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Kommentar Schüler aus MV über die Corona-Krise: Zwischen Angst und Verständnis
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So erleben Schüler in MV die Corona-Krise

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09:03 27.03.2020
Schüler aus MV kommentieren ihre Sicht auf die Corona-Krise: zum Beispiel (v. li.) Julian Steinke (15), Doreen Fityka (15)und Abdullah Muhammad (17) Quelle: privat (2), Klaus Amberger
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Dassow/Satow/Grimmen

Die Schüler sind nun seit gut zwei Wochen wegen der Coronavirus-Krise nicht mehr in ihren Schulen und lernen ihren Unterrichtsstoff zu Hause. Wie es ihnen in dieser Situation geht und was sie über die Veränderungen in ihrem Alltag denken, schreiben junge Leute der 9. Klasse der Regionalen Schule Dassow, der 9. Klasse der Schule am See in Satow und der 8. Klasse vom Gymnasium Grimmen.

Zwang zur Selbstdisziplin

Annemarie Preußner (15), Satow: Schulschließung, aber keine Ferien. Ich finde es nervig. Schule ist auch nicht immer toll, aber zu Hause ist man oft abgelenkt: Nachrichten zu jeder vollen Stunde, man will ja auf dem Laufenden bleiben. Das Handy ständig in greifbarer Nähe – die Lehrer melden sich auch darüber. Nun arbeiten wir alles selbst aus und keine Ahnung, ob wir es besser verstehen. Lange schlafen, essen und trinken, wann man will, oh, das Spiel kenne ich ja noch gar nicht – und zack wieder nichts gemacht. Schule zu Hause ist Zwang zur Selbstdisziplin.

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Wenigstens kann man noch ins Freie gehen. Aber was, wenn eine Ausgangssperre kommen sollte? Gibt’s dann nur PC, TV und Smartphone? Ist ja mal ganz cool. Aber auf Dauer? Und vor allem: Wer beschützt uns vor unseren besorgten Eltern? Und wer bedenkt das jetzige Corona-Chaos im kommenden Schuljahr bei unseren Prüfungen?

Einschränkungen sind wichtig

Julian Steinke (15) aus Satow Quelle: privat

Julian Steinke (15), Satow: Ich fühle mich durch die Stilllegung des öffentlichen Lebens etwas eingeschränkt. Aber ich als Kamerad der Freiwilligen der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks weiß, dass diese Maßnahmen wichtig sind, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Wir können froh sein, in einer modernen Welt zu leben

Rieke Pätow (16), Satow: Wann hat man schon mal erlebt, dass so gut wie die ganze Welt unter Quarantäne gesetzt wird? In Deutschland und in vielen anderen Ländern wurden strenge Maßnahmen beschlossen: Nur hinausgehen, wenn es wirklich nötig ist, sich so oft, wie es geht, am Tag die Hände waschen, sich in kleinen Kreisen aufhalten, sich von älteren Menschen fernhalten. All diese Punkte sind in einer rasenden Geschwindigkeit in das Leben der Menschen getreten. Wie lange wird das so noch gehen?

Menschen verfallen in Panik und Angst, machen Hamstereinkäufe. Andere gehen mit einer sehr laxen Einstellung an das Thema heran. Solche Menschen gehen weiterhin überallhin und nehmen in Kauf, sich und andere zu infizieren. Doch gerade das muss verhindert werden, damit wir schnell wieder ein normales Leben führen können. Wir wollen wieder auf Konzerte, ins Theater oder im Urlaub verreisen. Wir können froh sein, dass wir in einer modernen Welt leben, mit Handys und anderen Sachen. Wir können unsere Freunde und Bekannte einfach per Telefon erreichen, das ist kein Problem mehr. Aber je länger wir draußen bleiben, desto länger müssen wir letztendlich drinnen bleiben!

Kontaktsperre hätte früher kommen müssen

Sam Kellman (16), Dassow: Die Schulschließungen sind richtig. Aber die Kontaktsperre hätte schon früher kommen müssen. Ein bisschen Angst hab ich schon dabei. Vor allem kann ich meinen Vater nicht mehr besuchen, da er in Schleswig-Holstein wohnt.

Gut, dass Schüler Aufgaben erhalten

Vivien Bilow (15), Dassow: Es sollten aber überall die gleichen Maßnahmen getroffen werden. Es muss eine Ausgangssperre geben, damit die Verbreitung des Virus eingedämmt wird. Es ist gut, das alle Schüler Aufgaben bekommen, um nicht später alles nacharbeiten zu müssen. Aber Hamstereinkäufe sind nicht nötig, weil Lebensmittelgeschäfte geöffnet haben. Positiv ist an der Krise, dass die Luft und das Wasser wieder eine bessere Qualität bekommen, zum Beispiel in Venedig.

Auch Jugendliche sollten Lage ernst nehmen

Lara Schink (16), Dassow: Das Virus sollte man sehr ernst nehmen. In einer verantwortungsvollen Gesellschaft sollte jeder auf jeden Rücksicht nehmen. Unverständlich ist, dass viele Jugendliche den Ernst der Lage nicht wahrnehmen und trotzdem Partys feiern.

Ich habe Angst

Philip Tamm (15), Dassow: Die Schulschließungen sind sinnvoll. Zu Hause fühle ich mich relativ sicher, da ich auf dem Land lebe und hier kaum andere Menschen wohnen, die mich anstecken könnten. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Regierung zu spät auf diese Pandemie reagiert hat. In China, wo das Virus als Erstes ausgebrochen ist, sind sehr schnell einschneidende Maßnahmen, wie die Ausgangssperre, ergriffen worden. Dadurch konnte dort die massive Ausbreitung schnell wieder gestoppt werden.

In Deutschland sind es nur einzelne Bundesländer oder gar nur Städte, die eine Ausgangssperre verhängt haben, wobei aber in den anderen Orten die Ansteckung ungehindert weitergeht. Erschreckend finde ich die hohen Zahlen der Erkrankten und auch der Todesfälle in Italien. Ich habe Angst, dass es hier auch so kommen könnte, da die Regierung, meiner Meinung nach, nicht konsequent genug handelt.

Einige verhalten sich verantwortungslos

Fynn Luca Rössing (15), Dassow: Ich finde, das Coronavirus wurde von der Regierung viel zu stark unterschätzt. Man hätte von Anfang an mit einer Ausgangssperre reagieren müssen. Eigentlich können wir doch alle schon infiziert und Überträger sein, obwohl wir keine Symptome aufweisen. Ich habe den Eindruck, dass viele dies immer noch nicht begriffen haben und rücksichtslos handeln, indem sie nicht zu Hause bleiben und so tun, als ob sie es nicht selbst betrifft. Selbst Nachbarn scharen Kinder um sich und spielen immer noch draußen. Was hat man an den Informationen, die mittlerweile auf uns einprasseln, nicht verstanden? Ist es immer noch nicht bei allen angekommen? Anscheinend nicht.

Man kann nicht so richtig abschalten

Justin Heß (15), Dassow: Diese Maßnahmen sind natürlich ein großer Eingriff in die Menschenrechte und belasten unsere Demokratie. Dennoch ist es das Richtige. Ich habe keine großen Sorgen um mich, sondern um andere. Ich möchte die Zeit nutzen, dass ich mal abschalten kann von dem ganzen Alltagsstress. Wobei das auch nicht so wirklich geht, weil man sich ja nicht mehr mit Freunden treffen soll, was ich aber auch richtig finde.

Hamstereinkäufer sind egoistisch

Patricia Pfeiffer (15), Dassow: Das wohl größte Problem, mit dem die Welt während der Corona-Krise zu kämpfen hat, sind die Ignoranz und der Egoismus mancher Menschen. Gerade in Zeiten wie diesen ist das unverantwortlich. Jeder sollte jetzt seinen Teil dazu beitragen, damit die Krise so schnell wie möglich überstanden ist. Auch die Menschen, die hamstern, handeln verantwortungslos gegenüber anderen. Zum Beispiel haben Diabetiker Schwierigkeiten, Desinfektionsmittel für ihre Insulinspritzen zu bekommen. Dass nun einige Asiaten nun als „Chinesen mit Coronavirus“ abstempeln, hilft auch nicht, sondern zeigt den Rassismus bei solchen Leuten. Eine positive Sache hat das Coronavirus allerdings: Seitdem der Großteil der Menschheit zu Hause bleiben muss, hat die Erde die Möglichkeit, sich vom Einfluss der Menschen zu erholen, wie man an den Kanälen in Venedig gut beachten kann, wo das Wasser nun klar ist und Delfine sich tummeln. Hoffentlich lernen nun die Menschen aus der Krise.

Was passiert nach dem 20. April?

Yannic Dupke (16), Dassow: Es ist gut, dass die Regierung harte Maßnahmen anordnet, um Ältere und Kranke zu schützen. Ich frage mich nur, was aus den Schülern wird, wenn die Schulen nicht wieder am 20. April öffnen. Muss dann das Schuljahr wiederholt werden? Wie will Deutschland all die Schäden, die jetzt in der Wirtschaft entstehen, wieder hinbekommen? Das Virus wird nicht nach einem Jahr einfach weg sein und es dauert vielleicht noch zwei Jahre, bis ein richtiger Impfstoff verfügbar ist. Für mich ist die Situation noch gut: Ich kann zu Hause sein, ausschlafen, Hausaufgaben machen. So macht die Schulzeit mehr Spaß. Nur, wie sollen wir Noten bekommen? Und überhaupt kann das ja so nicht bleiben. Da müsste man schon andere Wege finden, etwa über Plattformen arbeiten, damit Unterricht online durchgeführt werden kann. Ich mache mir eigentlich nur darüber Sorgen, wie wir unseren Abschluss bekommen.

Ich vermisse Freunde und Lehrer

Abdullah Muhammad (17) aus Dassow Quelle: Klaus Amberger

Abdullah Muhammad (17), Dassow: Das Thema ist sehr ernst. Die bisherigen Maßnahmen sind keine Schikane, sondern notwendig. Je schneller das alle verstehen, desto schneller können Verbote aufgehoben werden. Es muss umgehend ein Gegenmittel geben. Dass die Schulen jetzt geschlossen sind, freut mich nicht, ich vermisse meine Freunde, die Lehrer und den Unterricht. Aber schön ist, dass die Lehrer uns trotzdem Aufgaben geben. Ich habe zwar keine Angst vor dem Virus, aber um meine Bildung und die der anderen.

Sorge, dass Eltern erkranken

Ole Hohnholz (14), Dassow: Ich fühle mich bei diesem Thema komisch. Wenn ich überlege, dass es jetzt für einige Wochen keinen richtigen Unterricht gibt und in den Läden Klopapier und Mehl weggekauft wurden. Ich finde es aber entspannt, dass die Schulen geschlossen sind und habe keine Angst vor Corona. Aber ich habe Angst, dass meine Eltern erkranken könnten. Angst habe ich nicht, weil mir dieses Virus nichts antun kann. Was die Sicherheitsmaßnahmen angeht, hätte Deutschland auf jeden Fall schneller reagieren sollen. Jetzt bleibe ich zu Hause und beschäftige mich mit Videospielen.

Internet hilft beim Lernen

Lisa Grabowsky (15), Dassow: Mit Hilfe von E-Mails und Internetportalen können Schüler ihre Aufgaben nun selbstständiger als sonst erledigen. Hoffentlich greifen nun die vielen Maßnahmen, um das Virus einzudämmen, damit das nächste Schuljahr wieder in der Schule stattfinden kann.

Vorteil: Kann sich Aufgaben selbst einteilen

Niklas Kähler (16), Dassow: Es ist fast wie Ferien, nur dass wir Aufgaben bekommen, die wir bearbeiten müssen. Es ist eine gute Möglichkeit, sich gute Zensuren zu verdienen, weil man sich die Aufgaben so einteilen kann, wie man will. Eigentlich bin ich erleichtert, dass wir zu Hause bleiben und nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sind, uns anzustecken. Alle bislang getroffenen Einschränkungen sind richtig, damit sich das Virus nicht so schnell ausbreiten kann. Ich mache mir Sorgen um meine Familie und meine Bekannten. Vor allem um ältere Leute, weil sie mit Vorerkrankungen schnell sterben können.

Ausgangssperre wäre richtig

Jannik Baalhorn (16), Dassow: Ich habe keine Angst vor dem Virus. Ich verstehe aber die Menschen, die wegen ihres Alters oder gesundheitlicher Probleme Ängste haben. Die Vorkehrungen, Schließungen von Läden, Schulen, Kitas und die Sperrung der Bundesländer für Urlauber und Touristen, sind richtig. Leider haben es noch nicht alle Menschen verstanden und halten sich nicht daran, zu Hause zu bleiben. Die Politiker sollten mehr durchgreifen und eine landesweite Ausgangssperre verhängen.

Nervig: Es geht nur noch um das Virus

Doreen Fityka (15) aus Dassowa Quelle: privat

Doreen Fityka (15), Dassow: Es ist verständlich, dass die Schulen geschlossen haben. Aber es nervt mich, dass es überall nur noch um das Coronavirus geht. Man sollte jetzt keine Ausgangssperre veranlassen. Meine Freunde haben Angst vor dem Virus, ich selbst nicht, weil bei anderen Krankheiten schon mehr Menschen gestorben sind. Aber ich habe Sorge, dass sich das Virus schnell verbreitet. Ich nutze die Zeit, um Schulaufgaben zu erledigen und mich mit maximal einer Person zu treffen. Wichtig ist, dass sich jetzt alle ein bisschen beruhigen und noch einmal nachdenken, was für Maßnahmen noch wichtig sind.

Ich helfe bei der Hausarbeit

Jeremy Tonn (16), Dassow: Ich bin beunruhigt, weil ich täglich von neuen Ansteckungen und Todesfällen höre und erst jetzt nach einem Gegenmittel geforscht wird. Die Schließungen von Schulen und allen Geschäften sind richtig. Allerdings hätte das früher geschehen müssen. Jetzt helfe ich nach den Schulaufgaben zu Hause bei der Hausarbeit und im Garten. Außerdem kümmere ich mich um die Instandsetzung meines Motorrades.

Die Situation ist stressig

Chiara Bläsing (14), Dassow: Seit dem 16. März sind die Schulen geschlossen. Einerseits ist das aus Sicherheitsgründen gut. Andererseits versäumt man viel Lernstoff und hat nicht die Möglichkeit, sich viel bis zu den Sommerferien zu verbessern. Die Maßnahmen der Regierung sind bislang richtig und wichtig. Aber warum haben nicht alle Bundesländer die gleichen Regeln. Angst habe ich um meine Familie. Ich wäre jetzt lieber zur Schule gegangen, anstatt meine freie Zeit für die vielen Schulaufgaben zu nutzen. Die Situation ist stressig. Aber man muss sich an die Regeln halten, um die Verbreitung des Virus einzuschränken.

Will trotz Krise nicht schlechter werden

Mailin Hinzmann (15), Dassow: Eigentlich kann ich Corona nicht mehr hören. Es hat mich auch nie interessiert. Aber da ich erkältet bin, sehe ich die Sache anders. Ich informiere mich nun besser über das Virus und nehme es ernst. Ich dachte zuerst, dass es übertrieben sei, Schulen zu schließen. Aber das ist es nicht. Es ist auch richtig, Sozialkontakte zu vermeiden. Es gibt ja noch Handys. Ich versuche, trotz des wochenlangen Ausfalls, einen guten Schulabschluss zu erhalten. Denn ich möchte trotz der Krise nicht schlechter werden.

Problem werden die wirtschaftlichen Folgen

Alina Urgast (13), Grimmen: Ist eine Ausgangssperre in Mecklenburg-Vorpommern wirklich nötig? Ich bin immer noch hin- und hergerissen. Doch vieles spricht dafür, etwa dass für die nächsten Wochen keine genauen Prognosen möglich sind. Dagegen spricht, dass es in MV zurzeit die wenigsten Infizierten gibt. Mit den bisherigen Maßnahmen konnte man schon teilweise die explosionsartige Verbreitung des Virus verringern. Aber das größte Problem, das die Ausgangssperre hervorruft, sind die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden. Insolvenzen von vielen kleinen Betrieben und Depressionen als Krankheitsfolgen bei einigen Menschen sind teilweise unausweichlich. Das Virus auszurotten ist ein toller Traum, wenn alle die Regeln mitmachen würden.

Nur fürs Nötigste hinaus gehen

Lina Becker (14), Grimmen: Ich finde es gut, dass manche Leute die Möglichkeit haben, von zu Hause zu arbeiten und Schüler von zu Hause aus Schule machen. So wird der Kontakt zu anderen gemieden. Deutschland muss die Grenzen zumachen und alle Deutschen, die aus dem Ausland einreisen, müssten sofort in Quarantäne, um das Virus nicht zusätzlich aus dem Ausland einzuschleppen. Meine drei Geschwister und ich dürfen uns nicht mit Freunden treffen, da es wichtig für unsere Eltern ist, dass sie gesund sind. Auch dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schäden viel länger anhalten werden als die Pandemie selbst, ist klar. Zwangsschließungen sind für niemanden gut. Eine Ausgangssperre kann zum Beispiel bei psychisch schwachen Menschen ein Problem werden. Ich bin nicht für eine Ausgangssperre, da man an die frische Luft muss. Aber man sollte trotzdem nur für das Nötigste hinausgehen.

Kontaktsperre beachten

Luca Stoldt (13), Grimmen: Sicherheit ist besonders wichtig. Wenn es nicht viel mehr Infizierte geben soll, muss man die derzeitige Kontaktsperre beachten. Meiner Meinung nach sollte eine Ausgangssperre eingeführt werden, um das Virus in Deutschland zu besiegen.

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Von Klaus Amberger

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