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Lesermeinung „Noten statt Menschlichkeit. Darin liegt der Fehler“
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13:56 23.05.2019
Zwei Jahre hat Kristina Rasch als Vertretungslehrerin an der Heinrich-Schütz-Schule gearbeitet. Ihr Vertag wird nicht verlängert. Quelle: Cosima Engel
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Rostock

Das Aus für die Rostocker Lehrerin Kristina Rasch hat eine aufgeregte Debatte unter OZ-Lesern ausgelöst. Seit zwei Jahren arbeitet die 29-Jährige befristet als Vertretungslehrerin für Englisch und Philosophie an der Heinrich-Schütz-Schule in Rostock. Zum kommenden Schuljahr muss Rasch die Schule verlassen – trotz ausgeschriebener Stelle. Der Grund: Ein externer Bewerber wird ob einer besseren Abschlussnote im Staatsexamen vorgezogen.

Olaf Klevenow meint dazu: „Man sollte dieses Einstellungsprozedere überdenken. Ich hatte Lehramtsstudenten, die ihr Studium mit eins abgeschlossen haben, an der Schule aber nicht zurecht kamen. Die Abschlussnote sagt recht wenig über die Eignung für diesen Beruf und das Zurechtkommen in diesem Beruf aus.“ Dafür sollten andere Kompetenzen Vorrang erhalten, so Klevenow. Elizabeth Jameson zitiert aus der Stellungnahme des Bildungsministeriums: „,Die Auswahl richtet sich nach dem Grundsatz der sogenannten Bestenauslese.’ Nur weil man eine bessere Note im Abschluss hat, ist man noch längst nicht der bessere Lehrer! Gerade in unserem Beruf kommt es auf andere Dinge an!“ Auch Aliya El Aaraik greift das Stichwort „Bestenauslese“ auf. „Soziale Kompetenz und Einfühlungsvermögen unterliegen keiner Bewertung.“

Ebenso stört sich OZ-Leserin Katrin Jordan an dem Grundsatz der „Bestenauslese“ „Wenn ich das lese, wird mir übel. Manch einer mit den besten Noten hat weniger Ahnung und Zugang zu den Kindern als eine Vertretungslehrerin, die schon zwei Jahre die Kinder unterrichtet. Ich drücke der jungen Frau ganz fest die Daumen, dass sie schnell woanders eine Stelle findet. Es gibt genug Schulen, die Lehrer dringend suchen und ich denke, irgendwo wird auch eine Stelle frei sein.“ Ansonsten, so rät es die Leserin, solle die Lehrerin Mecklenburg-Vorpommern verlassen. „Andere Bundesländer nehmen sie mit Handkuss.“

André Becker indes wundert sich nicht über das Aus. „Na warum wohl? Man müsste sie ja dann entfristen, und dann bekommt man sie schlechter wieder los. So läuft das in vielen Bereichen. Leider.“ Renate Nehls könne den Zustand „schon nicht mehr ertragen“, wie sie notiert. „Vor allem wenn man sieht, wie dringend Lehrer gesucht werden.“ Frau Menau hält fest: „Sie hatte eine befristete Stelle, die dann ausgeschrieben worden ist, und das Auswahlverfahren hat sich für jemand anderen entschieden. Wo ist das Problem?“ Christoph Grimm fragt: „Gibt es in ganz Mecklenburg-Vorpommern keine Schule, an der die Dame arbeiten kann? Das glaube ich nicht.“ Jürgen Jimmy Imholt moniert: „Noten statt Menschlichkeit. Da steckt der Fehler im System. Das betrifft Schüler wie auch Lehrer. Nicht immer ist der, der auf dem Papier der bessere ist, tatsächlich auch die bessere Wahl.“

So sieht es auch Undine Bruch: „Ein besserer Schulabschluss heißt noch lange nicht bessere Lehrkraft. So werden junge Lehrkräfte aus MV vergrault. Da kann man sich nur an den Kopf fassen. Ich wünsche der jungen Frau viel Glück und Erfolg im weiteren Berufsleben.“ Alexander Liebsch bedauert die Entscheidung: „Echt schade für sie, ihre Kollegen und die Schüler. Aber so läuft es seit Jahren im Bildungsministerium MV, und dies ist kein Einzelfall – Lehrer, die da sind, nicht zu übernehmen. Es könnte ja Geld kosten. Aber andersherum wird ein Schuh draus: Ohne Lehrer wird es weit teurer, deshalb sollte es Ziel sein, Lehrer, die hier bleiben möchten, auch frühzeitig zu binden.“

Juliane Lange

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