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Kommentar Sind wir nicht alle potenzielle Ersthelfer?
Mehr Meinung Kommentar Sind wir nicht alle potenzielle Ersthelfer?
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00:01 19.01.2017
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Kürzlich erschien in der OSTSEE- ZEITUNG ein Artikel über das Thema „Notärzteversorgung in Vorpommern“. Es ist nun einmal Tatsache, dass besonders dieser Teil unseres Bundeslandes ein typisches Flächenland mit dünnerer Besiedlung als zum Beispiel der Großraum Rostock ist. Ehe bei Unfällen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen medizinische Hilfe eintrifft, vergeht wertvolle Zeit. Die Rettungskräfte, die in der Regel relativ schnell vor Ort sind, stehen dann oft vor dem Problem, für bestimmte Eingriffe auf den Notarzt warten zu müssen. Das Projekt Tele-Notarzt bietet die Möglichkeit der speziellen Kommunikation zwischen Rettungsassistenten und dem auf dem Weg befindlichen Notarzt. Somit können lebensrettende Maßnahmen schneller und zielgerichteter eingeleitet werden.

Dr. Wolfgang Kuwatsch (70) ist Zahnarzt im Ruhestand. Seit drei Jahren begleitet er die OSTSEE-ZEITUNG als Leserbeirat.

Dieses Modell wird in den nächsten Jahren besonders im Landkreis Vorpommern-Greifswald eingeführt und als Beispiel für ganz Deutschland Schule machen. Gleichzeitig ist vorgesehen, medizinische Laien flächendeckend als Ersthelfer auszubilden, die bei akuten Erkrankungen die notwendigen ersten Maßnahmen durchführen.

Jedoch: Sind wir nicht alle potenzielle Ersthelfer? In Mecklenburg-Vorpommern waren am 1. Januar 2016 rund 63000 Krafträder, 833000 Pkw, 1700 Busse und 76200 Lkw registriert. Allein die Motorrad- und Pkw-Besitzer ergeben schon die stolze Anzahl von etwa 900000 „Ersthelfern“.

Jeder von ihnen – auch Sie, liebe Leser – hat als Besitzer eines Führerscheins Kenntnisse und Fähigkeiten, als erster Helfer an einem Unfallort, Herzdruckmassagen, Mund-zu-Mund-Beatmung und stabile Seitenlage zu beginnen, eine Rettungskette in Gang zu setzen oder Mithelfer anzusprechen.

Die Wirklichkeit sieht leider oft anders aus. Am Unfallort zögern viele aus Angst, etwas falsch zu machen und fahren vorbei. Einige halten an und warten erst einmal, ob andere Autofahrer helfend eingreifen. Im Extremfall stoppen einige, greifen zum Handy und „dokumentieren“ das Geschehen. Wenn dadurch, wie leider in letzter Zeit oft geschehen, die Rettungsarbeiten behindert werden, hört jedes Verständnis auf. Die Notwendigkeit, eine Rettungsgasse für die eintreffenden Helfer zu bilden, ist vielen offensichtlich immer noch nicht bekannt. Zum Glück für uns alle gibt es jedoch viele Menschen, die wahre Ersthelfer sind und ohne zu zögern oft zu Helden werden.

Überprüfen Sie sich bitte selbst. Was wissen und können Sie im akuten Ernstfall, nicht nur bei einem Unfall? Erkennen Sie Herz-Kreislaufprobleme, Anzeichen eines Schlaganfalls? Beherrschen Sie die Herzdruckmassage? Haben Sie den Mut, wenn vorhanden, einen Defibrillator anzuwenden?

Die Idee, flächendeckend Ersthelfer auszubilden, wie es das Wirtschaftsministerium MV zusammen mit den Krankenkassen und der Universitätsmedizin Greifswald entwickelt hat, ist lobenswert und wird unter dem Namen „Land/Rettung“ sicher Nachahmung finden. Vielleicht sind viele der Leser der OSTSEE-ZEITUNG in nächster Zeit ein aktiver Teil dieser Idee.

OZ

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