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Lesermeinung „Die Leute müssen bereit sein, mehr zu zahlen“
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16:55 06.09.2019
Gastro-Branche kämpft mit schlechtem Image: „Werdet euch eures Wertes bewusst und wehrt euch!“ Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Rostock

Viel Arbeit, wenig Geld: Auf diese einfache Formel lässt sich der Zustand im Gastgewerbe bringen. Gerade mal 1700 Euro brutto verdient ein Koch in MV laut Tarifvertrag. Viel zu wenig, klagen nicht nur Betroffene. Für die 37 000 Beschäftigten der Gastro-Branche in MV will die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) nun bis zu 26 Prozent mehr Geld erkämpfen. Viele OZ-Leser unterstützen die Forderungen, wie sie in ihren Kommentaren schreiben.

Dana Becker notiert: „Ich habe diesen Job immer gerne gemacht, mit ganzem Herzen. Aber nach dieser Saison bin ich raus. Das ist doch kein Leben mehr. Wenig Geld, kein Wochenende, kein Feiertag.“ Markus Faber fragt, warum MV gerade in diesem Bereich Schlusslicht sei. „Jedes Jahr liest man über Gästerekorde und gleichzeitig liest man, wie die Arbeitsbedingungen in zahlreichen Betrieben sind.“ Da dürfe, so der Leser, „die Frage gestattet sein, warum die Landesregierung dieses Thema ignoriert. Es ist ja keine Erfindung der Gewerkschaften und der betroffenen Mitarbeiter, sondern Realität. Warum ist es so schwer, auch Mitarbeiter am Erfolg eines Unternehmens teilhaben zu lassen?“ Alexandra Hermann schreibt: „Hier im Osten wird in der Branche wesentlich mehr ausgebeutet als in den alten Bundesländern. Viele der Hoteliers und Gastronomen sind auf den schnellen Profit aus, und das geht nur auf Kosten des Personals. Viele hätten einfach noch nicht begriffen, dass es besser sei, „ein motiviertes, zufriedenes Team zu führen.“ Anett Steinbach begrüßt die Forderungen der Gewerkschaft: „Endlich, es wurde viel zu lange gewartet. Schon erstaunlich, dass es aber immer noch jede Menge Personal gibt, das unter solchen Bedingungen Jahre gearbeitet hat. Viel Erfolg bei der Durchsetzung!“ Monika Schumacher sei froh, wie sie sagt, „dass sich die Angestellten der Gastronomie endlich ihrer Werte bewusst werden und sich wehren.“ Bestimmt gebe es ja inzwischen Gastronomen, die begriffen haben, dass sie, wollen sie gutes Personal haben, keine Minimallöhne mehr zahlen dürfen, so die Leserin. Sie schlägt den Angestellten vor, „nur noch da zu arbeiten, wo man sie als Mensch und nicht mehr als Sklave ansieht. Dann können die Gastronomen entscheiden, ob sie bessere Bedingungen schaffen oder lieber aufgrund von Personalmangel dichtmachen.“ Daniel Schillersei deswegen fortgegangen von der Insel, wie er schreibt. „Bei meinem jetzigen Betrieb wird jeder Zuschlag gezahlt, egal ob Feiertag oder Sonntag. Nur leider liegt er in Niedersachsen. Und dann wundert man sich, wieso man kein Personal mehr bekommt. Und übrigens: Auch wir haben Probleme, Personal zu bekommen trotz übertariflicher Zahlung und Zuschlägen.“ Jürgen Schadach findet: „Die Forderung ist völlig gerechtfertigt. Leute, organisiert euch und wehrt euch! IHK und Politik jammern seit Jahren darüber, dass tausende Ausbildungsplätze in der Gastro-Branche unbesetzt sind. Warum wohl? Auch hier wird Angebot und Nachfrage über kurz oder lang die Arbeitgeber dazu zwingen, anständige Löhne zu zahlen. Die Alternativen wären – oder sind teilweise schon – seelenlose Frühstückshotels.“ Katrin Kuschemeint: „Es ist traurig und beschämend zugleich, dass man für mehr Lohn kämpfen muss, um ein einigermaßen ordentliches Leben führen zu können.“

Nico Seyfarthmerkt an: „Die Leute sollten einfach mal bereit sein, für einen solchen Luxus zu bezahlen. Meistens finde ich die vielen guten Restaurants viel zu günstig für die gebotene Leistung. Ich bin gerne bereit, drei, vier Euro mehr für mein Gericht zu zahlen, wenn davon, inklusive Lohnnebenkosten, der absolute Großteil ans Personal geht.“

Von Juliane Lange

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