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Lesermeinung Heinkelmauer: Idee für Ausstellung
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20:18 05.03.2017
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Rostock

Ein Museum „für das künftige Erinnern an den Flugzeugbauer" - ohne die Mauer? Es kann doch nicht hauptsächlich um die Erinnerung an den Flugzeugbauer Ernst Heinkel gehen. Das Ausstellungsstücke, wie ein Mauersegment, ein Vorderrad eines Heinkel-Bombenflugzeuges und vielleicht Tafeln mit Überschriften im Stil von: „Kampf- und Verkehrsflugzeug He 111“ den Kern der Sache treffen sollen, kann doch nicht ernsthaft Auffassung der Hansestadt Rostock sein. Es geht doch um sehr viel mehr, als das, was mit einem Museum irgendwo am Werftdreieck erreicht werden kann. Was würde solch ein Museum kosten? Diese Kosten würden dann als Unterstelle des Kulturhistorischen Museums ebenfalls dauerhaft der Stadt zufallen! Die „Heinkelmauer“ braucht nicht geplant und gebaut werden, sie ist bereits da und tausende Menschen sehen täglich dieses Denkmal an seinem historischen Ort.

Nochmal zum Kern der Auseinandersetzungen um die „Heinkelmauer“: Es geht um rein wirtschaftliche Gründe, die von Anfang an im Zentrum städtischer Bemühungen standen und damit ist der Abriss offenbar in der Stadt Rostock politisch gewollt. Und ist die Denkmal-Mauer erst mal weg, wird die Bürgerschaft auf Jahre keinen Beschluss für ein neues Heinkel-Museum fassen. Ein professionelles Museumskonzept, Planung, Aufbau und Unterhalt, Refinanzierung durch Eintrittsgelder – "alles viel zu teurer" wird es bald offiziell verlauten. Ohnehin müssen vorher nach langen Recherchen Historiker zur Person Ernst Heinkel zu Wort kommen, damit dann das Richtige auf den Tafeln steht, das dauert und braucht seine Zeit.

Trotz aller bisher zahlreich veröffentlichten subjektiven Meinungen verschiedenster Personen wäre es interessant zu wissen, wie ein engagierter „Spiegel-Journalist“ sich des Themas angenommen hätte. Die Kostenschätzung von 2,1 Mio. hätte er nach kurzer Konsultation mit Baufachleuten aller Wahrscheinlichkeit nach als viel zu hoch und damit falsch bewertet. Er hätte vielleicht entdeckt, dass niemals ernsthaft Fördermittel für die Sanierung beantragt wurden und ebenso hätte er bald herausgefunden, dass es niemals ein Sanierungskonzept für dieses Denkmal gegeben hat. Auch hätte er dann die Eignung zuständiger Personen in Ämtern in Frage gestellt und sich gefragt, warum die örtliche Presse tiefer gehende Nachforschungen offenbar vermeidet. Schlussendlich wäre er zu dem Ergebnis gekommen, dass zur Begründung einer Unzumutbarkeit der Sanierung nun einmal hoch geschätzte Sanierungskosten erforderlich sind, sonst funktioniert das nicht.

Bei allem Wunschdenken zurück zur Realität. Selbst wenn das mit Denkmalfragen weniger befasste Bauministerium eine Baugenehmigung zum Abriss erteilen sollte, bleiben die Fakten: Der Antrag wurde eigenverantwortlich vom Denkmalamt an der Bürgerschaft vorbei gestellt und selbst eine Genehmigung zwingt niemand, ein Denkmal abzureißen. Vielleicht stellt jedoch genau dieses Bauministerium unbequeme Fragen, die kein Amt gerne mag? Es wäre auch vor einer Entscheidung gut zu wissen, wie die Oberste Denkmalbehörde des Landes die Problematik sieht. Wie ist eigentlich das Ergebnis der Online-Umfrage zur Heinkelmauer?

Teilstück-Denkmalmauern finde ich genau so wenig gut, wie Teilstück-Kirchen, Teilstück-Schlösser oder Teilstück-Gutshäuser. Wenn die vollständig erhaltene Denkmal-Heinkelmauer fällt, wäre das Werftdreieck am Ende ein Ort, der keine Geschichte mehr hat.

M. Riedel