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Lesermeinung „Ohne Verständigung ist keine Behandlung erlaubt“
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12:22 14.05.2019
Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. Mediziner einer Arztpraxis in Sachsen-Anhalt verweigern Patienten ohne Deutschkenntnisse die Behandlung. Quelle: dpa
Teuchern

Aufgrund von Verständigungsproblemen mit ausländischen Patienten sorgt eine Arztpraxis im sachsen-anhaltinischen Teuchern mit ihrem Aushang für hitzige Debatten. „Leider ist es uns nicht möglich, Patienten ohne jegliche Deutschkenntnisse oder ohne Begleitung eines Dolmetschers zu behandeln“, heißt es dort. Die Ärzte möchten jene Aufforderung nicht als Stimmungsmache, sondern als Hilferuf verstanden wissen. OZ-Leser diskutieren kontrovers über diese Haltung und das im Internet kursierende Schriftstück.

Sandra Wichert empfindet das Anliegen der Ärzte als „absolut nachvollziehbar. Wer nach Deutschland kommt, hat die deutsche Sprache zu erlernen. Andersrum hätte ich auch die Pflicht.“ Peter Bernau schreibt: „Der Patient muss aufgeklärt werden, und wenn er die Aufklärung vollständig verstanden hat, kann er seine Zustimmung zur Behandlung geben. Ist das nicht gewährleistet, macht sich der Arzt strafbar. Also: Ohne Verständigung, außer in Notfällen, ist keine Behandlung erlaubt. Michael Sauer fragt: „Wie soll man denn wissen, was einem fehlt, wenn man sich nicht verständigen kann?“ Er findet den Aushang „gut“. So hätten die Ärzte mehr Zeit für andere Patienten. Adina Wünsche-Zachow berichtet, dass es auch andersherum geht. „In unserem Krankenhaus werden Ärzte wieder entlassen, weil sie sich nicht mit den Patienten verständigen können. Es kann nicht sein, dass sie nicht mal die Bestandteile des Blutes auf Deutsch erklären können. Es ist echt verrückt, und ich kann das verstehen.“

Holger Suhrbier hebt hervor: „Jeder Mensch hat Anspruch auf eine medizinische Behandlung – egal welche Sprache er spricht und aus welchem Land er kommt.“ Nina Gerling schreibt, dass nachvollziehbar sei, dass für eine seriöse Behandlung bei einem Spezialarzt beiderseitige sprachliche Verständigung notwendig sei. Es wäre daher sehr sinnvoll, so die Leserin, „dass Landkreise den Ärzten hierzu Handreichungen geben (zum Beispiel Flyer, die klar machen, wie man an Dolmetscherdienste kommen kann; konkrete Adressen von Hilfsstellen). Der zitierte Aushang hinterlässt hingegen einen schalen Nachgeschmack. Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse können ihn weder lesen noch verstehen. Wenn es da ein Problem gibt, dann erwarte ich von Behörden, dass sie den Ärzten behilflich sind. Ein solcher Aushang hilft niemandem.“

Gitte Johannsen stellt die Frage, „an wen das Schreiben denn gerichtet ist? Sicher nicht an die Asylbewerber, die es eh nicht lesen könnten. Also: Pure Stimmungsmache!“ Sven Röger kommentiert den Vorfall wie folgt. „Das wird sicherlich einige Leute triggern, ganz nach dem Motto: ,Die Ausländer sind schuld, dass ich so lange warten muss.‘ Aber andererseits ist es auch verständlich, dass Patient und Arzt sich verständigen können müssen, um eine Fehlbehandlung zu vermeiden. Dieser Aushang ist vielleicht einfach nur der falsche Weg, um auf ein Problem hinzuweisen.“

Juliane Lange

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