichend. Die Wende kam, da war sie gerade einmal zehn Jahre alt.

Das geschlachtete Huhn

Ihre Mutter schlachtete ein Huhn vor ihr. „Mit der blutigen Schreierei wollte ich nichts zu tun haben, und jene Mahlzeit aß ich nicht mehr.“ Hinzu kam, dass sie schon immer viel Gemüse und Obst zu Hause gegessen haben, da ihre Mutter täglich frisch kochte und ihr Vater fleißig im Garten arbeitete. „Wir waren ,bio’, bevor bio im Trend war!“, sagt sie lachend. Deshalb habe sie auch keine Veränderungen an ihrem Körper nach den jeweiligen Umstellungen festgestellt. „Der einzige Unterschied war, dass sich plötzlich jeder für meine tägliche Eiweißeinnahme interessierte.“ Mittlerweile hat sie ihren deutschen Freund auch dazu bekehrt, seinen Fleischkonsum fast gen null zu reduzieren.

„Ich fühle mich im positiven Sinne erleichtert. Erleichtert, dass ich so wenig wie möglich an der schrecklichen Massentierhaltungsindustrie teilnehme, aber auch, dass mein Einfluss auf die Welt, auch wenn es nur ein geringer ist, nicht ins Negative driftet. Ein pragmatischer weiterer Pluspunkt ist, dass eine vegane Ernährung viel günstiger als Omni-Ernährung ist und dass man Schneidebrette einfach schnell abspülen kann, ohne Angst vor einer Lebensmittelvergiftung zu haben“, sagt die Doktorandin Lina.

Von Luisa Schröder

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