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Kommentar Förster im Nordosten sollen umdenken: Aufforsten statt abholzen
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15:24 25.11.2019
Blick in einen Wald. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Rostock

Es zeugt von grundsätzlichen Missverständnissen zur Rolle von Wäldern im Klimawandel, wenn Kahlschlag als Chance dargestellt, die Schuld am vermehrten Bäumefällen Käfern, Klima und Konjunktur angelastet, das Brennholzwerben, stärkere Holznutzung und das Pflanzen von Roteichen, Douglasien, Kiefern als Beiträge zum Klimaschutz verstanden werden.

Die Trockenheit 2018 und 2019 hat ohne Zweifel erhebliche Waldschäden verursacht, die jeder auch ohne Forstausbildung erkennen kann, wenn er mit offenen Augen durch den Wald geht. Was auch jeder erkennen kann, seit Jahren unterliegen Wälder, egal ob öffentlicher oder privater Wald, einem intensiven Nutzungsdruck, der nichts mit der gebetsmühlenartig bemühten Nachhaltigkeit zu tun hat und vielerorts Proteste besorgter Bürgerinnen und Bürger auslöst.

Nicht zu übersehende Schäden sind hausgemacht

Michael Succow ist Quelle: dpa

Wer meint, mit industrieller Holzernte, mit Auflichten des Kronendaches, mit Kahlschlägen und Entfernen sogenannten Schadholzes, mit Bodenverdichtung und Pflanzung von Roteichen und Douglasien klimastabile Wälder zu bauen, ist auf dem Holzweg und führt in eine Sackgasse.

Die derzeit vorherrschende Waldbehandlung und ein Weiter so wie bisher fügt den Wäldern weiter massive Schäden zu und verhindert die Entwicklung klimastabiler Wälder. Sie bewirkt das Gegenteil von dem, was sie vorgibt zu wollen.

Wald muss als komplexes Ökosystem gesehen werden

Dass Klima und Wald in enger Wechselbeziehung stehen

Hans D. Knapp entwickelte das angesehene Nationalparkprogramm, das als letztes Gesetz der DDR in Kraft trat, mit. Quelle: basiskulturfabrik

Verstärkte Holznutzung verstärkt die Schädigung des Waldes. Diese Schäden können durch keine Milliarden an Steuermitteln, die von der Forst- und Holzlobby für die Pflanzung von „Baumarten, die dem Klimawandel trotzen können“, gefordert werden, kompensiert werden.

Es ist höchste Zeit für eine seit langem geforderte Waldwende hin zu einem Waldverständnis und einem Waldmanagement, das den Wald nicht als Baumacker und Holzfabrik betrachtet, sondern ihn als komplex vernetztes Ökosystem mit ausgeprägter Fähigkeit zur Selbstregulation versteht und entsprechend behandelt.

Umweltverbände fordern Neuausrichtung der Waldpolitik

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Der Bund fordert 2010 lebendige Wälder, einen höheren Stellenwert der Gemeinwohlleistungen des Waldes, eine schonendere Holznutzung und mehr Wildnis. Und die 2018 veröffentlichte „Greenpeace Waldvision“ hält es höchste Zeit für eine Waldwende, belegt überzeugend eine wesentlich höhere Klimawirksamkeit konsequent ökologisch bewirtschafteter Wälder durch CO2-Speicherung gegenüber dem Szenario Weiter wie bisher. In nicht mehr bewirtschafteten Wäldern ist zudem die Verweildauer von Kohlenstoff aus CO2 wesentlich höher als im Wirtschaftswald anzusetzen.

Nur zwölf Prozent der Wälder sind in gutem Zustand

Der 2018 veröffentlichte „Alternative Waldzustandsbericht“ der Lübecker Naturwald-Akademie wertete die Daten der 3. Bundeswaldinventur kritisch aus und kommt zu dem erschütternden Ergebnis, dass nur zwölf Prozent der Wälder Deutschlands in gutem, hingegen 88 Prozent in schlechtem oder gar sehr schlechtem Zustand sind.

Lokale Initiativen haben sich zur „BundesBürgerInitiative Waldschutz“ zusammengeschlossen und 2018 ein „Manifest zum Wald“ in Deutschland veröffentlicht, in dem unter anderem ein klares und eindeutiges Bekenntnis zum Schutz der Gemeinwohlfunktionen von Wäldern im öffentlichen Eigentum und ein grundlegender Wertewandel bei der zukünftigen Behandlung von Wäldern gefordert werden.

In einem offenen Brief an die Bundeslandwirtschaftsministerin vom 10. August fordern Experten, Waldbesitzer und Verbände zur „Abkehr von Aufforstung und Holzfabriken“ auf.

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Von Hans D. Knapp, Michael Succow und Lutz Fähser

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