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Kommentar Guttenberg mit und ohne Brille
Mehr Meinung Kommentar Guttenberg mit und ohne Brille
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02:25 08.11.2013
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Dieser Tage gab es von berufener Seite aus München eine kurze Antwort auf eine erregende Frage: „Why not“ — also: Warum nicht! Die Frage war, ob sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) tatsächlich vorstellen könne, den gestrauchelten Adelshelden Karl-Theodor von und zu Guttenberg schon jetzt wieder ins Rennen um ein Bundesministeramt zu schicken. Guttenberg ante portas — der schon wieder? Irgendjemand hat da wohl den Durchblick verloren. Schließlich war man nach Plagiats-Affäre und geplatzter Popularitätsblase doch allseits froh gewesen, wieder „normal“ über Politiker als Leistungserbringer reden zu können. Vielleicht ist es ja wahr, was Szenekenner über Seehofer behaupten: Der habe „einen masochistischen Spaß daran“, Kandidaten hochzujubeln, um sie dann gleich wieder zu versenken. Aber möglicherweise hat das Gerede um einen neuen zu Guttenberg auch etwas mit dessen mangelndem Durchblick zu tun. Ins Kanzleramt fuhr der Baron diese Woche, als Beifahrer, mit Brille auf der Nase vor. Das überraschte wirklich. Nach seinem Abschied hatte er noch in einem Buch stolz über seine Wunderheilung berichtet. Eine „reizende indische Ärztin in den USA

habe bei ihm nach einem langen Blick in die Augen diagnostiziert, dass er ohne Brille „vollkommen ausreichend“ sehen könne. Allerdings mit einem kleinen Manko, dass „ich mit dem linken Auge etwas mehr sehe als nur schwarze Klumpen, die einen überholen“, was aber nur beim Autofahren störe. So einer wäre doch wirklich eine tolle Lösung für die Große Koalition, ohne Brille natürlich.

Berlin ist nichts für Pappnasen. Jetzt haben sie den Karnevalszug von Prinz Eddi I. aus dem Verkehr genommen. Die Kosten wurden zu groß, die Sponsoren zu knausrig und die Berliner Karnevalsbürokratie zu brutal. Auf 75 Dezibel beschränkt musste die Leistung der Lautsprecher werden. 40 000 Euro alles in allem hätte der Zug gekostet. Zu viel für Berlins Narren. Schade drum, jetzt schaut wieder alles nur auf die Darbietungen der Politik, die sind lauter, teurer und wilder und kommen ganz ohne Pappnase aus.

Von Alt-Minister Michael Glos (CSU) stammt bekanntlich der Ausdruck „Mutti“ für das Regime der Angela Merkel. Jetzt ist es amtlich, dass dieser Titel eine Brüskierung eines Verfassungsorgans ist. Joachim Mertes, SPD-Landtagspräsident in Rheinland-Pfalz, hat seinen Parteifreund Hendrik Hering, SPD-Fraktionschef, offiziell für die Verwendung des Ausdrucks „Mutti“ in einer Landtagsrede zur NSA-Spähaffäre gerügt. Das sei respektlos und peinlich. Fragt sich nur, für wen.

OZ

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