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Lesermeinung Offenes Ohr für Anwohner?
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22:47 01.08.2015
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Wolgast

Sehr geehrter Herr Sigmar Gabriel,

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es hat Sie also am gestrigen Tag hier her nach Wolgast geführt, um die örtliche Flüchtlingsunterkunft zu besuchen. Ich freue mich sehr, dass Ihnen dieser Besuch positiv in Erinnerung bleiben wird. Sie schreiben, Sie haben vor Ort "mit Betreibern, dem Bürgermeister und vielen Ehrenamtlichen" gesprochen.

Haben Sie, Herr Gabriel, auch mit Ortsansässigen gesprochen? Haben Sie auch ein Ohr für jene gehabt, die sich seit der Eröffnung dieser Unterkunft eventuell "unwohl" fühlen? Haben Sie im entferntesten daran gedacht, dass man auch diese Menschen anhören sollte, oder ging es nur darum, die eigene Werbetrommel zu rühren und gut da zu stehen, wenn man ein paar Hände schüttelt und Schultern klopft? Was ist mit den in der näheren Umgebung wohnenden Rentnern? Mit den jungen Mädchen, die ich als Mutter NICHT mehr allein dort laufen lassen würde?

In dieser Stadt ist nichts mehr, wie es mal war. Ich war leider aufgrund privater Angelegenheiten dazu verdammt, mich vorerst hier niederzulassen und habe mit Glück die andere Seite der Stadt beziehen können. Ich hätte es in Wolgast Nord nicht ausgehalten. Denn dort ist nicht immer eitel Sonnenschein. Oder wurde Ihnen neben all den positiven Dingen auch mitgeteilt, dass von dort aus Drogen an minderjährige Jugendliche verteilt wurden? Dass dort eine Sozialarbeiterin von einem Migranten aus Afghanistan geschlagen wurde, weil sich dieser bei der Auszahlung seiner ihm "zustehenden Leistungen" benachteiligt fühlte? Dass dort regelmäßig Polizeieinsätze statt finden, weil es aufgrund kultureller und religiöser Konflikte zu tätlichen Angriffen kommt? Dass bei diversen Razzien Verstöße gegen Waffenbesitz und Betäubungsmittelgesetz festgestellt werden?

Muss ich mich als Frau wirklich von obszön anmutenden Blicken und mir sprachlich nicht verständlichen Bemerkungen belästigen lassen? Ist es nur verschobenes Empfinden meinerseits, oder Tatsache, dass, seit dieses Heim hier ansässig ist, die Polizei nun oftmals die Personalien der Migranten aufnimmt, weil mal wieder bei Aldi, Lidl etc geklaut wurde?

Ich denke, Sie sollten die Stimme des Volkes, des IHNEN unterstellten Volkes, auch einmal anhören, statt alle, die nicht bereit sind, NOCH mehr zu helfen, NOCH mehr aufzunehmen, einfach in die rechte Ecke zu stellen! Denn diese besorgten Bürger finanzieren all die Hilfen, die die Außen- und Asylpolitik verschlingen.

Stattdessen sympathisieren Sie mit einem Till Schweiger, der seine Fans, jene, denen er seinen Wohlstand zu verdanken hat, als "empathieloses Pack" bezeichnet, hören sich SEIN Gejammere eine halbe Stunde lang im Heringsdorf-Urlaub an, statt bürgernah aufzutreten und den "Kleinen" eine Chance zu geben, sich auch mal so richtig darüber auszulassen, ihre Sorgen und Nöte (von letzteren gibt es hier in Wolgast, wo Sie schon mal da waren, durchaus genug!) los zu werden. Es kommt im Moment das Gefühl auf, dass es nur noch ein Thema gibt: wie können wir schnellstmöglich so viele Migranten wie möglich nach Deutschland holen, durch welche steuerlichen Erhöhungen können wir dies finanzieren und mit welchen drastischen Strafen können wir die Asylkritiker mundtot machen. Bei den bevorstehenden Strafen für Hetzer bleibt die Frage offen, ab wann man als solcher gilt?

Es entsteht der Eindruck, wir haben für alle da zu sein, nur nicht für uns selbst! Sie haben gut lachen, in Ihrer Villa sitzend, abgeschottet von den negativen Schwingungen im Land, die erst die Spitze des Eisbergs sein werden. Je mehr sich das Volk ungehört im Stich gelassen fühlt, desto mehr wachsen Hass und Ablehnung, was definitiv NICHT gutzuheißen ist! Und das wird nicht einfach weniger, wenn man Asylheime besucht und alles schönredet, obwohl so viel zu tun wäre. Krempeln Sie die Ärmel hoch und tun Sie was, sonst fährt dieses Land gegen die Wand!!!

Einen schönen Abend wünsche ich.

Mit freundlichen Grüßen...



Christin Wittmann

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