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Kommentar „Diese politische Korrektheit geht wirklich zu weit“
Mehr Meinung Kommentar „Diese politische Korrektheit geht wirklich zu weit“
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00:01 19.01.2018
In dieser Woche hat sich der Senat der Universität Greifswald entschieden, ihren Namens- zusatz „Ernst Moritz Arndt“ zu streichen. Quelle: Foto: Ingolf Wegener
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Greifswald

Die Universität Greifswald wird den Zusatz „Ernst Moritz Arndt“ bis auf noch zu bestimmende Ausnahmen künftig nicht mehr in ihrem Namen tragen. Das hat der Senat, das höchste Gremium der Hochschule, mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen. Der 1769 in Pommern geborene Arndt ist wegen nationalistischer und antisemitischer Äußerungen umstritten.

Nach dem Entschluss des Senats der Universität hat sich Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit deutlichen Worten in die Diskussion eingeschaltet. Caffier bezeichnete die Entscheidung auf seinem privaten Facebook-Profil als „Ergebnis linksgrüner Meinungsmache und einer vollkommen undifferenzierten Diskussion.“ Er könne nur hoffen, so schreibt Caffier weiter, dass dies nicht der Einstieg in eine groß angelegte Namensbereinigungswelle oder gar Kulturrevolution sei. Eine Ministeriumssprecherin betonte, dass Caffier diese Aussage nicht als Innenminister getätigt, sondern auf seinem persönlichen Profil eingestellt habe. Auch auf der Facebook-Seite der OZ löste die Entscheidung eine kontrovers geführte Debatte aus.

So hinterfragt Walter Scholz die Zusammensetzung des Senats. „Wie viele Mitglieder kommen aus unserer Region? Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsene Senatsmitglieder diese Entscheidung mitgetragen haben.“ Laura Ewald empört sich und bezeichnet den Beschluss als „Schande“. Und weiter: „Wo fängt es an, wo hört es auf? Das ist ein ewiger Kreislauf. Durch diese Umbenennung angestoßen, müssten jetzt zig Gebäude, Straßen und vieles mehr umbenannt werden. Wo kommen wir denn da hin?“, möchte die Leserin wissen. Sie ist überzeugt, „diese politische Korrektheit geht wirklich zu weit“.

Als bedenklich empfindet auch Torsten Opolski die Entscheidung. Er fragt: „Werden jetzt alle Ernst-Thälmann-Straßen in Deutschland umbenannt? Schließlich war er ein Kommunist und ein deutscher Patriot.“

Wieland Altenkirch notiert, dass er nicht fassen könne, wie sich der Senat entschieden hat. „Und wahrscheinlich geht es vielen weiteren Absolventen wie mir. Vierzig Jahre hat dieser Name keinen interessiert.“ Peter Heuser stellt sich die Frage, ob „wir nur noch sogenannte Gutmenschen und Weltverbesserer unter uns haben“. Mit Florian Rieth schaltet sich ein Leser in die Debatte ein, der die Namensstreichung befürwortet. „Als gebürtiger Mecklenburger schäme ich mich für Mitbürger, die den Antisemitismus tolerieren und es begrüßen, Namen aus dem dritten Reich zu pflegen.“ Genauso sieht es Marcel Henske: „Ich kann die Abstimmung des Senats durchaus nachvollziehen. Auch ich hätte an deren Stelle Bauchschmerzen mit dem Namen, auch wenn es stimmt, dass dies über Jahrzehnte nicht thematisiert wurde und anscheinend keinen gestört hat.“

André Elgeti ist es ein Anliegen, in der aufgeheizten Debatte zu differenzieren. „Arndt als Antisemiten zu bezeichnen, stellt ihn in eine Reihe mit Alfred Rosenberg.

(Rosenberg war zur Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus Politiker und führender Ideologe der NSDAP, Anm. d. Red.) „Ich denke, der größte Fehler, den man nun machen kann, ist, Arndt auf einen Müllhaufen zu werfen.“ Und Max Müller schreibt schließlich, er hätte sich „irgendwie eine andere Bildungsdebatte gewünscht“.

Juliane Lange

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