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Schüler aus MV in der Corona-Krise: Wir gehen wieder zur Schule

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17:50 14.05.2020
Für die Schüler aller beginnt unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder der Unterricht. Quelle: Robert Michael/dpa
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Junge Leute haben eine Meinung zu aktuellen Themen und Ereignissen. Heute schreiben Schüler und Schülerinnen von der Schule in Vitte auf Hiddensee, vom Hort der Carbäk-Grundschule in Broderstorf bei Rostock und von der Freien Schule in Prerow über die Corona-Krise und andere Dinge, die sie bewegen.

Lockerungen kommen zu schnell

Beeke Gau (15), 9. Klasse, Hiddensee: Ich finde, dass die Schulschließung eine nachvollziehbare Maßnahme war. Jetzt werden die Schulen langsam und vorsichtig wieder geöffnet. Nur so kann man auch kontrollieren und sicherstellen, dass der Mindestabstand eingehalten wird und daraus folgen dann eben die anderen Sicherheitsmaßnahmen. Für mich war es nicht sonderlich schwierig, den Unterrichtsstoff zu Hause zu bearbeiten und ich hätte es auch noch ein paar Wochen länger gemacht. Dass Schulen nun schon wieder geöffnet wurden und somit Schüler mit viel mehr Stress und auch gewisser Angst dorthin gehen müssen, ist für mich einfach keine angemessene Lösung. Viele Schüler schreiben gerade ihre Prüfungen und sind durch die Situation nun noch gestresster als ohnehin schon. Ich kann wirklich froh sein, dass ich dem nicht so ausgesetzt bin. Offensichtlich gibt es noch keine Lösung für das Problem und in näherer Zukunft wird dies sicherlich auch nicht passieren. Jetzt wieder zurück zur ,,Normalität“ zu kehren, ist nicht schlau. Solche schwerwiegenden Maßnahmen werden doch extra aus dem Grund eingeführt, damit sie erst mal beibehalten werden, nicht damit man sie frühzeitig abbricht und bewusst die Gesundheit, vor allem die Psyche, aller Menschen gefährdet.

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Zweischneidige Sache

Samantha-Eylene Holzfuß (15),9. Klasse, Prerow: Dass die Gastronomie wieder öffnet, ist gut, weil die Branche wieder zu tun hat und Geld verdient. Das ist von Vorteil. Der Nachteil ist, dass die Servicekräfte Masken tragen müssen.

Marie Löchel Quelle: Klaus Amberger

Marie Löchel (15), 9. Klasse, Prerow: Einerseits finde ich es gut, dass die Restaurants wieder öffnen, weil Köche und Kellner endlich arbeiten können. Andererseits besteht jetzt wieder eine höhere Ansteckungsgefahr, wenn zu viele Gäste in die Restaurants gehen.

Yasmine Kalz (15), 9. Klasse, Prerow: Endlich können Gastronomen wieder arbeiten. Aber sie müssen einen Mundschutz tragen. Es ist nicht gesund, immer die ausgeatmete Luft wieder einzuatmen.

Lukas Lange (16), 9. Klasse, Prerow: Die Öffnungen der Restaurants kommen zu früh. Es kann passieren, dass ein Corona-Infizierter zehn Gäste im Restaurant ansteckt, die wiederum andere infizieren. Natürlich haben die Schließungen wirtschaftliche Folgen, die mit Fördergeldern gemildert werden sollten.

„Flickenteppich“ macht Sorge

Luise Bremer (13), 7. Klasse, Hiddensee: Ich mache mir kaum Sorgen um das Corona-Virus, dass ich mich anstecke, da ich keinen Kontakt zu Fremden habe und auch nicht mehr einkaufen gehe. Ich halte mich auch sonst an die Schutzmaßnahmen. Was mir aber Sorgen macht, ist, dass die einzelnen Bundesländer eigene Regeln und Schutzmaßnahmen haben, denn im Moment ist Deutschland ein großer Flickenteppich. Ich frage mich, ob man so an das Ziel kommt, Corona zu überstehen.

Ich möchte Lehrer sehen

Swantje Syring (13), 7. Klasse, Hiddensee: Meine Meinung zu den Schulschließungen ist geteilt: Ich finde es ein wenig überzogen, dass selbst auf Hiddensee von zu Hause aus unterrichtet wird, da wir sehr wenige Schüler sind. Aber ich verstehe, dass man eine kleine Insel nicht von ganz MV abkoppeln kann. Von den Einschränkungen halte ich hier auf der Insel relativ wenig, da die Insel ohne Touristen wie leer erscheint. Homeschooling ist für mich ein schwieriges Thema. Einerseits finde ich es gut, dass man teilweise nicht viel Stress ausgesetzt ist, allerdings hat man zu Hause Probleme, wie schlechtes WLAN, ein nicht immer ruhiges Arbeitsumfeld, eine nicht immer funktionierende Website, und behält beim Homeschooling nicht so viel Stoff wie beim Unterricht in der Schule. Außerdem sitzt man jeden Tag allein in seinem Zimmer und bearbeitet seine Aufgaben so gut wie möglich. Was ich aber an unserer Schule schätze ist, dass man merkt, dass unsere Lehrer sehr bemüht sind und mir das Gefühl geben, sie jederzeit fragen zu können, wenn es Probleme gibt. Corona an sich berührt mich nicht direkt, da wir hier auf der Insel nicht so viel davon mitbekommen bzw. nicht ganz so nah am Geschehen sind. Während der Pandemie nutze ich meine Zeit hauptsächlich für Freizeitbeschäftigungen, wie Reiten. Ich helfe mehr als sonst im Haushalt und im Garten. Natürlich fehlen soziale Kontakte. Ich vermisse es ein wenig, mich wieder mit meinen Freunden treffen zu können, ohne auf genügend Abstand achten zu müssen. Und ich möchte die Lehrer wiedersehen, wenn ich eine Frage habe. Ja, Corona macht uns das Leben nicht leichter, aber umso mehr freut man sich, wenn alles wieder normal ist.

Die Krise nervt

Oliver Günther (9), 3. Klasse, Broderstorf: Mich nervt, dass keine Großveranstaltungen mehr stattfinden. Ich habe zwar mehr Zeit für meine Familie, aber mir fehlen Frau Mai, Frau Henneberg und Herr Wegehaupt aus meiner Schule. Die Krise nervt.

Fühle mich einsam

Emil Stöcklein (9), 3. Klasse, Broderstorf: Ich finde es blöd, dass man in der Notfallbetreuung im Schulhort immer Abstand halten muss. Jetzt kann ich nicht so gut mit meinen Freunden spielen. Außerdem sind nicht so viele Freunde in der Notfallbetreuung.

Emil Stöcklein Quelle: privat

Ich fühle mich einsam, weil ich auf dem Schulhof keine Freunde zum Spielen habe. Aber trotzdem macht es Spaß im Hort, da ich die Spielsachen fast für mich allein habe. Überall wird vom Coronavirus berichtet. Wenn alles wieder normal ist, kann ich endlich wieder mit meinen Freunden spielen und ins Kino gehen.

Restaurants legen wieder los

Marlon Franz (15), 9. Klasse, Prerow: Für jüngere Menschen hätten die Restaurants schon früher öffnen können. Denn jüngere Leute zählen nicht zur Risikogruppe.

Freude, aber auch Sorge

Lea Götz, (15), 9. Klasse, Prerow: Ich finde es gut, wenn wieder ein bisschen mehr Normalität für uns zurückkehrt. Es ist toll, dass wieder Restaurants, Tierparks öffnen und dass man sich mit einer anderen Person treffen kann. Auf der anderen Seite bleibt die Sorge, dass es nun wieder zu mehr Infektionen kommen könnte.

Schulöffnung jetzt unnötig

Fiona Heck (15), 9. Klasse, Prerow: Ich finde die Schulöffnung unnötig, weil die Schule nicht mehr so ist wie vor Corona und man einfach nicht mehr so gut lernen kann. Die neuen Themen kann man in der kurzen Zeit bis zu den Ferien auch nicht mehr nachholen. Einen Tag Schule, dann wieder einen Tag frei – das ist anstrengend, weil es ein Hin und Her ist. Man kommt auch durcheinander mit den Schulaufgaben. Das einzig Gute an der Schulöffnung ist, dass wir ein wenig von unserem Alltag zurückbekommen.

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Von Klaus Amberger

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