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Lesermeinung „Macht euch nicht ins Hemd, so ist halt die Marktwirtschaft“
Mehr Meinung Lesermeinung „Macht euch nicht ins Hemd, so ist halt die Marktwirtschaft“
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16:18 09.09.2019
Ein Rügener Supermarkt kennzeichnet den Badejungen als „nicht regionales Produkt“. Quelle: Uwe Driest
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Bergen auf Rügen

Mit demAus des „Rügener Badejungen“ tun sich viele Leser noch immer schwer. Einheimische und Gäste hatten zuletzt angekündigt, den Traditionskäse nicht mehr kaufen zu wollen. Nach mehr als sechs Jahrzehnten endete auf Rügen im August dieses Jahres die Produktion des Camemberts, der künftig in Thüringen hergestellt wird.

Frank J. Cholléebegrüßt den Boykott: „Gute Aktion und verständlich.“ Gerlinde Rogerberichtet, dass sie den Käse seit ihrer Kindheit kenne und schätze. „Doch jetzt ist es kein ‚Rügener Badejunge‘ mehr. An dem Regal gehe ich jetzt vorbei.“ Janine Höfermeint: „Ein regionales Produkt sollte regional produziert werden. Wir sind auch am Regal vorbeigelaufen, haben kurz aufs Etikett geschaut, Kopf geschüttelt und sind weitergegangen. Schade, dass die Wirtschaft hier alles zugrunde richtet und es nur noch ums Geld und nicht den Geschmack geht.“ Auch Barbara Schadekenne den Camembert aus ihrer Kindheit, wie sie notiert. Dass er nun aus Thüringen kommt, gehe gar nicht, so die Leserin. Jens Langos geht es genauso, so formuliert er es. „Seit Jahrzehnten machen wir Urlaub auf Rügen und der ‚Rügener Badejunge‘ gehörte dazu, weil er von der Insel kam. Wir haben ihn dann auch zu Hause gekauft. Das lassen wir nun bleiben.“ Evelyn Sogibt zu, dass sie „zwar überhaupt kein Käseesser“ sei, „aber das war für mich, nachdem ich nach Niedersachsen gezogen bin, immer ein kleines Stück Heimat im Kühlregal. Ich hoffe, es ergeht den Fischkonserven aus Sassnitz nicht auch irgendwann so. Dann gibt’s gar kein Produkt mehr aus der Heimat in der Fremde zu kaufen.“

Anja Hilligernotiert, sie habe „im Regal den letzten Käse aus der Rügener Produktion erwischt, den anderen habe ich zurückgelegt. Es ist nicht dasselbe, dann kann ich jetzt auch jeden anderen kaufen.“ Peter Radvanversteht an der ganzen Sache nicht, schreibt er, warum die Molkerei kein Geld in eine neue Anlage investiert habe. „Wo nur noch der Profit zählt, investiert man nicht. Das Werk in Altenburg wird auch bald Geschichte sein. Irgendwann werden wir lesen, dass die Produktion nach Polen ausgelagert ist.“ Tom Alffhält verwundert fest: „Weil es die Inhaber auch so sehr stört, wenn die Rüganer den Käse nicht mehr kaufen. Als wenn das die Haupteinnahmequelle ist.“ Jürgen Lämmerzahlhat mit der Verlegung des Produktionsstandortes weniger Probleme: „Völlig Wurst, ach nö, Käse, wo er produziert wird, Hauptsache er schmeckt. Macht euch nicht ins Hemd, so ist halt die Marktwirtschaft. Was meint ihr, was alles in China produziert wird, wo am Ende ein Label aus MV draufsteht. Locker bleiben und Käse aus Thüringen essen. Ne Thüringer Rostbratwurst schmeckt auch gut dazu.“

Von Juliane Lange

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